Politik

Ideologische Sackbahnhöfe verlassen Grube will den Runden Tisch

Die Wogen des Protestes gegen Stuttgart 21 scheinen sich zu legen. Bahnchef Grube und die Gegner des umstrittenen Projekts einigen sich auf eine Gesprächrunde. Grube räumt ein, dass Stuttgart 21 nicht richtig kommuniziert wurde. Auch habe ihn der heftige Widerstand überrascht. Die Proteste würden wohl noch lange anhalten.

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Grube war von der Heftigkeit des Widerstands überrascht.

(Foto: APN)

Bahnchef Rüdiger Grube hat angesichts der Massenproteste einen Runden Tisch mit den Gegnern des Bahnprojektes Stuttgart 21 vorgeschlagen. Bereits im September wolle er sich erstmals mit Kritikern des Milliarden-Vorhabens zum Meinungsaustausch treffen, erklärte Grube in Stuttgart. "Wir müssen uns jetzt wie erwachsene Leute verhalten." Allerdings werde er für die Zusammenkünfte etwa mit dem Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann und dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) keine Bedingungen akzeptieren. Palmer hatte zuvor einen "Friedensgipfel" angeregt, aber dafür einen Baustopp bei gleichzeitigem Aussetzen der Proteste verlangt.

Laut Grube hat Palmer nun Zustimmung zu dem jetzigen Gesprächsangebot signalisiert. "Ich weiche nicht aus, ich gehe auf die Gegner zu", sagte Grube. Auf der Befürworterseite sind auch Ministerpräsident Stefan Mappus und Verkehrsministerin Tanja Gönner (beide CDU) vorgesehen. Der Vorschlag sei mit Mappus abgestimmt, sagte Grube. Grube geht davon aus, dass die Proteste noch lange anhalten: "Ich glaube, dass wir längere Zeit benötigen, diese Erregung abzumildern. Das geht nicht von heute auf morgen." Die Heftigkeit des Widerstands habe ihn überrascht.

Grube räumte ein: "Stuttgart 21 ist nicht richtig begleitet worden mit Kommunikation." Zum wachsenden Graben zwischen Gegnern und Befürwortern betonte Grube: "Wir haben eine Vorbildfunktion und müssen ein vernünftiges Signal an die Bevölkerung senden."

Dialog läuft bereits

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(Foto: REUTERS)

Derweil gehen nach der friedlichen Großdemonstration gegen das Bahnprojekt die Diskussionen über das Milliarden-Vorhaben weiter. Stuttgarter Gemeinderäte von CDU, SPD, Freien Wählern und FDP haben den Schauspieler Walter Sittler und den Grünen-Fraktionsvorsitzenden Werner Wölfle zu Gesprächen eingeladen. "Dialog ist besser als eine Konfrontation" hieß es in dem veröffentlichten Brief. "Nun ist es an der Zeit, ideologische Sackbahnhöfe zu verlassen und zu einer Kultur der Vernunft und des Dialogs zurückzukehren". Eine Eskalation müsse vermieden werden.

50.000 Gegner waren am Freitagabend nach Angaben der Veranstalter zu ihrer bisher größten Demonstration gegen das Milliarden-Projekt auf die Straße gegangen. Bei einer Kundgebung und einer anschließenden Menschenkette um den Landtag erneuerten diese ihre Forderung nach einem Baustopp und einem Moratorium.

Bei dem 4,1 Milliarden Euro teuren Vorhaben soll der Kopfbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umgewandelt und an die künftige Schnellbahntrasse nach Ulm angeschlossen werden. Kritiker halten es für zu teuer und bezweifeln auch den verkehrspolitischen Nutzen. Am vergangenen Mittwoch hatten Bagger mit dem Abriss des Nordflügels des Bahnhofs begonnen. Seither hat der Protest an Schärfe zugenommen.

Der Bewegung "Paroli bieten"

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Die Baustelle wird jetzt permanent von der Polizei bewacht, so dass keine Demonstranten mehr auf das Gebäude gelangen können. Noch am Donnerstag - hier im Bild - war dies der Fall.

(Foto: dpa)

Die FDP-Landesvorsitzende Birgit Homburger forderte eine verstärkte Offensive der schwarz-gelben Landesregierung unter Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU), um der Bewegung gegen Stuttgart 21 Paroli zu bieten. In einem Interview der "Pforzheimer Zeitung" sagte Homburger, dazu gehöre "Argumentieren. Sich auseinandersetzen mit den Argumenten und zu dem stehen, was man beschlossen hat."

Nach Ansicht des Architekten Tobias Wallisser muss über den Umbau des Hauptbahnhofs und die Neugestaltung der gewonnenen Freiflächen neu nachgedacht werden. "Wer für wirklichen Fortschritt ist, für die wirklich nachhaltige Entwicklung der Stadt, der muss als erstes innehalten", sagte er den "Stuttgarter Nachrichten". Der Architektenwettbewerb habe vor 13 Jahren stattgefunden. "Inzwischen sind wir aber 13 Jahre weiter", betonte der Professor der Kunstakademie Stuttgart.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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