Politik

Arktisches Dubai oder arme Fischernation? Grönland träumt vom Wohlstand

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Das Eis schmilzt, Grönland hofft angesichts seiner Bodenschätze auf eine rosige Zukunft.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auf der größten Insel der Welt werden wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Bei den Parlamentswahlen in Grönland geht es um die Frage der Bodenschätze. Wie umgehen mit der Aussicht auf mehr Wohlstand und staatliche Unabhängigkeit dank des Klimawandels?

Ob Chinas Ressourcenminister, die ehemalige US-Außenministerin oder EU-Kommissionspräsident Barroso - Kuupik Kleist begrüßt dieser Tage oft hohen Besuch. Der 54-Jährige ist Ministerpräsident auf einer Insel, die autonom, aber nicht selbstständig ist und gerade mal knapp 57.000 Einwohner zählt.

Grönland ist mit über zwei Millionen Quadratkilometern zwar die größte Insel der Erde,  doch politisch und wirtschaftlich gesehen ein Zwerg. Das könnte sich bald ändern, denn Grönland sitzt auf gigantischen Bodenschätzen. Möglich gemacht wird der arktische Rohstoff-Boom durch den Klimawandel. Unter den schwindenden Gletschern vermuten Geologen reiche Vorkommen an Gold und Edelsteinen, Zink, Blei und den so wichtigen Seltenen Erden. Weil die Klimaerwärmung deren Erschließung realistisch macht, ist Grönland nun zum Ziel all jener geworden, die an diesem Reichtum teilhaben wollen.

Bei den jetzt anstehenden Parlamentswahlen werden wichtige Weichen für die Zukunft des Landes gestellt. Wie umgehen mit der Aussicht auf mehr Wohlstand und staatliche Unabhängigkeit dank des Klimawandels? Und: Werden die Bodenschätze bald von ausländischen Investoren ausgebeutet?

China sorgt für Unbehagen

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Grönlands Regierungschef Kuupik Kleist ist überzeugt, dass der jungen Nation eine Zukunft in Wohlstand beschieden ist.

(Foto: AP/dpa)

Wir entscheiden selbst, mit wem wir zu welchen Konditionen die reichen Rohstoffvorkommen im Untergrund fördern wollen, betonte Regierungschef Kleist im Wahlkampf. Doch der Linkssozialist, der 2009 bei einer Protestwahl gegen die alte Politikergarde auf Grönland an die Spitze kam, drückt mächtig aufs Tempo. Gegen die Proteste von Umweltschützern erteilte er Offshore-Ölbohrlizenzen, obwohl das Land so gut wie hilflos gegenüber einer möglichen Ölpest wäre. Zudem wurde erst vor wenigen Wochen ein umstrittenes Gesetz verabschiedet, das die Eröffnung großer Bergwerke unter ausländischer Mithilfe erlaubt. Als erster Partner für das Milliardengeschäft hat sich bereits China in die Pole Position gebracht. Mehr als 2000 Facharbeiter aus dem Reich der Mitte sollen in den kommenden Jahren ein Erzbergwerk nördlich der Hauptstadt unterhalten. Für sie sollen sonst geltende Mindestlöhne außer Kraft gesetzt werden können.

Chinas Auftritt sorgt nicht nur in der Nachbarschaft in Nordamerika und Europa für Unruhe, sondern auch in Grönland selbst. "Wenn mit einem Schlag 2000 chinesische Arbeiter auf die Insel ziehen, ist erst einmal eine große Veränderung in der Gesellschaft zu befürchten", schätzt Ebbe Volquardsen die Situation ein. Zudem gelte China nicht gerade als ein besonnener Partner, wenn es um das Ausbeuten von Rohstoffen gehe, so der Nordeuropa-Experte gegenüber n-tv.de. Das Vorgehen der Chinesen in Afrika stehe der Brutalität und Raffgier früherer Kolonialmächte in nichts nach, warnte auch die dänische Tageszeitung "Kristeligt Dagblad". Warum sollten sie sich in der Arktis anders verhalten? Die Grönlander sollten es sich gut überlegen, ob sie die Reichsgemeinschaft mit Dänemark über Bord werfen und sich in die Arme der Chinesen werfen, mahnt das Blatt.

"Bitte kein zweites Dubai"

Dieser Ansicht ist auch Aleqa Hammond, Spitzenkandidatin der sozialdemokratischen "Siumut". Im Wahlkampf warnte Hammond davor, sich dem Erstbesten an den Hals zu werfen, zuvor müssten Arbeitsbedingungen geschaffen werden, die für alle akzeptabel seien. Auf dem Weg in die Unabhängigkeit von Dänemark kämen Grönland die Einkünfte aus den Bodenschätzen natürlich recht, doch man dürfe diese Abhängigkeit nicht mit einer neuen tauschen: "Der von internationalen ökonomischen Interessen." Eine Entwicklung wie in Kuwait oder Dubai wolle sie absolut nicht haben. Hammond will deshalb das eben erst beschlossene Bergwerkgesetz revidieren und stattdessen enger mit der früheren Kolonialmacht zusammenarbeiten. Das hört Dänemark gerne, denn es bezahlt Grönland immer noch einen rund 430 Millionen Euro schweren "Block Grant" pro Jahr aus der Staatskasse - nicht zuletzt als Wiedergutmachung der einstigen Kolonialpolitik, welche die Grönländer zu Ausländern im eigenen Land machen wollte.

Sicherheit oder Hoffnung

Im Juni 2009 trat das Gesetz über die erweiterte Autonomie in Kraft. Seither verfügt die Regierung in Nuuk selbst über die natürlichen Ressourcen der Insel, deren Bodenschätze und die Energie aus Wasserkraft. Künftig werden die Subventionen im Verhältnis zu den erwarteten Einkünften gekürzt. Die Dänen haben ihrem Mündel die völlige Loslösung in Aussicht gestellt, sobald dieses wirtschaftlich auf eigenen Beinen steht.

Bislang hatte Grönland fast nichts, was es zu Geld machen konnte. Die bisherigen Einkünfte der Insel stammen überwiegend aus dem Fischfang und dem Tourismus. Das Bildungsniveau vieler Grönländer ist niedrig, Fremdsprachen sind kaum verbreitet, Fachkräfte werden händeringend gesucht. Bei der Wahl wird sich zeigen, ob die Grönländer den sicheren "Block Grant" eintauschen gegen die vage Hoffnung auf großen Reichtum.

Quelle: ntv.de