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London bestätigt beide Vorfälle Iran setzt zwei Öltanker am Golf fest

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Der britische Öltanker Stena Impero wurde auf dem Weg nach Saudi-Arabien von den Iranischen Revolutionsgarden gestoppt. Nun scheint es nach Norden in Richtung Iran zu fahren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die iranischen Revolutionsgarden halten einen britischen Öltanker in der Straße von Hormus fest. US-Regierungskreise gehen aber inzwischen von zwei beschlagnahmten Schiffen aus. London bestätigt das und beruft den Nationalen Sicherheitsrat ein.

Der Iran hat innerhalb kurzer Zeit zwei britische Tanker im Golf von Hormus aufgebracht. Nach der unter britischer Fahne fahrenden "Stena Impero" wurde auch ein unter liberischer Flagge fahrender Tanker in Richtung Iran abgedrängt. Nach Medeinberichten soll es sich dabei um die "Mesdar" der britischen Norbulk Shipping UK handeln. "Die Festsetzungen sind unakzeptabel", sagte Außenminister Jeremy Hunt. Noch am Abend trat in London nach Medienberichten der Nationale Sicherheitsrat (Cobra) zu Beratungen zusammen.

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Dieser Screenshot der Webseite Marine Traffic zeigt die Route des unter liberianischer Flagge fahrenden "Mesdar" Öltankers. Besitzer ist die in Glasgow ansässige Firma Norbulk.

(Foto: picture alliance/dpa)

US-Präsident Donald Trump will sich nach den jüngsten Zwischenfällen mit britischen Tankern im Golf von Hormus eng mit Großbritannien abstimmen. "Wir werden mit dem Vereinigten Königreich sprechen", sagte Trump vor Journalisten. Er werde mit der Regierung in London zusammenarbeiten, fügte er hinzu. Der Iran mache nichts als Ärger, erklärte Trump weiter. Das Land sei in großen Schwierigkeiten, die Wirtschaft breche zusammen. "Es ist sehr einfach für uns, das noch viel schlimmer zu machen."

Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatten zuvor mitgeteilt, sie hätten den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker "Stena Impero" in der Straße von Hormus gestoppt und in Richtung iranischer Küste gebracht. Der Tanker habe internationale Vorschriften nicht beachtet, hieß es auf dem Internetportal der Revolutionsgarden.

Der Tanker sei in Richtung Küste gebracht worden, um die notwendigen rechtlichen Prozesse zu durchlaufen, berichtete der iranische Auslandssender Press TV. Nach Angaben der Behörden der südiranischen Hormusgan Provinz wurde das britische Schiff zum Hafen der Provinzhauptstadt Bandar Abbas eskortiert. Dort würden die notwendigen Inspektionen durchgeführt.

"Stena Impero" ohne GPS

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Dieser Screenshot der Webseite Marine Traffic zeigt die Route des britischen Öltankers Stena Impero. Das Schiffe wurde auf dem Weg nach Saudi-Arabien von den Iranischen Revolutionsgarden gestoppt. Nun scheint es nach Norden in Richtung Iran zu fahren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Tanker hatte seine GPS ausgeschaltet und sei vom südlichen Teil der Straße von Hormus, der nur für den Ausgang der Schiffe vorgesehen ist, eingefahren und damit eine Kollision mit anderen Schiffen riskiert. Dies sei gegen die maritimen Vorschriften am Golf. Außerdem soll der Tanker auch umweltschädigende Materialien am Bord haben, die derzeit von der Umweltbehörde in Bandar Abbas untersucht werden. Das Schiff gehört der schwedischen Firma "Stena Bulk". Das Unternehmen bestätigte den Zwischenfall und teilte mit, dass sich mehrere unbekannte kleinere Boote und ein Hubschrauber der "Stena Impero" genähert hatten, als sich das Schiff in internationalen Gewässern befunden habe.

Das Unternehmen habe derzeit keinen Kontakt zur Besatzung des Schiffes. An Bord befinden sich nach Unternehmensangaben 23 Crew-Mitglieder. Es gebe keine Nachrichten über Verletzte. Man stehe in engem Kontakt zu den britischen Behörden. Das Schiff fahre inzwischen nach Norden in Richtung Iran. Wie Daten der Internetseite Marine Traffic zeigen, verließ die "Stena Impero" gegen 17.30 Uhr MESZ ihren Kurs, als sie die Straße von Hormus passiert hatte. Das Schiff war vom Hafen Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus auf dem Weg in Richtung Al-Dschubail in Saudi-Arabien. Zuletzt zeigten die Daten, dass sich das Schiff in Richtung der iranischen Insel Keschm befand.

Nur wenige Stunden vor der Eskalation hatte der Oberste Gerichtshof von Gibraltar beschlossen, den Anfang Juli aufgebrachten iranischen Öltanker "Grace 1" für weitere 30 Tage festzusetzen. Die Behörden des britischen Überseegebiets verdächtigen den Iran, Syrien unter Verstoß gegen internationale Sanktionen mit Öl beliefern zu wollen. Teheran hatte die Beschuldigungen Gibraltars zurückgewiesen und von einem Akt der "Piraterie" gesprochen.

Drohnenstreit zwischen Teheran und Washington

Seit dem Ausstieg Washingtons aus dem internationalen Atomabkommen mit Teheran im Mai 2018 und der Verhängung neuer Sanktionen haben sich die Spannungen in der Golfregion dramatisch verschärft. Trump hatte erst am Donnerstag in Washington erklärt, eine iranische Drohne sei in der Straße von Hormus von einem US-Kriegsschiff aus zerstört worden. Sie sei der "USS Boxer" bedrohlich nahe gekommen und daraufhin vernichtet worden. Teheran widersprach. "Wir haben weder in der Straße von Hormus noch anderswo eine Drohne verloren", schrieb Vizeaußenminister Abbas Araghchi am Freitag auf Twitter.

Erst Ende Juni hatte der Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne durch die Revolutionsgarden über der Straße von Hormus fast zu einer militärischen Konfrontation geführt. Trump stoppte nach eigenen Angaben erst in letzter Minute einen Vergeltungsangriff.

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Quelle: n-tv.de, mau/dpa/rts/AFP