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Mehr als 20 Tote in Afghanistan IS-Anschlag überschattet Waffenstillstand

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Nach der Vertreibung aus Syrien und dem Irak wird der IS in Afghanistan und Pakistan immer aktiver (das Bild zeigt eine Demonstration von IS-Anhängern in Kaschmir am Freitag).

(Foto: imago/Pacific Press Agency)

Seit Monaten liefert sich die afghanische Armee immer heftigere Gefechte mit den Taliban, der Bürgerkrieg tobt so blutig wie selten zuvor. Ein Waffenstillstand sorgt für eine kurze Verschnaufpause - bis der IS die Kriegsparteien in die bittere Realität zurückbombt.

Bei einem Selbstmordanschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf ein Friedenstreffen von Taliban, Sicherheitskräften und Zivilisten in Ostafghanistan sind nach offiziellen Angaben 20 Menschen getötet worden. 16 weitere seien verletzt worden, sagte der Sprecher der Provinz Nangarhar. Ein Provinzratsmitglied sagte, die Menschen hätten in einem Park im Rodat-Bezirk die Eid-Feiertage und die Waffenruhe gefeiert.

Der Anschlag fiel auf den zweiten Tag einer landesweiten und von der Bevölkerung begeistert begrüßten Feuerpause zwischen den radikalislamischen Taliban und der Regierung. Der IS bekannte sich zu der Tat über sein Sprachrohr Amak, ohne weitere Details zu nennen. Die Terrormiliz ist mit den Taliban verfeindet. Nangarhar ist die Hauptbasis des IS in Afghanistan.

Zuvor hatten zahlreiche Taliban-Kämpfer die afghanische Hauptstadt Kabul besucht - ohne Waffen. Ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur sah viele Taliban im Stadtteil Kot-e Sangi. "Wir sind hier für den Frieden", sagte einer. "Wir sind heute gegen niemanden. Das ist die Zeit für Frieden." Anwohner sangen "Gott ist groß" und unterhielten sich strahlend mit den Besuchern. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Mohammed Radmanisch, bestätigte, dass man Taliban während der Feuerpause in sonst abgeschottete Städte eingeladen habe und dass Kämpfer auch in der Hauptstadt seien.

Innenminister Wais Barmak traf in einer außergewöhnlichen Aktion offenbar ebenfalls mit Taliban zusammen. Medien wie Tolo TV und Ariana News zeigten Bilder des Ministers in einer Gruppe von angeblichen Talibankämpfern im Kabuler Stadtteil Kompani. Eine offizielle Bestätigung des Treffens gab es aber nicht.

Nach Monaten blutiger Auseinandersetzungen mit der Regierung hatten die Islamisten eine Feuerpause über die Eid-Feiertage von Freitag bis Sonntag verkündet. Sie überlappt mit einem Waffenstillstand, den die Regierung schon am 12. Juni begonnen hatte.

Quelle: n-tv.de, jve/dpa

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