Politik

Nach Boeing-Absturz im Iran Geheimdienste: Keine Hinweise auf Abschuss

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Das Wrack der ukrainischen Boeing: Das Flugzeug mit 176 Menschen an Bord stürzte kurz nach dem Start in Teheran ab.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Absturz des ukrainischen Passagierflugzeugs in Teheran und den iranischen Raketenangriffen auf US-Basen? Geheimdienste haben bislang keine Hinweise auf einen Abschuss der Boeing. Allerdings weigert sich Iran, die Blackbox herauszugeben.

Nach dem Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs vom Typ Boeing 737 im Iran mit 176 Toten hat US-Außenminister Mike Pompeo eine umfassende Kooperation angemahnt. Die USA riefen zu einer "vollständigen Zusammenarbeit" bei sämtlichen Ermittlungen zur Unglücksursache auf, erklärte Pompeo, ohne den Iran direkt zu nennen. Die Behörden in Teheran hatten sich zuvor geweigert, die Flugschreiber zur Auswertung an die USA zu übergeben. Pompeo sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Die USA würden den Fall weiter "genau verfolgen" und seien bereit, der Ukraine "jede mögliche Hilfe" anzubieten.

Westliche Geheimdienste haben kanadischen Sicherheitskreisen zufolge keine Hinweise darauf, dass das ukrainische Passagierflugzeug im Iran von einer Rakete abgeschossen wurde. Die Geheimdienste gingen nach einer ersten Einschätzung davon aus, dass die Maschine vom Typ Boeing 737 wegen eines technischen Defekts abgestürzt sei. Es deute darauf hin, dass die Triebwerke überhitzt gewesen seien.

Die Fluggesellschaft Ukraine International Airlines (UIA) betonte, das Flugzeug sei nur zwei Tage zuvor technisch überprüft worden. Zwei Passagiere hätten den Flug nicht angetreten. Bislang ist unklar, ob sie auf der Liste der Flugreisenden aufgelistet waren. Nach Angaben des ukrainischen Außenministers stammten die Opfer aus sieben verschiedenen Ländern. 82 seien Iraner gewesen, 63 stammten aus Kanada. Unter den Opfern seien auch Briten, Schweden, Ukrainer und Afghanen. Kiew veröffentlichte die Passagierliste. Neun der Ukrainer waren demnach Besatzungsmitglieder. Die Bundesregierung dementierte eine Twitter-Nachricht des ukrainischen Außenministers Wadim Pristaiko, dass es auch drei Todesopfer aus Deutschland gebe. "Wir haben derzeit keine Erkenntnisse, nach denen sich deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Flugzeugabsturzes in Iran befinden", hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

Iran: "Technischer Defekt"

Die Maschine der Ukraine International Airlines mit der Flugnummer PS752 war um kurz nach 05.00 Ortszeit gestartet. Sie hätte gegen 08.00 Uhr Ortszeit in der ukrainischen Hauptstadt Kiew landen sollen. Das Flugzeug stürzte nach ersten Erkenntnissen kurz nach dem Abflug aus etwa 2400 Metern Höhe auf ein offenes Feld nahe dem Teheraner Vorort Parand. Rettungskräfte bargen später die Leichen. Die iranische Luftfahrtbehörde führte den Crash auf einen technischen Defekt zurück, wie der iranische Nachrichtensender Chabar unter Berufung auf einen Sprecher der Behörde berichtete. Wie diese so kurz nach dem Absturz am Morgen zu dieser Einschätzung gelangte, ist bisher offen. Irans Präsident Hassan Ruhani forderte später eine lückenlose Aufklärung.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb bei Facebook: "Schreckliche Nachrichten aus dem Nahen Osten". "Wir müssen alle möglichen Versionen prüfen", ließ er über seinen Pressedienst mitteilen. Den Generalstaatsanwalt wies er an, ein Strafverfahren einzuleiten. Alle Maßnahmen werde Selenskyj persönlich kontrollieren. Dazu beendet er auch seinen Aufenthalt im Sultanat Oman auf der arabischen Halbinsel, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Krisenherd befindet.

Quelle: ntv.de, mau/dpa/rts