Politik

Zugunglück von Brühl Lokführer weist Schuld zurück

Im Prozess um das Zugunglück von Brühl hat der angeklagte Lokführer jede strafrechtliche Schuld bestritten. In seiner persönlichen Erklärung, die am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht Köln verlesen wurde, hieß es, er sei davon überzeugt, dass die Signalgebung auf der Unfallstrecke eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern erlaubt hätte.

Zugleich schrieb er: "Ich würde mein Leben dafür geben, das Unglück ungeschehen machen zu können." Persönlich wollte sich der Lokführer, der auf der Anklagebank von einem Psychologen betreut wurde, nicht äußern. Seit dem Unglück habe er das Gefühl, dass sein Leben sinnlos geworden sei, hieß es weiter in seiner Erklärung.

Widersprüchliche Informationen

Zwei der drei außerdem angeklagten Bahnmitarbeiter räumten ein, der Lokführer habe vor dem Unglück am 6. Februar 2000 zum Teil widersprüchliche Informationen bekommen. Ein mitangeklagter Sachbearbeiter sagte, dass in der von ihm verfassten Langsam-Fahranweisung für die Unglücksstrecke eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern eingetragen gewesen sei. Trotz eines Hinweises eines Vorgesetzten, dies könne die Lokführer irritieren, habe er keine Berichtigung geschrieben.

Vielmehr habe er darauf vertraut, dass der Lokführer ein Ersatzsignal, das eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern vorschrieb, beachten würde. Zudem sollte die Fahrdienstleitung die Lokführer möglichst per Zugfunk warnen. Der Funk war jedoch zum Zeitpunkt des Unglücks gestört.

Fahrlässige Tötung in neun Fällen

Staatsanwalt Jürgen Krautkremer warf den vier Bahnbediensteten in seiner Anklageschrift fahrlässige Tötung in neun Fällen sowie fahrlässige Körperverletzung vor. Der Lokführer des Nachtexpress Amsterdam-Basel sei im Bahnhof Brühl in einer Baustelle mit 122 Stundenkilometern über eine Weiche gerast, obwohl ein Signal eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern vorgeschrieben habe. Die drei Mitangeklagten sollen durch fehlerhafte Anweisungen und den Verzicht auf den Einbau von Sicherheitssystemen das Unglück mitverschuldet haben.

Beim Entgleisen des Zugs starben neun Menschen, 149 Reisende wurden verletzt. Wie der Vorsitzende Richter Heinz Kaiser sagte, hat die Deutsche Bahn AG nach dem Unglück an die Hinterbliebenen der Opfer jeweils 30.000 DM Schmerzensgeld gezahlt. Einschließlich der Sachleistungen seien bislang mehr als acht Mio. DM an die Opfer gezahlt worden.

Quelle: n-tv.de