Politik

"Ich weiß nicht, was er geraucht hat" Kubicki demontiert Döring

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Nach Rösler ist Döring der zweite Politiker aus der FDP-Spitze, den Kubicki angreift.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wolfgang Kubicki ist kein Mann leiser Töne. Jetzt schlägt der FDP-Fraktionschef aus Schleswig-Holstein wieder zu. Er attackiert seinen Generalsekretär Patrick Döring öffentlich. "Ich weiß nicht, was er geraucht hat", sagt Kubicki. Für seine Kritik an den Nebeneinkünften von Peer Steinbrück müsse sich Döring entschuldigen.

Umso länger die Sendung dauert, desto dunkler wird die Gesichtsfarbe von Wolfgang Kubicki. Doch noch kann sich der FDP-Fraktionschef im schleswig-holsteinischen Landtag beherrschen, noch hört er nur zu. Noch holt er nicht zu einem seiner berüchtigten Rundumschläge aus, bei denen er auch nicht davor zurückschreckt, Leute aus den eigenen Reihen öffentlich zu maßregeln. Doch das fällt ihm schwer. Denn Kubicki, oder vielmehr seine Partei, steht unter Beschuss: für ihr zwielichtes Verhältnis zum Thema Nebeneinkünfte.

Es ist Donnerstagabend. Maybrit Illner hat geladen. Es geht – das ist derzeit ein beliebtes Thema – mal wieder um die Nebenverdienste der Politiker. Illner hat sich eine illustre Runde zusammengestellt. Darunter ist nicht nur Kubicki, sondern auch Gregor Hackmack. Er ist Mitbegründer des Portals abgeordnetenwatch.de, das kürzlich eine Liste der Top-Nebenverdiener im deutschen Bundestag veröffentlicht hat. Bei geschätzten 60 bis 80 Stunden pro Woche lasse der Alltag eines Politikers es gar nicht zu, nebenher noch zu arbeiten, sagt Hackmack. Nur wer sein Mandat vernachlässigt, könne nebenher noch Vorträge halten und andere Tätigkeiten wahrnehmen.

Die Diskussion um die Nebeneinkünfte von Peer Steinbrück schwelt schon so lange, wie dieser als SPD-Kanzlerkandidat gehandelt wird. Doch Ende September brach sie dann richtig aus. Kaum war die Kandidaten-Kür vollzogen, rutschte Steinbrück schon in die Schlagzeilen. Die Koalitionsparteien zielten vor allem in eine Richtung: Steinbrücks üppige Honorare. Denn der ehemalige Finanzminister gilt als einer der fleißigsten Verdiener. Laut dem Ranking von abgeordentenwatch.de verdiente er neben seinen jährlichen Diäten von etwa 100.000 Euro seit Herbst 2009 auch noch mindestens 698.945 Euro mit etwa 80 Vorträgen. Das sind durchschnittlich knapp 8750 Euro pro Veranstaltung. FDP-Generalsekretär Patrick Döring bescheinigte Steinbrück vor einigen Tagen eine "knallharte Gewinnermentalität". Mit dem Gen eines ehrbaren Kaufmanns sei "dieser Hanseat nur dürftig gesegnet". Der Wahlkampf war eröffnet.

Doch die Debatte hat sich längst gedreht. Denn während die SPD Nebeneinkünfte künftig vollständig offenlegen will, droht eine Änderung der Transparenzregeln ausgerechnet an den Koalitionsparteien zu scheitern. Sind doch acht der zehn Topverdiener aus dem deutschen Bundestag Mitglieder von CDU oder CSU. "Wer im Glashaus sitzt, darf nicht mit Steinen werfen", sagt SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann.

"Ich fand es ziemlich peinlich"

Und was macht Kubicki? Der Anwalt, der nicht gerade für seine zurückhaltende Art bekannt ist, verteidigt die Nebenverdienste. Politiker würden eingeladen, weil sie attraktiv sind, weil Veranstaltungen sonst nicht so gut besucht wären. "Zu glauben, ein Politiker wird bezahlt und damit werden Gesetze im deutschen Bundestag in Gang gebracht, der kennt das parlamentarische Leben nicht."

Und dann redet sich Kubicki in Rage – und opfert seinen eigenen Generalsekretär. "Ich fand es ziemlich peinlich von Patrick Döring sich öffentlich so zu äußern", sagt er und legt noch einen echten Kubicki-Satz nach: "Ich weiß nicht, was er geraucht hat, aber für die Vertreter einer liberalen Partei ist es geradezu unerhört, sich darüber zu äußern, dass jemand für seine Tätigkeiten, in die er ja auch seine Persönlichkeit einbringt, Geld bekommt. Das ist wirklich unglaublich". Er fände es schön, wenn Döring sich bei Steinbrück "öffentlich entschuldigen" würde.

Döring war übrigens seit Herbst 2009 auch nicht ganz untätig. Mit seinen Nebeneinkünften belegt er - als einziger FDP-Politiker unter den Spitzenverdienern - den neunten Platz. Und Kubicki? Als Landtagsabgeordneter muss er derzeit bisher nicht öffentlich machen, wie viel Geld er hinzuverdient. Doch seine Ambitionen, im kommenden Jahr für den Bundestag zu kandidieren, sind bekannt. "Wenn ich mir das hier so anhöre, muss ich mir das nochmal überlegen", sagt er zu Illner und erntet Lacher. Und wieder spricht Kubicki aus, was andere nur zu denken wagen. "Wenn es nach mir ginge, wäre ich an der ersten Stelle der Rangliste."

Quelle: ntv.de

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