Politik
Roy Moore ist ein Vertreter der religiösen Rechten.
Roy Moore ist ein Vertreter der religiösen Rechten.(Foto: AP)
Freitag, 10. November 2017

14-Jährige belästigt?: Frau beschuldigt US-Senatskandidaten

Der Vorwurf der sexuellen Belästigung erreicht nun auch einen ultrakonservativen Kandidaten für den US-Senat, Roy Moore. Dieser wehrt sich gegen die Anschuldigungen, der Republikaner John McCain fordert Konsequenzen. Auch Trump meldet sich zu Wort.

Der ultrakonservative Kandidat für den US-Senat, Roy Moore, sieht sich mit der Anschuldigung konfrontiert, vor mehreren Jahrzehnten ein 14-jähriges Mädchen sexuell belästigt zu haben. Die Frau schilderte laut einem Bericht der "Washington Post", wie Moore damals sexuellen Kontakt zu ihr aufgenommen habe, zu dem sie sich nicht bereit gefühlt habe. Moore, heute ein verheirateter Vater von vier Kindern, nannte die Anschuldigungen in einem Statement "komplett falsch" und eine "verzweifelte politische Attacke" im Wahlkampf.

Der 70-jährige ehemalige Richter ist ein Vertreter der religiösen Rechten und tritt im Dezember bei einer Nachwahl zum Senat an. Dabei geht es um ein Mandat, das früher dem heutigen Justizminister Jeff Sessions gehörte und durch dessen Wechsel in die Regierung frei wurde. Bislang galt er als Favorit. Doch könnte ihm der jetzt erhobene Belästigungsvorwurf eventuell schaden.

Kontakt gezielt geknüpft?

Die von der Frau geschilderten Kontakte zu Moore datieren in einen Zeitraum zurück, als dieser als 32-jähriger Staatsanwalt in Alabama am Anfang seiner Laufbahn stand. Moore, der laut "Washington Post" damals alleinstehend war, soll 1979 den Kontakt zu dem Mädchen gezielt geknüpft haben.

Bei ihrem zweiten Treffen habe er sie und sich selbst entkleidet, sagte die heute 53-jährige Leigh Corfman. Er habe sie an ihrem BH und ihrer Unterhose befingert und ihre Hand an seine Unterhose führen wollen. Sie habe ihm daraufhin ihre Hand entrissen. Moore habe sie dann auf ihren Wunsch hin nach Hause gefahren. Sie sei damals "nicht so weit gewesen", sich auf derartige sexuelle Handlungen einzulassen, sagte Corfman. "Ich hatte nie meine Hand auf den Penis eines Mannes gelegt, schon gar nicht einen erigierten."

Sollten Corfmans Schilderungen zutreffen, dann hätte sich Moore damals strafbar gemacht. Die Altersgrenze für einvernehmlichen Sex mit Minderjährigen lag in Alabama seinerzeit - wie noch heute - bei 16 Jahren. Allerdings verjähren Delikte dieser Art nach drei Jahren.

Laut "Washington Post" haben außerdem drei weitere Frauen angegeben, dass Moore Interesse an ihnen gezeigt habe. Damals sei er Anfang 30 und sie zwischen 16 Und 18 Jahre alt gewesen. Er habe sie aber nicht zu sexuellen Kontakten gezwungen. Die jungen Frauen hätten damals die Avancen als schmeichelhaft empfunden, erst später hätten sie sich gewundert.

Kritik von Republikanern

US-Präsident Donald Trump forderte Moore zum Rückzug seiner Kandidatur auf, sollten die Anschuldigungen wahr sein. "Wie viele andere Amerikaner glaubt Trump, dass wir nicht den geringsten Vorwurf zulassen können (...), das Leben eines Menschen zerstört zu haben", sagte Präsidentensprecherin Sarah Huckabee Sanders am Rande von Trumps Asien-Reise. Der Präsident gehe davon aus, "dass, wenn die Vorwürfe wahr sind, Moore das Richtige tun und zurücktreten" werde.

Der Fraktionschef der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, erklärte, sollten die Vorwürfe stimmen, müsse Moore seine Kandidatur zurückziehen. Mindestens ein Dutzend weitere Republikaner schlossen sich der Forderung an. Senator John McCain nannte die Vorwürfe "äußerst verstörend und disqualifizierend". Moore solle "sofort abtreten und dem Volk von Alabama die Möglichkeit geben, einen Kandidaten zu wählen, auf den sie stolz sein können".

Jim Zeigler, staatlicher Rechnungsprüfer in Moores Heimatstaat Alabama, zog hingegen die Bibel zur Rechtfertigung von Moores Verhalten heran: "Nehmen wir nur mal Josef und Maria: Maria war eine Jugendliche und Josef war ein erwachsener Zimmermann. Sie wurden die Eltern von Jesus", sagte Zeigler der konservativen Tageszeitung "Washington Examiner": "Da ist überhaupt nichts Unmoralisches oder Illegales dran." Das Ganze sei "höchstens ein bisschen ungewöhnlich"

Schon vor seinem Sieg in den Vorwahlen, mit dem er Trump eine Schlappe bereitete, hatte Moore internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen - mit rebellischen Aktionen als Richter, für die er von erzkonservativen Kreisen gefeiert wurde.

Zwei Mal wurde Moore von seinem Posten am Obersten Gericht von Alabama verbannt: das erste Mal, weil er sich geweigert hatte, ein Monument für die alttestamentarischen Zehn Gebote aus einem Justizgebäude zu entfernen; das zweite Mal, weil er sich über ein bahnbrechendes Urteil des Obersten Gerichts in Washington zugunsten der Homo-Ehe hinwegsetzte.

Quelle: n-tv.de

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