Politik

Gewalt zwischen Hamas und Israel Keine Hoffnung auf Feuerpause

Die Sirenen heulen wieder: Israel bombardiert weiter im Gazastreifen, Palästinenser schießen Raketen auf Israels Städte. Auch Tel Aviv wird beschossen. Damit rückt eine Waffenruhe wieder in weite Ferne. Stattdessen nährt die anhaltende Gewalt erneut die Sorge vor einer israelischen Bodenoffensive.

Der blutige Schlagabtausch in Nahost geht in aller Härte weiter: Militante Palästinenser haben erneut mindestens eine Rakete auf die israelische Küstenmetropole Tel Aviv abgefeuert. Auch die heftigen israelischen Angriffe im Gazastreifen, bei denen bislang etwa 50 Menschen getötet wurden, gingen unvermindert weiter.

Nach Luftalarm in Tel Aviv war am Sonntagvormittag im Stadtzentrum eine dumpfe Explosion zu hören. Eine Armeesprecherin sagte später, das Geschoss sei von der Raketenabwehr abgefangen worden. Die Luftwaffe habe sofort das Gebiet angegriffen, von dem aus die Rakete abgefeuert wurde. Die im Gazastreifen herrschende Hamas bekannte sich zu dem Angriff. Es handele sich um eine "verbesserte" Kassam-Rakete des Typs M-75, die eine größere Reichweite habe.

Israelis stehen zum Einmarsch bereit

Die anhaltende Gewalt nährte Sorgen vor einer israelischen Bodenoffensive in dem Palästinensergebiet. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte während der Kabinettssitzung: "Die Operation im Gazastreifen geht weiter und wir sind dazu bereit, sie noch bedeutend auszuweiten." Der höchste Armeesprecher, Joav Mordechai, sagte: "Solange im Süden keine Ruhe herrscht, gibt es keine Änderung unserer Pläne." Er sagte, tausende von Reservisten würden auf einen möglichen Bodeneinsatz vorbereitet.

Nach Medienberichten wurde ein Auto in einem Vorort Tel Avivs von Raketenteilen getroffen und ging in Flammen auf. In der Küstenstadt Aschkelon war zuvor eine Rakete direkt in einem Wohnhaus eingeschlagen, zwei Menschen wurden verletzt. Nach Armeeangaben wurden seit Mittwoch mehr als 870 Raketen auf Israel abgefeuert. Etwa ein Drittel wurde von der Raketenabwehr abgefangen.

Diplomatische Drähte glühen

Angesichts einer drohenden Neuauflage des Gazakriegs der Jahre 2008 und 2009 vervielfachten alle Staaten mit Einfluss in Nahost ihre Bemühungen, den Konflikt zu entschärfen. US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefonierten mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Ägyptens Staatschef Mohammed Mursi.

Der israelische Rundfunk berichtete unter Berufung auf einen Vertreter der radikalislamischen Hamas, es gebe weiterhin Bemühungen um eine Waffenruhe. Der französische Außenminister Laurent Fabius wollte sich am Sonntag in Jerusalem zu Gesprächen mit der israelischen Führung treffen. Anschließend wollte er zu dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas nach Ramallah reisen.

Zahl der Toten steigt

Die israelische Armee bombardierte weiter Ziele im Gazastreifen aus der Luft und von See aus. Seit Beginn der Militäroperation "Säule der Verteidigung" am Mittwoch sind nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde 50 Palästinenser getötet und mehr als 500 weitere verletzt worden. Am Sonntagmorgen wurden nach palästinensischen Angaben ein Kind und eine Frau bei israelischen Angriffen getötet. In der Nacht waren im nördlichen Gazastreifen bei Marine-Beschuss zwei Kleinkinder getroffen worden.

Die israelische Armee teilte mit, in der Nacht seien ein Trainings- sowie ein Kommunikationszentrum der im Gazastreifen herrschenden Hamas getroffen worden. Auch das Büro des Al-Kuds-Fernsehens, das der im Gazastreifen herrschenden Hamas nahesteht, sei angegriffen worden. Dabei seien sechs palästinensische Journalisten verletzt worden.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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