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Regierung beschließt Exhumierung Francos Grab zieht Zehntausende Spanier an

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Die monumentale Anlage im "Tal der Gefallenen" beherbergt bis heute das Grab von Diktator Francisco Franco.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach der Bekanntgabe im Juni ist die Exhumierung des spanischen Diktators Francisco Franco nun beschlossene Sache. Die Entscheidung ist nicht unumstritten, Zehntausende pilgern noch einmal ins Mausoleum im "Tal der Gefallenen".

150 Meter hoch ragt das steinerne Kreuz über dem Valle de los Caídos. Die monumentale Anlage im Tal der Gefallenen beherbergt das Grab von Diktator Francisco Franco in einer riesigen Basilika, die in einer künstlichen Höhle in den Berg gebaut wurde.

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Die von Franco zum Friedensort stilisierte Gedenkstätte, in die er auch tausende getötete Gegner umbetten ließ, ist kein Ort der Versöhnung. Das dunkelste Kapitel der neueren spanischen Geschichte spaltet die Gesellschaft auch fast 80 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs.

Besonders deutlich wird dies dieser Tage: Spaniens sozialistische Regierung verfügte am Freitag per Dekret die Exhumierung des früheren Diktators. Das Kabinett unter Ministerpräsident Pedro Sánchez stimmte für die Entfernung der sterblichen Überreste aus der Kirche.

Sánchez hatte die Umwidmung der Gedenkstätte vor allem damit begründet, dass Spanien als "gefestigte und europäische Demokratie" sich keine Symbole leisten könne, welche die Bevölkerung spalteten. Ein Mausoleum für einen Diktator sei etwa "in Deutschland oder Italien undenkbar". Nun soll dort nach den Plänen der Regierung eine Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus entstehen.

Breiter Widerstand gegen Umwidmung

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Seit der Ankündigung der Exhumierung im Juni ist die Zahl der Besucher sprunghaft angestiegen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Denn tatsächlich ist das Mausoleum, an dem 20.000 politische Gefangene zwischen 1940 bis 1959 mitbauen mussten, eine Pilgerstätte der Rechten. Franco war als Sieger aus dem Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 zwischen seinen rechten Putschisten und den Anhängern der demokratischen Regierung hervorgegangen und herrschte in Spanien bis zu seinem Tod 1975 mit eiserner Faust.

Deklariert als Akt der Versöhnung, ließ er die Überreste von mehr als 30.000 Toten des Bürgerkriegs, Nationalisten und Republikaner, ins Valle de los Caídos überführen - meist ohne die Angehörigen darüber zu informieren.

Die Basilika samt monströsem Kreuz - die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main sind nur fünf Meter höher - diente jedoch vor allem der Verherrlichung Francos. Bis in die heutige Zeit: Jährlich fanden dort zum Todestag des Diktators am 20. November Gedenktreffen von Altfranquisten und Neonazis statt - bis die sozialistische Regierung unter José Luis Rodríguez Zapatero 2007 ein Verbot erwirkte.

Zudem ist sie zynisches Monument einer bis heute andauernden Verweigerungshaltung: Denn als quasi-religiöser Ort war sie bis heute gegen allen Umwidmungsversuche immun. Zaghaften Vorstößen wie jenem der Zapatero-Regierung und Erinnerungsarbeit etwa seitens der im Jahr 2000 gegründeten Asociacíon para la Recuperación de la Memoria Histórica (Vereinigung zum Wiedererlangen des historischen Gedächtnisses) standen massive Widerstände der extremen Rechten bis tief ins konservative bürgerliche Lager der Partido Popular (PP) und der Kirche entgegen.

Neugierige und Rechte besuchen Mausoleum

Auch diesmal reagierte der neue PP-Chef Pablo Casado reflexartig: Die Sanchez-Regierung solle sich lieber um die Zukunft kümmern, als "verheilte Narben unserer schlimmen Vergangenheit" wieder zu öffnen. Das Thema sei "nicht dringlich".

Die Konservativen kündigten an, gegebenenfalls das Verfassungsgericht anzurufen. Und dass die Franco-Familie nichts von den Plänen der Umbettung der Gebeine ins Familiengrab auf dem Pardo-Friedhof bei Madrid hält, dürfte nicht verwundern.

Jedenfalls schnellten die Besuchszahlen im Valle de los Caídos seit der Ankündigung der Exhumierungspläne in die Höhe: Wurden im Juni 23.135 Besucher gezählt, waren es im Juli 38.269. Manche von ihnen wie Antonio Nevado sind von Neugierde getrieben: "Da sie Franco hier rausholen werden, wollte ich es vorher noch sehen", sagt der Jura-Student aus Córdoba. Andere, wie Javier Botía und seine Partnerin Ángeles Abellán aus Murcia, finden die Anlage schlicht "sehr beeindruckend." Neben vielen, die eine Umbettung der Gebeine des Diktators aus politischen Gründen ausdrücklich begrüßen, gibt es auch solche, denen Totenruhe vor Aufarbeitung geht.

Und es gibt diejenigen, die aus ihrer Gesinnung keinen Hehl machen: Vergangenen Monat folgten mehr als Tausend Menschen dem Aufruf einer rechtsextremen Gruppe und demonstrierten gegen die "Plünderung" von Francos Grab.

Quelle: n-tv.de, Diego Urdaneta und Mathieu Gorse, dpa

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