Politik

Abschiedsattacke gegen Steinbrück Gabriel holt den Stinkefinger raus

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Werden wohl keine Freunde mehr: Steinbrück und Gabriel.

(Foto: REUTERS)

Immer wieder rasseln sie aneinander. Sigmar Gabriel und Peer Steinbrück geben im Wahlkampf ein wenig harmonisches Tandem ab. Vor dem Parteitag in Leipzig tritt der SPD-Chef verbal nach gegen den früheren Kanzlerkandidaten.

Ist das eine verspätete Abrechnung? Kurz vor dem Parteitag in Leipzig kritisiert Sigmar Gabriel den früheren Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. So führt der SPD-Chef das mit 25,7 Prozent enttäuschende Ergebnis bei der Bundestagswahl unter anderem auf die Diskussion über das in der "Süddeutschen Zeitung" veröffentlichte "Stinkefinger"-Foto zurück.

Aus der Sicht von Gabriel konnte Steinbrück im Wahlkampfendspurt gegenüber Kanzlerin Angela Merkel zulegen. Im TV-Duell mit der Kanzlerin habe er sich "großartig geschlagen", dadurch seien sowohl er als auch die SPD "deutlich populärer" geworden, sagte der Parteichef der "Leipziger Volkszeitung". Doch dieser Aufschwung habe einen heftigen Dämpfer erhalten, als "plötzlich die Debatte über den Stinkefinger kam".

Zwar hätten ebenso viele über Steinbrücks Geste gelacht, wie sie sie unangemessen fanden. Das eigentliche Problem sei aber gewesen, "dass damit die politische Diskussion wieder unterbrochen wurde. Auf einmal wurde nicht mehr über Löhne, über soziale Sicherheit, über Steuergerechtigkeit, über Europa geredet. Es wurden wieder nur Haltungsnoten verteilt", so Gabriel.

"Das ist ein satirisches Format"

Steinbrücks Stinkefinger kam innerhalb der Rubrik "Sagen Sie jetzt nichts " zustande, die regelmäßig im SZ-Magazin abgedruckt wird. Auf die Frage "Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi - um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?" gab der SPD-Kanzlerkandidat die nonverbale Antwort und zeigte den ausgestreckten Mittelfinger. Gegen den Rat seines Sprechers Rolf Kleine stimmte er einer Veröffentlichung des Fotos zu. Als Reaktion auf die Kritik an der Geste sagte Steinbrück damals n-tv.de: "Das ist ein satirisches Format. Da muss man Emotionen rein legen. Die habe ich mit der Geste gezeigt. Das muss erlaubt sein."

Zwischen Steinbrück und Gabriel hatte es im Wahlkampf mehrere Meinungsverschiedenheiten gegeben. Immer wieder ärgerte sich der Kanzlerkandidat über die Alleingänge des SPD-Chefs. Der Höhepunkt des Konflikts war erreicht, als er in einem Interview mit "Spiegel" im Juni offen Gabriels Loyalität infrage stellte. "Nur eine Bündelung aller Kräfte ermöglicht es der SPD, die Bundesregierung und Frau Merkel abzulösen", sagte Steinbrück damals. "Ich erwarte deshalb, dass sich alle – auch der Parteivorsitzende – in den nächsten 100 Tagen konstruktiv und loyal hinter den Spitzenkandidaten und die Kampagne stellen."

Kontert Steinbrück in Leipzig

Zuletzt war es Steinbrück, der den Kurs der Parteispitze und damit auch den von Gabriel öffentlich ins Visier nahm. So kritisierte er vor allem den Zeitpunkt, zu dem die Öffnung zur Linkspartei erfolgt sei. "Das steht jetzt nicht an", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Zurzeit verhandele man mit der Union über eine Große Koalition. "Die strategischen Perspektiven für die Zeit danach sollten wir besprechen, wenn die Frage ansteht", so Steinbrück. Es gehe außerdem darum, wie sich die Linkspartei entwickele: "Das sollten wir abwarten und nicht selbst Pirouetten drehen."

Gabriels Äußerungen zu der Stinkefinger-Aktion kommen zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt. An diesem Donnerstag beginnt der Parteitag der Sozialdemokraten. Ob Steinbrück dann auf die Kritik Gabriels eingeht? In Leipzig hätte er jedenfalls Gelegenheit für einen offenen Gegenangriff auf den Parteichef. Gleich zum Auftakt hält der 66-Jährige nämlich ein 15-minütiges Grußwort. Eigentlich soll er sich bei den SPD-Delegierten für ihre Unterstützung bedanken. Gleich danach spricht übrigens Gabriel.

Quelle: ntv.de, cro