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Atommülllager weiter denkbar Gorleben fast dicht

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Das Erkundungsbergwerk Gorleben wird vorerst nur auf niedrigem Niveau offengehalten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Arbeiten im umstrittenen Erkundungsbergwerk Gorleben werden auf ein Minimum reduziert. Der Bund und Niedersachsen lassen sich jedoch eine Hintertür offen und schließen den Salzstock als mögliches Endlager nicht aus. Atomkraftgegner reagieren enttäuscht.

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Der Erkundungsbereich des Salzstocks wird zunächst außer Betrieb genommen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das umstrittene Erkundungsbergwerk für ein mögliches Atommülllager in Gorleben wird weitgehend geschlossen. Der Bund und das Land Niedersachsen einigten sich darauf, die Arbeiten im Salzstock bis zu einer endgültigen Entscheidung über den Standort eines deutschen Atommülllagers auf ein Minimum zu reduzieren. Demzufolge sollen sowohl der Erkundungsbereich I als auch ein Großteil des Infrastrukturbereichs außer Betrieb genommen werden.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks erklärte, es gehe darum, bei den Menschen in der Region Vertrauen zu schaffen: "Wir wollen die Suche transparent und ergebnisoffen gestalten, das heißt, es gibt keine Vorfestlegung." Hendricks' Staatssekretär Jochen Flasbarth konstatierte einen "wichtigen Tag für die Glaubwürdigkeit im Endlagersuchprozess".

Das Ende der Erkundung des Salzstocks ist Bestandteil des im vergangenen Juli in Kraft getretenen Standortauswahlgesetzes. Es soll eine neue Endlagersuche geben, Gorleben bleibt jedoch weiterhin ein denkbarer Standort. Hier wurden von den Atomstromkonzernen bereits rund 1,6 Milliarden Euro investiert.

Enttäuschung bei Atomkraftgegnern

Die Atomkraftgegner aus dem Wendland reagierten enttäuscht, sie hatten einen vollständigen Rückbau des Bergwerks mit Verfüllung aller Stollen und Schächte verlangt. Jochen Stay, einer der Sprecher der Initiativen, kritisierte die nun getroffene Entscheidung. Damit gebe es auch künftig keinen fairen Vergleich von Standorten: "Gorleben behält seinen Vorsprung gegenüber alternativen Standorten."

Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel verteidigte dagegen auf einer Pressekonferenz vor Ort in Lüchow-Dannenberg die mit dem Bund getroffene Vereinbarung. Diese sei von großer praktischer und politischer Bedeutung: "Damit wird auch technisch das Ende der jahrzehntelangen Vorfestlegung Gorlebens als Endlagerstandort eingeläutet."

CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne hatten kurz vor der Bundestagswahl 2013 ein Gesetz verabschiedet, mit dem eine bundesweite ergebnisoffene Endlagersuche angeschoben wird. Eine Kommission mit Vertretern von Politik, Kirchen, Wirtschaft, Gewerkschaften und Umweltverbänden soll dafür ein Regelwerk entwickeln. Ausdrücklich festgelegt ist, dass neben Salz auch andere Wirtsgesteine wie Ton und Granit auf Tauglichkeit als Endlager untersucht werden sollen.

Quelle: n-tv.de, cri/dpa/AFP

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