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Stuttgarter Rathaus könnte grün werden Kuhn geht als Favorit ins Rennen

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Die Stuttgarter könnten mit Kuhns Wahl erneut Geschichte schreiben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart läuft die entscheidende zweite Runde. Favorit ist der frühere Grünen-Parteichef Fritz Kuhn. Er muss sich dem parteilosen Sebastian Turner stellen, der von CDU, FDP und Freien Wählern unterstützt wird. Er liegt gerade mal zwei Prozentpunkte hinter Kuhn. Für den Grünen sprach die SPD eine Wahlempfehlung aus.

Die Grünen haben heute gute Chancen, die knapp vier Jahrzehnte währende Vorherrschaft der CDU auf dem Oberbürgermeisterposten in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart zu brechen. Favorit ist der frühere Grünen-Parteichef Fritz Kuhn. Insgesamt haben sich neun Kandidaten der Stichwahl gestellt.

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Turner geht aber nicht ganz aussichtslos ins Rennen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kuhn holte beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen mit 36,5 Prozent die meisten Stimmen. Damit verfehlte er zwar die nötige absolute Mehrheit, setzte sich aber klar gegen den parteilosen Werbefachmann Sebastian Turner durch, der als Kandidat von CDU, FDP und Freien Wählern auf 34,5 Prozent kam. Nach ihrer Wahlschlappe trat die der SPD nahestehende Kandidatin Bettina Wilhelm zum zweiten Wahlgang nicht mehr an, in dem die einfache Mehrheit reicht.

In Baden-Württemberg stellen die Grünen bereits seit Jahren in den großen Universitätsstädten Tübingen und Freiburg die Oberbürgermeister. Vor drei Jahren eroberte die Partei, deren erster Landesverband sich 1979 im Ländle gründete, das Stuttgarter Stadtparlament und löste die CDU dort als stärkste Kraft ab. 2011 wurde Kuhns Parteifreund, Winfried Kretschmann, als erster grüner Ministerpräsident in Deutschland vereidigt, der seitdem die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg führt.

Von Stuttgart nach Berlin und zurück

Sollte Kuhn die Wahl gewinnen, würde er nach zwölf Jahren in Berlin nach Stuttgart zurückkehren. Zwar wurde er im Norden Baden-Württembergs geboren und wuchs im bayerischen Memmingen auf, doch gerne betont der 57-Jährige, dass er gerade Stuttgart "viel zu verdanken" habe. Dort saß er in den 1980er und 1990er Jahren als Chef der Grünen-Fraktion im Landtag. Von dort aus startete er seine Berliner Karriere und wurde Bundesvorsitzender seiner Partei, dann Bundestagsabgeordneter, später Fraktionschef im Bundestag.

Die Union muss die dritte Niederlage in vier Jahren gegen die Grünen fürchten. Im Stuttgarter Gemeinderat hatte die CDU 34 Jahre lang die stärkste Fraktion gestellt. Seit 2009 aber ist die größte Fraktion grün. 2011 löste eine grün-rote Landesregierung unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) Schwarz-Gelb ab. Und nun könnte auch das Stuttgarter Rathaus verloren gehen, dessen Chef seit 1974 stets ein CDU-Parteibuch besaß.

Erinnerungen an 1996

Letztere Sorge trieb die CDU schon einmal um. Bei der Oberbürgermeisterwahl 1996 lagen der spätere Sieger Wolfgang Schuster (CDU) und der Grüne Rezzo Schlauch dicht beieinander. Schlauch scheiterte im zweiten Wahlgang knapp, allerdings weniger an Schuster als an der SPD, deren Kandidat trotz aussichtsloser Position im zweiten Durchgang antrat. Dem Grünen gingen dadurch wichtige Stimmen verloren.

An Schlauchs Seite kämpfte damals Fritz Kuhn. Dasselbe Schicksal wie sein Parteifreund wird ihn nicht ereilen, denn die Bewerberin der SPD zog ihre Kandidatur diesmal nach dem ersten Wahlgang zurück und sprach sogar eine Wahlempfehlung aus - für Fritz Kuhn.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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