Politik

Ex-Schatzmeister ein Zuhälter? Gericht verurteilt Grünen-Politiker

Ex-Grünen Schatzmeister Christian Goetjes soll knapp 300.000 Euro veruntreut haben.

Christian Goetjes soll knapp 300.000 Euro veruntreut haben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Untreue-Prozess gegen den Ex-Schatzmeister der Brandenburger Grünen soll eigentlich nur zwei Verhandlungstage dauern. Christian Goetjes gesteht, will knapp ein Viertel des veruntreuten Geldes zurückzahlen. Doch dann die überraschende Wendung: Goetjes soll als Zuhälter gearbeitet haben.

Knapp 300.000 Euro hat der Ex-Schatzmeister Christian Goetjes in seine eigene Tasche gesteckt - von den Konten der brandenburgischen Grünen. Der 35-Jährige aus Hohen Neuendorf soll Rechnungen gefälscht, Zahlungsgründe erfunden und Empfänger vorgetäuscht haben. Veruntreuung in 267 Fällen wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Morgen soll das Urteil im Landgericht Potsdam verkündet werden. Später als zuerst geplant.

Am ersten Prozesstag hatte Goetjes die Untreue - wie vorher angekündigt - gestanden. "Ich bedaure das und möchte mich entschuldigen für den finanziellen und politischen Schaden", sagte der 35-Jährige. 2009 hatte er sich das erste Mal in der Parteikasse bedient. Er habe seiner damals heroinabhängigen Freundin beim Entzug helfen wollen, so Goetjes. Danach habe er Geld genommen, um die Schulden seiner neuen Freundin, einer bulgarischen Prostituierten, zu bezahlen.

Auf den ersten Blick war es ein klares Verfahren, nur zwei Verhandlungstage waren angesetzt. Mit seiner früheren Partei hatte sich Goetjes schon vor Prozessauftakt geeinigt: Er hinterlegte ein Schuldanerkenntnis bei einem Notar. Darin erklärte er unter Eid, mittellos zu sein, nur von Hartz IV zu leben. Die Grünen ließen sich auf den Kompromiss ein. Goetjes Eltern sprangen für den jungen Mann ein, nahmen sogar eine Grundschuld über 45.000 Euro auf ihr Haus auf. Insgesamt sollen die Grünen 65.000 Euro zurückbekommen. Knapp ein Viertel des veruntreuten Geldes.

Zuhälter eines Escortservice?

Doch dann kam eine unerwartete Wendung im Prozess. Richter Tiemann sagte am zweiten Prozesstag: "Es gibt Anhaltspunkte, dass der Angeklagte Huren für Haus- und Hotelbesuche vermittelt." Das Berliner Landeskriminalamt hatte den Brandenburger Ermittlern ihre Entdeckung zugespielt. Es gebe neue Unterlagen, die darauf schließen lassen, dass Goetjes als Zuhälter gearbeitet habe - mit seinem eigenen Escort-Service.

Eine der Prostituierten hatte Goetjes angezeigt, sie wurde Ende November im Untreue-Prozess vernommen. Die 22-jährige Bulgarin beschuldigte Goetjes, sie und fünf andere Frauen über ein Internetportal vermittelt zu haben. Goetjes soll die Frauen zu den Einsätzen kutschiert und die Hälfte der Gage einbehalten haben. Goetjes schweigt zu den Vorwürfen. Ein weiterer Prozess wegen Zuhälterei kann in Berlin auf ihn zukommen.

Landesverband erwägt weitere Schritte

"Nach wie vor empfinden wir Entsetzen und Enttäuschung angesichts der kriminellen Energie, mit der unser ehemaliger Schatzmeister Christian Goetjes unser aller Vertrauen missbraucht hat", schrieb der Grüne Landesvorstand in einer E-Mail an seine Mitglieder. Um sicherzugehen, dass nicht noch einmal Gelder aus der Kasse veruntreut werden, haben sie härtere Regeln eingeführt: Das Vier-Augen-Prinzip falle strenger aus, Sammelüberweisungen gebe es nicht mehr und Online-Überweisungen würden von zwei Personen vorgenommen.

Wenn sich die neuen Vorwürfe gegen ihr ehemaliges Parteimitglied bewahrheiten, will der Landesverband versuchen, mehr von dem veruntreuten Geld wieder zu bekommen. Doch das glauben sie nicht. Goetjes wird nach der Berichterstattung über den Prozess geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, hieß es.

Quelle: ntv.de, rfe/dpa

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