Politik

Zusammenstöße in der US-Hauptstadt Krawalle begleiten Trumps Amtseinführung

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Randale in in der US-Hauptstadt: Die Polizei geht mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegen teils vermummte Trump-Gegner vor.

(Foto: REUTERS)

Die Amtszeit des neuen US-Präsidenten beginnt mit Protesten: In den Seitenstraßen rund um das Weiße Haus und das Kapitol geraten vermummte Trump-Gegner mit Sicherheitskräften aneinander. Die Polizei setzt Tränengas ein. Mehrere Menschen werden festgenommen.

Am Tag der Amtseinführung Donald Trumps als US-Präsident haben gewaltsame Ausschreitungen und Zusammenstöße zwischen Trump-Gegnern und der Polizei die Zeremonien in der US-Hauptstadt Washington, D.C. überschattet. Sicherheitskräfte nahmen mehrere Demonstranten fest.

Gegner des neuen US-Präsidenten Donald Trump hätten Autos und Geschäfte beschädigt und kleine, vereinzelte Feuer gelegt, teilte die Polizei mit. Sie seien teils mit Brecheisen und Hämmern bewaffnet gewesen. Die Polizei setzte nach eigenen Angaben Pfefferspray ein. Zwei Polizisten seien leicht verletzt worden. Es habe "zahlreiche Festnahmen" gegeben. Die Zusammenstöße dauerten bis zum Abend an.

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"Nicht mein Präsident": Die Masse der Anti-Trump-Demonstrationen verläuft friedlich.

(Foto: dpa)

Die "Washington Post" berichtete von Demonstranten in Washington, die eine Luxuslimousine attackierten und vereinzelt auch Schaufensterscheiben einwarfen. Die Polizei setzte demnach am Franklin Square unweit des Weißen Hauses Reizgas ein, um die Menge zu zerstreuen.

In einem Beitrag des US-Senders ABC sind Rangeleien zwischen vermummten Demonstranten und Sicherheitskräften zu sehen. Die Zeitung "New York Times" zeigte auf Facebook Bilder von Demonstranten, die es offensichtlich darauf anlegten, die feierliche Amtseid-Zeremonie zu stören. Weiteren Berichten zufolge riefen Demonstranten "Not my president" ("Nicht mein Präsident").

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Donald Trump traf unterdessen auf den Stufen des Kapitols ein, um seinen Amtseid als 45. Präsident der USA abzulegen. Zuvor waren der scheidende Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle erschienen, außerdem Melania Trump und die Kinder Donald Trumps.

Das Programm zur Amtseinführung lag leicht hinter dem Zeitplan. Trump legte den Amtseid gegen Mittag ab: Kurz nach 12.00 Uhr (Ortszeit, 18.00 Uhr MEZ) wurde er offiziell als 45. Präsident der USA vereidigt. Zuvor wurde bereits Mike Pence als Vizepräsident eingeschworen. Hunderttausende wohnten der Zeremonie bei.

Tumulte vor dem "Trump Tower"

In New York - dem bisherigen Wohnsitz des neuen Präsidenten - kam es vor dem "Trump Tower" in Manhattan während der Amtseinführung zu Protesten und Tumulten. Mehrere Gruppen von Demonstranten versammelten sich vor dem Wolkenkratzer an der Fifth Avenue und protestierten mit Plakaten und Sprechchören gegen Trump. Eine Gruppe schaffte es, die noble Einkaufsstraße kurzzeitig zu blockieren, bis sie von einem großen Polizeiaufgebot wieder von der Straße verdrängt wurde.

"Trauer in Amerika" oder einfach nur "Nein!" stand auf den Plakaten der Demonstranten. Eine Gruppe trug einen Trump-Kopf aus Pappe, der durchgestrichen war. Zwei Frauen hielten ein Plakat, auf dem sie sich beim vorherigen Präsidenten Barack Obama bedankten. Vereinzelt mischten sich auch Trump-Befürworter unter die Menge. Schon am Vorabend der Amtseinführung hatten Tausende Menschen in New York gemeinsam mit Stars wie Alec Baldwin und Robert De Niro gegen Trump demonstriert. Für das Wochenende waren in New York und vielen anderen US-Städten weitere Proteste geplant.

"Million Women March" am Samstag

Am Tag nach der Vereidigung des neuen US-Präsidenten Donald Trump werden Hunderttausende Menschen zu einer Anti-Trump-Kundgebung in der Hauptstadt Washington erwartet. Die Demonstration (ab 16.00 Uhr MEZ) ist als "Million Women March" angekündigt und wird - wie das berühmte Vorbild aus den 1960er Jahren - über die National Mall im Herzen der US-Hauptstadt ziehen. Angekündigt haben sich unter anderem die Sängerinnen Cher und Katy Perry sowie Hollywoodstar Scarlett Johansson.

Nach Angaben der Organisatorinnen wird es im ganzen Land rund 300 weitere Demonstrationen für Frauenrechte geben. Zahlreiche Teilnehmerinnen wollen mit gestrickten pinkfarbenen Mützen mit Katzenohren erscheinen. Sie werden vom "PussyHat Project" als Zeichen gegen frauenverachtende Aussprüche Trumps propagiert.

Hillary Clinton twittert

Die im US-Präsidentschaftswahlkampf unterlegene Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, verbreitete kurz vor Trumps Amtseinführung eine Botschaft der Zuversicht. Kurz nachdem sie zu der Zeremonie in der Hauptstadt Washington eingetroffen war, war auf ihrem Twitter-Account zu lesen: "Ich bin heute hier, um unsere Demokratie und ihre beständigen Werte zu ehren. Ich werde nie aufhören, an unser Land und unsere Zukunft zu glauben."

Die Demokratin kam gemeinsam mit ihrem Mann, Ex-Präsident Bill Clinton, zur Amtseinführung Trumps vor dem Kapitol. Die 69-Jährige hatte die US-Wahl im November überraschend verloren.

Obama: "Es ging nie um uns"

Mit einem vorerst letzten Appell für den Zusammenhalt aller Amerikaner verabschiedete sich Barack Obama auf dem Militärflughafen Andrews von seinen Anhängern. Der Ex-US-Präsident sagte: "Wir waren Euer Gesicht und manchmal Eure Stimme. Es ging dabei nie um uns." Die Zuschauermenge skandierte Obamas früheren Wahlspruch: "Yes, we can!"

Von Andrews aus flogen die Obamas nach Palm Springs in Kalifornien. Erstmals blendeten sich die US-TV-Sender aus einer Rede Obamas aus und schwenkten zurück ins Kapitol für eine Live-Übertragung Präsident Donald Trumps, der dort die ersten Dokumente unterzeichnete.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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