Politik

Wohl neuer Rekord im Mittelmeer Küstenwache zählt mehr als 4000 Flüchtlinge

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Nur wenige Kilometer vor Libyen rettet die deutsche Marine Bootsflüchtlinge aus dem Meer.

(Foto: dpa)

Es ist vermutlich ein trauriger Rekord: Alleine am Freitag greifen Helfer insgesamt 4200 Flüchtlinge im Mittelmeer auf. Die meisten von ihnen überleben die Reise, 17 sterben. Für Kritiker der EU-Flüchtlingspolitik belegen diese Zahlen, dass es Zeit ist, zu handeln.

Im Mittelmeer sind am Freitag mehr als 4000 in Seenot geratene Flüchtlinge gerettet worden. Rund 4200 Flüchtlinge seien bei den Einsätzen im Rahmen der Mission der EU-Grenzschutzagentur Frontex gerettet worden, erklärte die italienische Küstenwache. Nach Angaben der italienischen Marine wurden zudem 17 Leichen geborgen. Neben italienischen waren auch deutsche und irische Marineschiffe an den Einsätzen beteiligt.

Die Küstenwache konnte nicht sagen, ob es sich bei der Zahl der Geretteten vom Freitag um einen Rekord für einen einzelnen Tag handelte. Es ist jedoch die bislang höchste Zahl in diesem Jahr. 3791 Menschen waren am 12. April im Mittelmeer gerettet worden, 3690 Menschen waren es am 2. Mai.

Laut der italienischen Küstenwache, die die Einsätze koordinierte, gingen am Freitag von 22 Booten Notrufe ein. Die meisten der Boote seien nahe der libyschen Küste unterwegs gewesen, einige andere hätten sich vor Süditalien befunden. Die Such- und Rettungseinsätze dauerten bis zum Freitagabend. Die Bundeswehr erklärte, die Fregatte "Hessen" habe 590 Schiffsbrüchige an Bord genommen, darunter auch 15 Kinder.

Verantwortung liegt bei ziviler Schifffahrt

Die 17 Leichen wurden laut italienischer Marine auf drei Schlauchbooten entdeckt, von denen auch mehrere hundert Flüchtlinge lebend gerettet werden konnten. Zur Todesursache der 17 Menschen konnte die Marine zunächst keine Angaben machen. Regelmäßig sterben Flüchtlinge aber an Dehydrierung, Kälte oder Hitze, andere ersticken in den Booten, ertrinken oder werden Opfer von Gewalt während der strapaziösen Überfahrt.

Seit Beginn des Jahres trafen bereits mehr als 40.000 Flüchtlinge in Italien ein. Viele von ihnen flohen vor dem Bürgerkrieg in Syrien oder vor Armut und Unterdrückung in Eritrea. Über 1770 Menschen starben bei dem Versuch, über das Mittelmeer Europa zu erreichen.

Unterdessen beklagte die Linken-Politikerin Ulla Jelpke, dass zivile Handelsschiffe zuletzt vor der libyschen Küste deutlich mehr Flüchtlinge retteten als Schiffe der "Triton"-Mission von Frontex. Zwischen November 2014 und Ende April 2015 seien zivile Handelsschiffe in internationalen Gewässern vor Libyen an der Rettung von 18.963 Menschen in Seenot beteiligt gewesen, erklärte die Politikerin unter Berufung auf eine Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linksfraktion. Frontex-Schiffe seien an der Rettung von 1710 Menschen beteiligt gewesen.

Diese Zahlen belegten, wie "dringend und überfällig" eine Mandatserweiterung von Frontex sei, erklärte Jelpke. Es sei "unverantwortlich", die Seenotrettung zivilen Handelsschiffen zu überlassen. Diese seien für die Rettungseinsätze nicht ausreichend ausgestattet.

Quelle: n-tv.de, jog/AFP

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