Politik

"Zu schnell und unkoordiniert" Kekulé warnt vor übereilten Grenzöffnungen

Wegen der Coronavirus-Pandemie wird an den Grenzen derzeit kontrolliert, eine Ein- und Ausreise ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Doch das soll sich bald ändern. Der Virologe Kekulé übt Kritik.

Der Virologe Alexander Kekulé hält die von der Regierung geplanten Grenzöffnungen für "ein bisschen zu schnell und zu unkoordiniert". Bei MDR Aktuell äußerte er die Befürchtung, dass das Coronavirus langfristig immer wieder über die Grenzen eingeschleppt werde. Das betreffe nicht nur die unmittelbaren Nachbarländer, sondern auch entferntere Länder.

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Kekulé ist Professor an der Uni Halle.

(Foto: imago images/Klaus W. Schmidt)

Aus virologischer Sicht seien Grenzöffnungen verantwortbar, wenn es auf beiden Seiten der Grenze ähnlich viele Corona-Nachweise gebe und auch die Kontrollmechanismen ähnlich seien, argumentierte der Virologe der Universität Halle. Diese Ansicht vertritt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO): "Wenn Länder das Risiko ähnlich managen und ähnlich Maßnahmen zur Überwachung haben, birgt eine Grenzöffnung kein zusätzliches Risiko", sagte WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan in Genf.

Bei Österreich sei das laut Kekulé sicher der Fall, bei Frankreich eher nicht. "Frankreich ist wesentlich schlechter aufgestellt bei der Nachverfolgung durch die Gesundheitsämter als Deutschland", warnte Kekulé. Zudem sei die Ausbruchslage dort weniger unter Kontrolle.

Tschechien reagiert zurückhaltend

Unterstützung bekam er dabei von Norbert Röttgen. Der CDU-Außenpolitiker sagte, die Grenzöffnungen müssten sich nach dem Infektionsgeschehen der beteiligten Länder richten, zitiert der SWR den Kandidaten für den CDU-Vorsitz. Der schnelle Wunsch, "irgendetwas zu öffnen, ist nicht nachhaltig". Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder riet im ZDF zu "Besonnenheit und Vorsicht".

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Kekulé sagte, dass in Osteuropa zwar nur wenige Fälle gemeldet würden, jedoch seien dort die Überwachungssysteme auch nicht ansatzweise mit denen in Deutschland vergleichbar. Deshalb sei nicht davon ausgehen, dass die Meldezahlen dort der tatsächlichen Verbreitung von Covid-19 entsprechen. Kekulé warnte daher, "dass das perfekte Saubermachen im eigenen Zimmer keinen Sinn hat, wenn die Tür offen ist und nebenan der Staub sich bis an die Decke türmt".

Auch das Nachbarland Tschechien reagiert zurückhaltend ob einer baldigen Öffnung der Grenze. Ministerpräsident Andrej Babis sagte der Zeitung "Blesk", die Situation in der Coronavirus-Pandemie sehe in Deutschland - insbesondere in Bayern - "nicht ideal" aus. Deswegen habe man in Tschechien "Probleme" in der Grenzregion um Cheb (Eger) und Domazlice (Taus). Babis setzt nach eigenen Worten auf eine beiderseitige Grenzöffnung im Rahmen des sogenannten Austerlitz-Formats, dem neben Tschechien auch die Slowakei und Österreich angehören - nicht aber Deutschland. Dies könne zum 8. oder 15. Juni geschehen, kündigte der Gründer der populistischen Partei ANO an.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/AFP/rts

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