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Merkel und Macron besorgt Iran: Hätten US-Flugzeug abschießen können

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Dem Iran zufolge befand sich auch eine amerikanische P-8 im iranischen Luftraum.

(Foto: imago)

Nach dem Abschuss einer US-Drohne eskaliert der Konflikt zwischen den USA und dem Iran, beinahe kommt es zu einem US-Luftschlag. Nun meldet der Iran, dass er noch viel weiter hätte gehen können: Im Umfeld der abgeschossenen Drohne habe sich auch ein US-Flugzeug mit 35 Passagieren an Bord befunden.

Die iranischen Revolutionsgarden hätten nach eigenen Angaben neben der US-Drohne auch ein amerikanisches Flugzeug mit 35 Menschen an Bord abschießen können. Es habe sich in derselben Region wie der Flugkörper aufgehalten, zitierte die Nachrichtenagentur Tasnim den Leiter der Luft- und Raumfahrtdivision der Garden, Amirali Hadschisadeh. "Dieses Flugzeug ist auch in unseren Luftraum eingedrungen, und wir hätten es abschießen können, aber wir haben es nicht getan." Bei der Maschine habe es sich um eine P-8 gehandelt. Das ist eine Militärmaschine der US-Marine. Eine Stellungnahme der USA liegt bislang nicht vor.

Der Abschuss der Drohne durch den Iran verschärfte die Spannungen zwischen beiden Ländern massiv. US-Präsident Donald Trump hatte einem Bericht der "New York Times" zufolge Militäraktionen gegen den Iran bereits gebilligt, diese dann in der Nacht aber abrupt gestoppt. Auf Twitter teilte Trump mit, dass er den Anschlag wegen der befürchteten Opfer abgesagt habe. Die vom US-Militär erwarteten 150 Todesopfer wären im Vergleich zum Abschuss der unbemannten US-Drohne "unverhältnismäßig" gewesen.

Die US-Militärplanungen verstärkten die Sorge, dass der Konflikt zwischen den USA und dem Iran in einem neuen Golfkrieg münden könnte. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte zum Abschluss des EU-Gipfels in Brüssel, es handele sich um eine "sehr angespannte Situation", die auf diplomatische und politische Weise gelöst werden müsse. Am Rande des Gipfels hätten die außenpolitischen Berater die Lage besprochen.

"Durch Eskalation wird niemand gewinnen"

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte bereits am Morgen alle Konflikt-Parteien aufgerufen, Ruhe zu bewahren. "Durch Eskalation wird niemand etwas gewinnen, schon gar nicht durch eine militärische", sagte er. Es gehe darum, die Sicherheit in der Region aufrechtzuerhalten.  EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte dazu: "Manchmal ist es besser, nicht zu intervenieren." Die größten Probleme in der Geschichte seien oft durch zu aktive Politik provoziert worden und nicht durch zu passive.

Die neue Eskalation der Spannungen wirkte sich auch auf die zivile Luftfahrt aus. Mehrere Fluggesellschaften meiden wegen der Spannungen die für den Luftraum strategisch wichtige Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. So entschied die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa bereits am Donnerstag, "die Straße von Hormus im persischen Golf zu umfliegen". Das Gebiet sei am Freitag noch etwas erweitert worden. Andere Teile des iranischen Luftraums würden aber nach wie vor überflogen und etwa Flüge in die iranische Hauptstadt Teheran weiterhin angeboten. Zuvor hatten bereits andere Fluggesellschaften wie die niederländische KLM, British Airways und Singapore Airlines angekündigt, das Gebiet zu meiden. Die US-Luftfahrtbehörde untersagte Passagiermaschinen des Landes, den vom Iran kontrollierten Luftraum in der Region zu durchqueren.

Quelle: n-tv.de, ftü/rts/AFP/dpa

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