Politik

"Stalinistische Säuberungsaktion" In Trumps Team regiert das Chaos

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Lobt sein eigenes Organisationstalent: Donald Trump.

(Foto: REUTERS)

Um die wichtigsten Posten im Team des künftigen US-Präsidenten ist ein heftiger Kampf ausgebrochen. Trumps Schwiegersohn, Jared Kushner, soll einen Rachefeldzug gegen alte Bekannte führen - und ein wichtiger Verbündeter aus dem Wahlkampf tritt freiwillig ab.

Während der designierte US-Präsident Donald Trump eine Woche nach seinem Sieg bei den US-Präsidentschaftswahlen mit Hochdruck an der Zusammenstellung seines Kabinetts arbeitet, ist in seinem Übergangsteam nach US-Medienberichten ein Machtkampf um wichtige Posten ausgebrochen.

Wie "New York Times" und "Washington Post" melden, soll Trumps Schwiegersohn, Jared Kushner, hinter den Entlassungen von zwei Beratern stecken - darunter der ehemalige Leiter des Geheimdienstausschusses Mike Rogers. Demnach habe der Republikaner das Team verlassen müssen, weil er enge Beziehungen zu Gouverneur Chris Christie pflegt. Christie selbst hatte Rogers in das Übergangsteam geholt.

Aus dem Umfeld von Rogers hieß es laut dem Nachrichtensender NBC, das Vorgehen sei einer "stalinistischen Säuberungsaktion" nahegekommen. Hintergrund der Feindseligkeiten ist den Berichten zufolge ein über zehn Jahre zurückliegender Rechtsstreit. Christie war 2004 gegen den Vater von Kushner wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung vorgegangen. Es kam zum außergerichtlichen Vergleich - und Kushners Vater musste zwei Jahre in Haft. Nun habe Kushner, der mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet ist, genügend Einfluss auf den künftigen Präsidenten, um dessen Personalentscheidungen zu beeinflussen. Der 35-Jährige gehört zum engsten Mitarbeiterkreis um den Präsidenten.

Trump beeilte sich jedoch, das Chaos in den eigenen Reihen herunterzuspielen. Via Twitter erklärte er, die Bildung des Kabinetts sei "sehr organisiert" abgelaufen. Er sei der einzige, der wisse, wer "die Finalisten" seien. Anders als bisher vermutet, gilt der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani als einer der heißesten Anwärter auf das Amt des Außenministers.

Trumps Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway brachte die Personalie im Fernsehsender Fox News erneut ins Gespräch. "Sein Name wurde sehr ernsthaft als Außenminister genannt", sagte Conway über Giuliani. "Es ist ein Job, für den er qualifiziert ist und den er außergewöhnlich gut machen würde."

"Das wird hässlich!"

Ursprünglich war der 72-Jährige als künftiger Justizminister gehandelt worden. Er selbst hatte zunächst auch im Fernsehen erklärt, dass er sich dieses Amt zutraue. Am Montag dann sagte er aber bei einer Veranstaltung in Washington, dass er das Justizressort nun doch nicht leiten wolle.

Für Überraschung sorgte auch der Rückzug von Ben Carson. Er war als möglicher Gesundheitsminister gehandelt worden - und wäre wohl der einzige Schwarze im Kabinett von Trump gewesen. Über seinen Sprecher ließ Carson nun aber mitteilen, dass er nicht genügend Regierungserfahrung habe, um ein Amt als Minister anzutreten. Wie Trump hatte sich auch Carson um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner beworben. Er werde dem künftigen Präsidenten aber weiter als Berater zur Verfügung stehen, so Carson.

Innerhalb der republikanischen Partei sorgt das Personalchaos bereits für neue Sorge, die Präsidentschaft Trumps könnte sich zu einem Desaster entwickeln. Kurz nach der Wahl hatte der größte Kritiker des Immobilienmilliardärs innerhalb der Partei, Eliot Cohen, noch gehofft, Trump werde vielleicht doch nicht so schlimm wie erwartet. Parteifreunden riet er, mit dem 70-Jährigen zusammenzuarbeiten. Nun korrigierte er sich via Twitter: "Nach dem Austausch in Trumps Übergangsteam ändere ich meine Empfehlung. Bleibt weg! Sie sind böse, sie sind arrogant, sie rufen 'Du hast verloren!' Das wird hässlich."

Quelle: ntv.de, jug/AFP