Politik

Leiharbeiter besonders betroffen Jeder fünfte Arbeitslose rutscht in Hartz IV

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Der DGB sieht große Sicherungslücken im System der Arbeitslosenversicherung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Weg vom Beschäftigten zum Hartz-IV-Empfänger ist kurz, heißt es beim Deutschen Gewerkschaftsbund. Die Experten dort warnen: Monat für Monat fallen Tausende Deutsche durch das "Auffangnetz". Schuld seien befristete Arbeitsverträge.

Mehr als ein Fünftel der Beschäftigten, die in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres ihren Arbeitsplatz verloren haben, sind gleich zu Beginn ihrer Arbeitslosigkeit zum Hartz-IV-Empfänger geworden. Dies geht aus einer Auswertung der aktuellen Arbeitsmarktzahlen durch den Deutschen Gewerkschaftsbund hervor.

Demnach rutschten von den insgesamt 1,238 Millionen Menschen, die zwischen Anfang Januar und Ende Juni trotz der guten Konjunktur ihren sozialversicherten Job verloren, 264.000 oder 21,3 Prozent unmittelbar in Hartz IV.

Viele scheiterten beim Eintritt in die Arbeitslosigkeit an den hohen Zugangshürden zum Versicherungssystem und enthielten entweder gar kein Arbeitslosengeld oder nur so niedrige Leistungen, dass sie ergänzend auf Hartz IV angewiesen seien, heißt es in dem DGB-Papier. Diese Zahlen zeigten, "dass der Weg vom Beschäftigten zum Hartz-IV-Empfänger sehr kurz sein kann und das soziale Auffangnetz der Arbeitslosenversicherung große Sicherungslücken hat".

Längere Rahmenfrist gefordert

Viele der Betroffenen hätten zwar gearbeitet und ein ganzes Jahr Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt. Sie hätten dies aber nicht innerhalb der letzten zwei Jahre - der sogenannten gesetzlichen Rahmenfrist - schaffen können, weil sie befristet oder unregelmäßig beschäftigt gewesen seien. Diese Einzahlungen sind die Voraussetzung dafür, Arbeitslosengeld I zu bekommen.

Wegen der zu kurzen Beitragszahlungen oder einer zu lange zurückliegenden Beschäftigung führe dies "zum sofortigen Sturz in das Hartz-IV-System", wie es beim DGB hieß. Vor allem Leiharbeiter sowie kurzfristig und prekär Beschäftigte kommen demnach oft gar nicht in den Schutz der Arbeitslosenversicherung. Von den 183.000 Leiharbeitern, die im ersten Halbjahr arbeitslos geworden seien, seien 68.000 direkt auf Hartz IV angewiesen gewesen.

Der DGB fordert daher dringend, die gesetzliche Rahmenfrist zu verlängern. Schließlich sei schon im Koalitionsvertrag festgehalten worden, dass Beschäftigte künftig wieder drei statt zwei Jahre Zeit haben sollten, um zwölf Monate Beiträge in die Arbeitslosenversicherung einzuzahlen. Die Rahmenfrist hatte schon vor 2006 bei 36 Monaten gelegen und wurde dann auf 24 Monate verkürzt.

Quelle: ntv.de, hul/AFP