Politik

Viel Lärm um nichts Jones sagt Koran-Verbrennung ab

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Jones in New York am Flughafen. Auf seinem T-Shirt steht "Harley Davidson".

(Foto: AP)

Pastor Jones, der von seiner eigenen Tochter für verrückt gehalten wird, will keine Korane mehr verbrennen. Diesmal meint er seine Ankündigung ernst, sagt er. Damit löst sich der globale Wirbel um den unbekannten Anführer einer bedeutungslosen Mini-Gemeinde im Nichts auf.

Der fundamentalistische US-Pastor Terry Jones hat seine Koran-Verbrennung endgültig abgesagt. "Wir werden den Koran definitiv nicht verbrennen. Heute nicht, niemals", sagte er dem Fernsehsender NBC. Diesmal will er seine Meinung nicht ändern. "Ich kann das absolut garantieren."

Terry war innerhalb weniger Tage weltweit bekannt geworden, weil er angekündigt hatte, am Jahrestag der Anschläge vom 11. September rund 200 Koran-Ausgaben verbrennen zu wollen. Er ist der Chef einer winzigen Gemeinde fundamentalistischer Christen in der Stadt Gainesville in Florida. Unter anderem riefen US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel, islamische Führer und die Vereinten Nationen den Pastor und seine knapp 50 Gemeindemitglieder auf, die Aktion aufzugeben.

Der Theologe Hans Zirker nannte das Bekämpfen des Islam durch Christen "eine totale geistige Verirrung". Weder unter Christen noch unter Muslimen sei es allgemeine Überzeugung, dass man die Wahrheit nur bei sich selbst finden könne und sie anderen absprechen müsse, so Zirker im Interview mit n-tv.de. "Wer im Koran nur den Stellen nachspürt, die ihn erschrecken, der müsste wenigstens sehen, dass wir solche Stellen auch in der Bibel finden können."

Verkaufsrang 4875

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"Islam is of the devil", meint Jones. Er hat auch ein Buch dieses Titels geschrieben.

(Foto: AP)

Dem Verkauf des Jones-Buches "Islam Is Of The Devil" hat der Wirbel dennoch genutzt: Bei Amazon.com stand das Buch am Samstag auf Verkaufsrang 4875, Tendenz allerdings fallend. Dennoch kein schlechter Rang für ein Buch aus einem Verlag, der seinen Service als Alternative zum Eigenverlag anbietet - mit anderen Worten: ein Verlag, der auf Autoren schielt, die keinen Verlag finden.

In den vergangenen Tagen hatte Jones mit widersprüchlichen Äußerungen Verwirrung ausgelöst. Am Freitagabend flog der Prediger, dessen Tochter ihn für größenwahnsinnig und verrückt hält, nach New York. Nach seiner Landung sei es am Flughafen La Guardia zu einem beispiellosen Polizeieinsatz gekommen, berichtete der Fernsehsender ABC. Ein Flughafenterminal sei praktisch komplett geräumt worden.

Polizei folgt Jones

New Yorks Polizeichef Raymond Kelly sagte dem Fernsender CNN, man werde Jones, der bis Montag in New York bleiben wolle, auf Schritt und Tritt beobachten. Als Begründung gab er an, die Polizei sei besorgt um die Sicherheit des Pastors.

Jones hatte angekündigt, er wolle sich mit New Yorker Imam Feisal Abdul Rauf treffen. Dieser solle ihm bestätigen, dass eine umstrittene Moschee nicht in der Nähe des Orts der Anschläge vom 11. September gebaut werde. Damit hatte Jones seinen Verzicht der Koran-Verbrennung begründet. Allerdings habe er keinen Termin bei dem für das Projekt zuständigen Imam bekommen, sagte Jones. Rauf hatte auch entschieden bestritten, sich mit dem Pastor darauf geeinigt zu haben, die Moschee an einem anderen Ort zu errichten.

Westerwelle nennt Jones "Verrückten"

Bundesaußenminister Guido Westerwelle nannte Jones verrückt. "Das ist menschenverachtend und brandgefährlich für den Frieden in der Welt, wenn Verrückte den Koran verbrennen wollen", sagte der FDP-Chef.

"Ich sage es als Christ, dass wir unsere Religion nicht beschädigen lassen dürfen durch solche verrückten Menschen", so Westerwelle.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa