Politik

Mit Vertrauten ins Bellevue Gaucks Team nimmt Gestalt an

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Gauck war in NRW bei der CDU-Landtagsfraktion zu Besuch.

(Foto: dapd)

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Gauck bei einer Lesung in Fürth.

(Foto: dapd)

Auch wenn die Auftritte von Joachim Gauck oft nach einer Ein-Mann-Show aussehen, braucht auch Gauck in dem neuen Amt Mitarbeiter, die ihn unterstützen. Er greift dabei offenbar auf seinen Stab aus der Stasi-Unterlagenbehörde zurück und bittet unter anderem David Gill mit ins Schloss Bellevue.

Das Bundespräsidialamt soll nach der Wahl von Joachim Gauck offenbar von dessen Vertrauten David Gill geleitet werden. Dies berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und beruft sich auf die Umgebung Gaucks.

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Gill 1992, 100 Tage nach Arbeitsbeginn der Gauck-Behörde in Berlin.

(Foto: dpa)

Gaucks Sprecher war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Gill ist Jurist und derzeit Stellvertreter des Bevollmächtigten beim Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er war einst Vorsitzender des Bürgerkomitees zur Auflösung der Staatssicherheit und gilt im politischen Betrieb als gut vernetzt. Bis 1992 war Gill unter Gauck der erste Sprecher der Stasi-Unterlagenbehörde und im vergangenen Jahr auch als Nachfolger der damaligen Leiterin Marianne Birthler im Gespräch. Gill war schon im Sommer 2010 im ersten Team des damaligen Bundespräsidenten-Kandidaten Gauck.

Schulze ist sicher dabei

Gauck muss in den kommenden Tagen noch eine Reihe von Personalentscheidungen treffen. Bisher arbeitet lediglich Andreas Schulze offiziell als Gaucks Sprecher. Schulze war unter Gaucks Nachfolgerin Marianne Birthler Sprecher der Stasi-Unterlagenbehörde. Außerdem diente er Renate Künast als Sprecher im Verbraucherschutzministerium. Schulze kam bereits 2009 die Idee, Gauck als Bundespräsidenten-Kandidaten aufzustellen. Dann kandidierte Horst Köhler aber doch für eine zweite Amtszeit. Nach dessen Ausscheiden aus dem Amt lancierte Schulze seinen Personalvorschlag erneut, 2010 unterlag Gauck gegen Christian Wulff erst im dritten Wahlgang.

Im Gespräch für den engeren Mitarbeiterstab um Gauck ist weiterhin auch Hansjörg Geiger. Der Verwaltungsprofi war jahrelang Direktor in der Stasi-Unterlagenbehörde unter Gauck, später leitete er das Verfassungsschutzamt und den Bundesnachrichtendienst. Im Augenblick wird Gauck auch von der Publizistin Helga Hirsch unterstützt, die ihm geholfen hatte, die Erinnerungen für seine Autobiographie "Winter im Sommer – Frühling im Herbst" aufzuschreiben.

Unklar ist noch, ob Gauck auf die Dienste von Petra Diroll zurückgreifen wird. Die frühere ARD-Journalistin war von Köhler ins Schloss Bellevue geholt worden, der allerdings einen Tag, bevor sie den Job übernehmen sollte, zurücktrat. Christian Wulff setzte zunächst auf seinen Vertrauten Olaf Glaeseker, nach Glaesekers Rauswurf rückte sie für wenige Wochen zur Nummer Eins auf.

Neutraler Ort fürs Büro

Sein provisorisches Büro richtet Gauck inzwischen im Haus der Deutschen Bischofskonferenz ein. Das Gebäude befindet sich in Berlin-Mitte. Man habe einen neutralen Ort gesucht, der nicht einer Partei zuzuordnen sei, sagte Gill. "Dies ist jetzt ein gutes Zeichen." Bei Gaucks erster Bewerbung hatte er Räume im evangelischen Bonhoeffer-Haus genutzt.

Sein bisheriges Büro bei der Stiftung gegen Vergessen und für Demokratie fühlt sich für Gaucks Termine nicht länger zuständig, allerdings könnte er auf einige Mitarbeiter aus dem Bendler-Block durchaus zurückgreifen. Bisher greift Gauck auf die Zuarbeit seiner Vereinsvertrauen durchaus noch zurück. Auch das Präsidialamt ist mit dem neuen, wenn auch noch nicht gewählten Staatsoberhaupt bereits in diskretem Kontakt. Darüber werde aber selbstverständlich nichts Näheres mitgeteilt, heißt es dazu aus dem Amt.

Anfang nächster Woche will Gauck, der selbst keiner Partei angehört, in Berlin mit den Spitzen von CDU, FDP, SPD und Grünen zusammen. Auch eine Begegnung mit der Linken war im Gespräch.

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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