Politik
Mittwoch, 30. April 2008

Neben dem Horst-Wessel-Lied: Krause schrieb auch für "Etappe"

Hinweise auf weitere Veröffentlichungen in einer rechten Zeitschrift haben die Kritik am designierten Thüringer Kultusminister Peter Krause (CDU) noch verstärkt. Nach Angaben des SPD-Landesvorsitzenden Christoph Matschie hat Krause 2002 zwei Texte in einem Heft der Zeitschrift "Etappe" veröffentlicht, in dem auch das Horst-Wessel-Lied - die verbotene Hymne der NSDAP - in lateinischer Übersetzung abgedruckt war. Matschie forderte Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) erneut auf, "die Notbremse zu ziehen". Nach Krauses Darstellung war die lateinische Version des Liedes dagegen eine Satire.

Krause stand schon bisher wegen seiner Tätigkeit als Redakteur bei der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit" 1998 in der Kritik. Althaus hielt bislang jedoch an der Berufung des 44-jährigen Literaturwissenschaftlers zum Minister fest. Matschie argumentierte, Krause sei "offensichtlich tiefer im Graubereich zur extremen Rechten verstrickt, als er bisher bereit ist zuzugeben".

Krause erklärte in der "Thüringischen Landeszeitung", die lateinischen Version des Nazi-Lieds sei eine Anspielung auf "die Unbildung bestimmter Leute". Er selbst habe in keinem seiner Veröffentlichungen in der "Etappe" oder der "Jungen Freiheit" ein verbotenes Zitat verwendet. "Die Texte, die ich geschrieben habe, finde ich wirklich gut, auch wenn sie nicht viele verstehen."

Hypothek im Gepäck

Der Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde, Wolfgang Nossen, bekräftigte seine Vorbehalte gegen Krause. "Ein sich so naiv gebender Mann ist als Kultusminister nicht geeignet", sagte er der "Landeszeitung". Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden, Stephan Kramer, erklärte: "Der Minister kommt mit einer großen Hypothek im persönlichen Gepäck und wird einiges tun müssen, um Glaubwürdigkeit und Vertrauen aufzubauen, wenn er das will."

Der Vizefraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Bodo Ramelow, verwies im Sender Antenne Thüringen darauf, dass ein hoher Beamter aus dem Bundesverkehrsministerium versetzt worden sei, weil er für "Etappe" geschrieben habe. "Aber in Thüringen wird ein ähnlich agierenden Mensch Minister und erhält den Ritterschlag durch den Ministerpräsidenten." Die Thüringer Grünen starteten eine E-Mail- Kampagne, mit der Althaus aufgefordert werden soll, Krause als Minister zurückzuziehen.

Quelle: n-tv.de