Politik

Breite Kritik an Guttenberg "Gorch Fock" segelt gen Heimat

Die "Gorch Fock" kehrt nach Deutschland zurück, wo die Vorfälle auf dem Segelschulschiff noch immer hohe Wellen schlagen. Die Vorwürfe gegen Verteidgungsminister zu Guttenberg wegen seines Krisenmanagements reißen nicht ab. Der von ihm abgesetzt Kapitän Schatz will vor Gericht ziehen. Rückendeckung erhält der CSU-Mann von der Kanzlerin.

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Kolletschke spricht mit der Presse.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das in die Schlagzeilen geratene Segelschulschiff "Gorch Fock" hat sich auf die Heimreise nach Deutschland vorbereitet. Es wird den südargentinischen Hafen Ushuaia verlassen, wie der Sprecher des Schiffs, Fregattenkapitän Achim Winkler, mitteilte. Mit an Bord ist die Untersuchungskommission unter Leitung von Konteradmiral Horst-Dieter Kolletschke, die Berichte über Missstände bei der Ausbildung und Vorwürfe von Offiziersanwärtern gegen die Stammbesatzung untersuchen soll.

Junge Offiziersanwärter sollen von Mitgliedern der Stammbesatzung drangsaliert, übermäßig unter Druck gesetzt und sogar sexuell genötigt worden sein. Unter noch ungeklärten Umständen waren 2008 und 2010 zwei Offiziersanwärterinnen zu Tode gekommen.

Offener Brief der Stammbesatzung

Die Stammbesatzung hat die Vorwürfe in einem offenen Brief an Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zurückgewiesen und als "Rufmord" bezeichnet. In dem Schreiben heißt es: "Wir, die Stammbesatzung der 'Gorch Fock', fühlen uns sehr alleine gelassen." Gefehlt habe "der Rückhalt unserer übergeordneten Dienststellen". Die Suspendierung von Kapitän Norbert Schatz wird als "Abservierung" kritisiert.

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Norbert Schatz will seine Abberufung nicht kampflos hinnehmen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der abberufene Kommandant erwägt, juristisch gegen seine Abberufung vorzugehen, wie sein Anwalt dem "Focus" mitteilte. Er prüfe die Anrufung des Bundesverwaltungsgerichts. Einer Suspendierung vom Dienst müsse "ein rechtliches Gehör des Betroffenen vorausgehen". Dies sei bei Schatz nicht der Fall gewesen. Der Deutsche Bundeswehrverband räumte der Beschwerde gute Chancen ein. "Kapitän Schatz erhält von uns als seinem Berufsverband allen Rechtsschutz, den er benötigt", kündigte der Verbandsvorsitzende Oberst Ulrich Kirsch in der "Bild"-Zeitung an.

An Schatz' Stelle wird die "Gorch Fock" während der mehrmonatigen Heimreise vom früheren Kapitän Michael Brühn kommandiert. Je nach Wetterverhältnissen wird das Schiff Deutschland Ende April oder Anfang Juni erreichen.

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Nimmt die Affäre um die "Gorch Fock" dem Überflieger zu Guttenberg den Wind aus den Segeln?

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Berichte über Missstände auf dem Schulschiff rissen auch am Wochenende nicht ab. Bei Befragungen von Offiziersanwärtern in der Marineschule Flensburg-Mürwik sammelte ein Ermittlerteam nach Medienberichten weitere belastende Zeugenaussagen. Danach wurde laut "Bild"-Zeitung eine Kadettin schikaniert, bis sie weinend zusammenbrach. Ein Offiziersanwärter beklagte sich beim Wehrbeauftragten, Hellmut Königshaus, demnach darüber, dass er trotz massiver Höhenangst habe in die Wanten steigen müssen.

Merkel stützt Guttenberg

Bundeskanzlerin Angela Merkel verwahrte sich gegen Pauschalkritik an der Bundeswehr. Bei den aktuellen Vorgängen handele es sich um "Einzelfälle", aus denen die nötigen Schlüsse gezogen würden, sagte sie dem "Hamburger Abendblatt". Sie verteidigte Guttenberg: Dieser habe "vollkommen richtig" gehandelt. Die Suspendierung des "Gorch Fock"-Kommandanten sei noch "kein Urteil". Die Abberufung diene auch seinem Schutz während der Untersuchung an Bord.

In der SPD werden die Perspektiven für den Minister aber kritisch gesehen. "Der Spielraum für Guttenberg ist enger geworden. Man wird in Zukunft weniger durchgehen lassen", vermutete der Verteidigungsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Bartels, gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Der frühere Heeresinspekteur Helmut Willmann hielt dem Minister im "Spiegel" vor, sein Krisenmanagement sei "von Aktionismus und Hektik" und daraus resultierenden Fehlentscheidungen geprägt. Willmann amtierte von 1996 bis 2001. Winkler sagte, in Offizierskreisen sei man zuversichtlich, dass die "Gorch Fock" trotz der Krise Segelschulschiff der Marine bleibe.

Laut einer Umfrage steht Guttenberg im Urteil der Bürger aber immer noch gut da: Für einen Rücktritt sprachen sich laut "Bild"-Zeitung nur 16 Prozent aus, 81 Prozent halten nichts davon. Fast jeder Zweite (48 Prozent) betrachtet den Minister als kanzlertauglich.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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