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Das Bild der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zeigt Polizisten, die ein Auto untersuchen, dass in Damaskus explodierte.
Das Bild der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zeigt Polizisten, die ein Auto untersuchen, dass in Damaskus explodierte.(Foto: dpa)
Montag, 16. Juli 2012

Erdogan: "Versuchter Völkermord": Kämpfe in Damaskus nehmen zu

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Immer mehr wird die syrische Hauptstadt Damaskus von Kämpfen zwischen Oppositionellen und Regierungstruppen erfasst. In mehreren Viertel kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen. Der türkische Premier Erdogan nennt das Massaker in Tremseh derweil einen "versuchten Völkermord".

Die syrische Hauptstadt Damaskus ist nach Informationen der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London von den heftigsten Kämpfen seit dem Beginn der Rebellion im März 2011 erschüttert worden. Es habe in mehreren Stadtvierteln bewaffnete Auseinandersetzungen gegeben, sagte der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Von den Kämpfen betroffen waren demnach die Viertel Tadamon, Kafar Susse, Nar Aischa und Sidi Kadad. Oppositionelle sprachen auch von Kämpfen im Bezirk Lawan am südwestlichen Rand der Metropole.

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Hunderte Rebellen, die sich verschanzt hielten, würden sich Gefechte mit Regierungstruppen liefern, hieß es. Diese hätten die Zufahrt zum Flughafen abgeriegelt und würden versuchen, die Kämpfer einzukreisen. Die Bewohner versuchten zu fliehen, es gebe Tote und Verletzte, sagten Augenzeugen. Es seien Schüsse schwerer Waffen zu hören und gepanzerte Fahrzeuge zu sehen, Rauch liege über der Stadt. Die Regierungstruppen feuerten Mörsergranaten auf mehrere Stadtteile, hieß es. Damaskus ist die Machtbasis von Präsident Baschar al-Assad.

"Die Sicherheitskräfte versuchen die Kontrolle über die Viertel zurückzugewinnen, aber sie schaffen es vorerst nicht", sagte Rahman. Die Beobachtungsstelle gab die Zahl der am Sonntag in Syrien bei politischer Gewalt Getöteten mit 55 an, darunter 25 Zivilisten, zwölf Aufständische und 18 Soldaten. Für Samstag kam die Stelle auf eine Gesamtzahl von 115 Getöteten. Die UNO führt über die Toten und Verletzten in Syrien keine Statistiken mehr. Die Beobachtungsstelle beziffert die Gesamtzahl der Toten seit dem Beginn des bewaffneten Aufstandes auf mehr als 17.000.

Erdogan spricht von "versuchtem Völkermord"

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte unterdessen das Entsetzen über Massaker in Syrien scharf. Er bezeichnete das Blutbad als "versuchten Völkermord", wie türkische Medien berichteten. Die Taten seien Beleg dafür, dass das Assad-Regime dem Untergang geweiht sei. Das syrische Volk werde sich für diese Verbrechen rächen wollen, warnte Erdogan. Die angespannten Beziehungen zwischen Ankara und Damaskus haben sich seit dem Abschuss eines türkischen Militärjets durch Syrien Ende Juni erheblich verschlechtert. Dabei kamen zwei Piloten ums Leben.

Anti-Assad-Proteste in Yabroud bei Damaskus.
Anti-Assad-Proteste in Yabroud bei Damaskus.(Foto: REUTERS)

Die Regierung in Damaskus wies den Vorwurf zurück, bei dem Angriff auf Tremseh Panzer und Helikopter eingesetzt zu haben. Die Armee habe Truppentransporter und leichte Waffen wie Panzerabwehrraketen benutzt, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Flugzeuge, Helikopter, Panzer oder Artillerie seien dagegen nicht zum Einsatz gekommen. Die gegenteilige Behauptung des internationalen Sondergesandten Kofi Annan sei "sehr übereilt" gewesen und entspreche nicht den Fakten, sagte der Sprecher.

Annan hatte in einem Brief an den UN-Sicherheitsrat nach der Stürmung der Kleinstadt in der Provinz Hama durch die syrische Armee am Donnerstag den Einsatz von "Artillerie, Panzern und Helikoptern" kritisiert. Diese Darstellung war von UN-Beobachtern vor Ort bestätigt worden. Wie viele Menschen bei den Kämpfen getötet wurden, ist nach UN-Angaben jedoch weiter unklar. Der syrische Außenamts-Sprecher wies auch den Vorwurf der Opposition zurück, in dem Ort sei ein Massaker verübt worden. "Es gab kein Massaker", sagte er. "Es war kein Angriff der Armee auf Zivilisten, sondern Kämpfe zwischen der regulären Armee und bewaffneten Gruppen", betonte der Sprecher.

Iran bietet Vermittlung an

Im Bemühen um ein geschlossenes Auftreten der internationalen Gemeinschaft im Syrien-Konflikt reist UN-Generalsekretär Ban Ki Moon derweil nach China. Der Sonderbeauftragte Kofi Annan begibt sich gleichzeitig zu Gesprächen mit der russischen Führung nach Moskau. Diplomaten zufolge will der UN-Sicherheitsrat in Kürze einen erneuten Anlauf nehmen, die Differenzen unter seinen Mitgliedern in der Syrien-Frage zu verringern. Während die USA und die Europäer auf konkrete Sanktionen dringen, lehnen die Assad-Verbündeten Russland und China ein härteres Vorgehen ab.

Auch der Iran bot sich als Vermittler und Gastgeber für Friedensgespräche an. "Der Iran ist bereit, die syrische Opposition für Gespräche nach Teheran einzuladen und auch dafür, Gespräche zwischen ihr (der Opposition) und der syrischen Regierung vorzubereiten", sagte Außenminister Ali Akbar Salehi laut Nachrichtenagentur Isna. Ein Vertreter des oppositionellen Syrischen Nationalrats lehnte dies umgehend ab. Der Iran unterstütze den Friedensplan von Sondervermittler Annan, allerdings nur, wenn Assad an der Macht bleibe, sagte Salehi weiter. Dies gilt jedoch als größtes Hemmnis für eine Einigung mit der Opposition.

Quelle: n-tv.de

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