Politik

Nackte Brüste in Meldorf Femen-Aktivistinnen bedrängen Jens Spahn

119272122.jpg

Kurzer Tumult in Meldorf: Die Protestaktion richtet sich gegen Spahns umstrittene Studie zu Schwangerschaftsabbrüchen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ungewöhnlicher Protest gegen Deutschlands Gesundheitsminister: Bei einer Rede in einer norddeutschen Kleinstadt springen unbekleidete Frauen auf den CDU-Politiker zu. Singend protestieren sie vor der Bühne gegen Spahns umstrittene Studie.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist bei einem Auftritt in Meldorf in Schleswig-Holstein von zwei halbnackten Femen-Aktivistinnen überrascht worden. Aus Protest gegen die von Spahn geplante Studie zu seelischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen unterbrachen die jungen Frauen den CDU-Politiker bei seiner Rede am Freitagabend und bewarfen ihn mit Papierschnipseln.

Szenen des Vorfalls sind auf einem Video zu sehen, das die Organisation auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte. Die entblößten Aktivistinnen untermalten ihren Auftritt mit Gesang. Augenzeugen zufolge griffen sie auf die Melodie des bekannten Schlagerhits von Wolfgang Petry zurück. "Das ist Spahnsinn, warum schickst du Frauen in die Hölle? Hölle! Hölle! Hölle!", sangen sie. Die rund 7000 Einwohner zählende Kleinstadt Meldorf liegt im Kreis Dithmarschen an der Nordseeküste gut 80 Kilometer nordwestlich von Hamburg.

Spahn reagierte gelassen: "Bei mir kommt ihr mit Ausziehen nicht so weit", sagte der Minister, der mit einem Mann verheiratet ist, unter dem Gelächter des Publikums. Personenschützer zerrten die Aktivistinnen von der Bühne und begleiteten sie aus dem Saal.

*Datenschutz

Die Aktivistinnen der ursprünglich aus der Ukraine stammenden Femen-Gruppe setzen demonstrativ Nacktheit ein, um die Öffentlichkeit auf Sexismus, Ausbeutung von Frauen, sexuelle Gewalt und mangelnde Gleichberechtigung hinzuweisen. Einzelne Aktionen richteten sich auch gegen Vertreter rechtspopulistischer Parteien oder gegen fanatische Islamisten.

38806460.jpg

Protestauftritt am Rande der Hannover Messe 2013: Femen-Aktivistinnen laufen auf Merkel und Putin zu.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Wir haben unsere ganz eigene Form eines zivilen Protests entwickelt, basierend auf Mut, Kreativität, Effizienz und Schock", erklärte eine Femen-Sprecherin einmal das umstrittene Vorgehen. Femen-Mitgründerin Oksana Schatschko wurde im vergangenen Sommer tot in ihrer Pariser Wohnung aufgefunden.

Prominente Femen-Aktionen

Deutschland war bereits mehrfach Ziel von Femen-Protesten, zuletzt etwa im März an der Hamburger Reeperbahn. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde die Protestbewegung unter anderem durch eine Aktion im Frühjahr vor sechs Jahren. Damals stürmten Femen-Aktivistinnen Anfang April mit entblößten Brüsten auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihren Staatsgast Wladimir Putin zu, der anlässlich der Eröffnung der Hannover Messe in Deutschland weilte.

Im Dezember darauf sprang eine Femen-Aktivistin im Kölner Dom während der Weihnachtsmesse nur mit einem Slip bekleidet auf den Altar und rief Parolen. Vom Amtsgericht Köln wurde die junge Hamburgerin dafür zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt - wegen der Störung der Religionsausübung.

Gesundheitsminister Spahn ist nicht der erste Spitzenpolitiker, der zur Zielscheibe freizügiger Femen-Aktionen wurde. Davor richteten sich Proteste unter anderem etwa gegen den früheren italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi, den türkischen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und den damaligen Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

Mehr zum Thema