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Mittwoch, 15. August 2018

"Keiner will arbeiten": Fox erklärt Dänemark zum Krisenstaat

Neben Venezuela gibt es laut Fox-Moderatorin Trish Regan noch ein Land, an dem sich derzeit der gesamte Schrecken des Sozialismus offenbart: Dänemark! Kostenlose Bildung und hohe Steuern führen das Land demnach in eine tiefe Krise.

Dänemark mag in Umfragen immer wieder zu einem der glücklichsten Länder und in Studien zu einem der wirtschaftsfreundlichsten Standorte der Welt gekürt werden. Laut der Moderatorin des US-Senders Fox Business, Trish Regan, sieht die Realität jedoch völlig anders aus. Sie beschreibt das Land als totalitären sozialistischen Staat, in dem "niemand arbeiten will" und die Bürger "aller ihrer Möglichkeiten" beraubt seien.

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Zunächst spricht Regan über die katastrophale Lage in Venezuela und warnt vor den Gefahren des Sozialismus, den viele Demokraten angeblich auch in den USA einführen wollten. Doch dann beginnt sie plötzlich mit den Worten "wie schon Shakespeare sagte: Etwas ist faul im Staate Dänemark" eine Tirade gegen das kleine europäische Land. Denn angeblich würde Dänemark immer wieder als positives Beispiel für "Sozialismus" angeführt.

Regan führt eine Reihe von "Fakten" gegen Dänemark an: So betrage die Einkommenssteuer 56 Prozent. Das bedeute, dass - in dem Land, in dem ja angeblich niemand arbeiten will - "jeder in Dänemark für die Regierung arbeitet". Zudem sei Dänemark "hoch verschuldet", während in den meisten Kommunen die Mehrheit der Bevölkerung nicht arbeite.

"Alle wollen bloß Cupcake-Cafés eröffnen"

Dass die Dänen nicht arbeiten wollen, liegt laut Regan an einem anderen furchtbaren sozialistischen Übel: kostenloser Bildung. "Sie bezahlen einem tatsächlich sogar 990 Dollar im Monat, um zur Schule zu gehen", erklärt die US-Amerikanerin, wobei sie wohl die Hochschulen und Universitäten meint, und fährt fort: "Wissen Sie, was dann passiert: Niemand will die Schule abschließen." Und falls doch mal jemand die Schule verließe, wollten alle bloß Cupcake-Cafés eröffnen. Das habe ihr zumindest jemand erzählt, der mal in Dänemark war, so Regan.

Auf Grundlage dieser "Faktenbasis" kommt die Moderatorin zu dem Schluss: "Niemand hat den Anreiz, irgendetwas zu tun, weil sie nicht dafür belohnt werden. Dänemark hat - wie Venezuela - sein Volk seiner Möglichkeiten beraubt. Ist das die Richtung, in die wir gehen wollen?"

Um Regan in praktisch allen Punkten zu widerlegen, brauchten dänische Regierungsvertreter nicht lange: Finanzminister Kristian Jensen postete auf Twitter eine Statistik der Industrieländerorganisation OECD, derzufolge ein deutlich größerer Teil der dänischen Bevölkerung erwerbstätig ist als der US-amerikanischen. Und gleichzeitig habe Dänemark "die beste Work-Life-Balance in der Welt".

Dänemark: Kommen Sie vorbei

Dänemarks Botschafter Lars Gert Lose teilte auf Twitter gleich eine ganze Übersicht mit Daten, die das Gegenteil von Regans Behauptungen belegen: So liegt etwa die seit Jahren sinkende Staatverschuldung mit 36,4 Prozent weit unter der der USA. Studien etwa des World Economic Forums bescheinigen Dänemark, eines der besten Bildungssysteme zu haben und eines der attraktivsten Länder für hochqualifizierte Arbeitskräfte zu sein. Nicht zuletzt führe die den US-Republikanern nahestehende Heritage Foundation in ihrem Index für Wirtschaftliche Freiheit Dänemark mehrere Plätze vor den USA auf Rang 12.

Wohl in der Annahme, dass Statistiken und Daten nicht ausreichen, um die Fox-Moderatorin und ihr Publikum zu überzeugen, lädt der Botschafter Regan ein: "Kommen Sie selbst (Wir würden uns freuen zu helfen), obwohl ein Mangel an Cupcake-Cafés Sie wahrscheinlich enttäuschen wird."

Quelle: n-tv.de