Politik

Folter, Willkür, Exekutionen IS-Geiseln sprechen über Gefangenschaft

Tagelange Folter mit Elektroschocks, kaum Nahrung, Wärter, die Gefangene dazu zwingen, Exekutionsvideos anzusehen. Vier der vergangene Woche befreiten Gefangenen des IS schildern ihr Leid in dem irakischen Gefängnis der Islamisten.

Vier der insgesamt 69 Gefangenen, die vergangene Woche von einem gemeinsamen Kommando der kurdischen und der US-Armee aus einem Gefängnis des Islamischen Staates (IS) befreit wurden, haben sich erstmalig zu ihrer Gefangenschaft geäußert. Dabei skizzieren sie ein Bild voller Brutalität und Willkür. Offenbar standen die Männer zum Zeitpunkt der Befreiung kurz vor der Hinrichtung.

Nachdem die Männer nach Salahaddin im irakischen Kurdistan gebracht wurden, sprachen vier von ihnen mit der "New York Times" und schilderten ihre Gefangenschaft. Generell sei betont, dass es sich bei dem Gefängnis in Hawija um ein Haus handelte, in dem irakische Sunniten festgehalten wurden. Der Hass und die Gräueltaten, von dem die Gefangenen berichten, ging dort nicht von Islamisten aus, die Ungläubige bestrafen wollen, sondern die dort Männer ihres Glaubens festhielten.

Exekution als Warnung

Die Männer beschreiben demnach übereinstimmend, dass der IS nach der Machtübernahme in der Region vor zweieinhalb Jahren neben der Scharia ein strenges Regelwerk zum öffentlichen Verhalten aufstellten. So sei vorgeschrieben, wie Männer den Saum ihrer Hose hochzukrempeln haben oder wie man beim Beten die Hände zu falten habe. Wer nicht gehorchte, geriet unter Verdacht oder wurde willkürlich mit Prügel bestraft. Auch, den Islamischen Staat zu verlassen, sei ein Grund für harte Prügelstrafen gewesen, schildert einer der Zeugen, Ahmed Mohammed.

Seinen Weg in das Gefängnis schildert Mohammed al-Jiburi. Sein jüngerer Bruder unterrichtete Englisch in Hawija - das machte ihn verdächtig und er wurde festgenommen. Nachdem die IS-Wärter ihm sagten, dass er sterben würde, gelang ihm die Flucht aus dem Gefängnis. Daraufhin hätten die IS-Schergen drei seiner Brüder, einen Cousin und seinen 80-jährigen Vater festgenommen. Um die Familie seien jedoch alle nach ein paar Tagen wieder freigekommen - bis auf einer seiner Brüder. Er wurde in dem Gefängnis exekutiert.

Folter bis zum falschen Geständnis

Das Interesse der Islamisten an der Familie sei danach nicht weniger geworden. Sie konfiszierten das Telefon von Jiburi und fanden die Nummern zweier amerikanischer Soldaten, die vor Jahren mit der irakischen Polizei in Hawija zusammenarbeiteten. Er habe jede Verbindung zum US-Militär abgestritten, doch vergebens. Er wurde geschlagen und gefoltert. "Hätte ich 'ja' gesagt, hätten sie mich hingerichtet. Hätte ich 'nein' gesagt, hätten sie mich so lange gefoltert, bis ich 'ja' gesagt hätte."

Ahmed Mohammed schildert, die oft tagelangen Folterungen seien wie ein festes Ritual gewesen. Seine Situation sei so hoffnungslos gewesen, dass er irgendwann beschlossen hatte, sein Geständnis zu unterzeichnen, um mit einer Hinrichtung seinem Leid ein Ende zu setzen. Neue Gefangene in dem Gefängnis seien tagelang durch Elektroschocks, Schläge mit Schläuchen oder Plastiktüten, mit denen sie beinahe erstickt wurden, gefoltert worden.

Nahrung habe es in dem Haus kaum gegeben. Wärter hätten gelegentlich Brotstückchen unter der Tür durchgeschoben. In den Zellen, in denen zum Teil über 30 Menschen untergebracht waren, seien Fernseher aufgestellt worden, auf denen ununterbrochen Exekutionsvideos des IS abgespielt worden seien. Die Gefangenen seien zum Teil gezwungen worden, die Bilder anzusehen.

Als die amerikanischen und kurdischen Soldaten das Gefängnis stürmten, erzählte Jibouri der "New York Times", habe er gedacht, dass seine Gebete erhört wurden. "Wir waren plötzlich sehr glücklich", sagte er.

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Quelle: n-tv.de, bdk

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