Politik
Die Infragestellung des Existenzrechts Israels hält eine klare Mehrheit für antisemitisch.
Die Infragestellung des Existenzrechts Israels hält eine klare Mehrheit für antisemitisch.(Foto: picture alliance / Michael Kappe)
Freitag, 27. April 2018

Umfrage zu Antisemitismus: Judenhass für Jüngere kaum problematisch

Was gilt heutzutage als Antisemitismus? Und stellt er wirklich ein gravierendes Problem in Deutschland dar? Eine Online-Umfrage soll Antworten auf diese und weitere Fragen finden. Entscheidend ist dabei offenbar das Alter der Befragten.

Judenhass wird von jungen Menschen in Deutschland einer Umfrage zufolge als nicht so gravierendes Problem angesehen wie von älteren. So halten 42 Prozent der 18- bis 24-Jährigen Antisemitismus für ein ernstes oder sehr ernstes gesellschaftliches Problem - im Durchschnitt sind es aber 61 Prozent und unter den älteren Befragten ab 65 Jahren sogar 68 Prozent.

Dies ergab eine Online-Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Umgekehrt halten 40 Prozent der jungen Befragten Antisemitismus für kein oder nur ein geringes Problem - im Schnitt aller 2000 Befragten sind es lediglich 27 Prozent und in der Gruppe der Älteren sogar nur 22 Prozent. Was als antisemitisch gilt, wird sehr unterschiedlich bewertet.

So halten drei Viertel (73 Prozent) aller Befragten Witze über den Holocaust für antisemitisch. Allgemeine Witze über Juden findet nur noch knapp die Hälfte (48 Prozent) antisemitisch, allerdings ist auch dies eine Mehrheit (nicht oder eher nicht antisemitisch: 34 Prozent). Die pauschalierende Aussage, die meisten Juden seien gute Geschäftsleute, nimmt dagegen nur eine Minderheit (17 Prozent) als antisemitisch wahr, die Mehrheit hält die Aussage nicht oder eher nicht für antisemitisch (65 Prozent).

Die Infragestellung des Existenzrechts Israels hält eine klare Mehrheit (65 Prozent) für antisemitisch. Nicht aber bloße Kritik am Staat Israel: Dies stuft nur eine Minderheit (18 Prozent) als antisemitisch ein, die Mehrheit dagegen nicht (62 Prozent). Generell werden neben dem Antisemitismus Rassismus und Fremdenfeindlichkeit als ernstes bis sehr ernstes Problem betrachtet und von jeweils 71 Prozent so eingestuft.

Relativ hoch ist mit 50 Prozent auch der Anteil derer, die Deutschen-Feindlichkeit als ernstes Problem wahrnehmen (kein oder eher kein Problem: 36 Prozent). Homophobie hält eine Mehrheit (49 Prozent) für kein oder nur ein geringes Problem (ernstes oder sehr ernstes Problem: 31 Prozent).

Quelle: n-tv.de