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Deutschland mit an Bord Impf-Allianz sichert sich Millionen Dosen

Eine Frau lässt sich impfen. Foto: Christoph Soeder/dpa/Archivbild

300 Millionen Dosen eines Impfstoffes von AstraZeneca sichern sich vier EU-Länder, darunter Deutschland.

(Foto: Christoph Soeder/dpa/Archivbild)

Wenn der erste Impfstoff gegen das Coronavirus da ist, stellt sich die Frage, wer ihn bekommt. Vier europäische Länder, darunter Deutschland, sichern sich nun die Rechte an Hunderten Millionen Dosen. Aus Russland kommen derweil überraschende Nachrichten.

Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande haben einen ersten Vertrag über 300 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus geschlossen. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium in Berlin mit. Die Entwicklung eines Impfstoffs könnte im günstigen Fall schon Ende des Jahres abgeschlossen sein, hieß es aus dem Ministerium. Vertragspartner ist das Pharmaunternehmen AstraZeneca.

Profitieren sollen alle EU-Staaten, die dabei sein wollen. Die Impfdosen würden relativ zur Bevölkerungsgröße aufgeteilt. "Viele Länder der Welt haben sich schon Impfstoffe gesichert, Europa noch nicht", erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. "Durch das zügige koordinierte Agieren einer Gruppe von Mitgliedsstaaten entsteht in dieser Krise Mehrwert für alle EU-Bürger. Wir wollen gemeinsam mit der Kommission künftig noch schneller und verhandlungsstärker werden“, so der CDU-Politiker.

Die vier Staaten haben sich nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums zu einer Impfallianz zusammengeschlossen und sind mit mehreren Unternehmen im Gespräch, die an aussichtsreichen Impfstoffen forschen. "Damit Impfstoffe sehr zügig nach einer möglichen Zulassung in diesem oder im nächsten Jahr in großer Zahl verfügbar sind, müssen Produktionskapazitäten schon jetzt vertraglich gesichert werden", hieß es weiter. Bei der Videokonferenz der EU-Gesundheitsminister am Freitag sei zudem vereinbart worden, die Aktivitäten der Impfallianz mit denen der EU-Kommission zusammenzuführen.

Erste Tests in USA, Produktion in Russland

Ein möglicher Impfstoff aus den USA gegen das Coronavirus soll bereits ab dem kommenden Monat an 30.000 Freiwilligen getestet werden. Die dritte Phase der klinischen Tests werde im Juli starten, teilte das US-Biotech-Unternehmen Moderna mit. Phase zwei mit 600 Freiwilligen hatte Ende Mai begonnen. Nach einer ersten Phase mit nur sehr wenigen Versuchsteilnehmern hatte Moderna von "positiven Zwischenergebnissen" gesprochen.

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Nach eigenen Angaben scheint Russland im Rennen um einen Impfstoff vorn zu liegen - schon im August soll dieser zugelassen werden, im September die Massenproduktion starten, sagte Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa der Staatsagentur Tass zufolge. Bereits im Mai hatte das staatliche Gamalaja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau mitgeteilt, einen Impfstoff entwickelt zu haben. Dieser habe eine Immunität gegen Corona erzeugt - ohne negative Nebenwirkungen, sagte Institutsdirektor Alexander Ginsburg.

Demnach hatten Wissenschaftler den Stoff an sich selbst und an Tieren getestet. Eine Studie zu dem anscheinend in Rekordzeit entwickelten Impfstoff haben die Forscher bisher nicht vorgelegt. Es gibt deshalb keine unabhängige Bewertung der Aussagen von Regierung und Wissenschaftlern.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP