Politik

Der Kriegstag im Überblick Lukaschenko wirft Kiew Raketenbeschuss vor - Ukraine sieht Taktikwandel beim Kreml

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Wohnhäuser beschießen und warten, dass der Westen die Ukraine zur Aufgabe zwingt: Kiew unterstellt Moskau eine perfide neue Kriegsstrategie.

(Foto: REUTERS)

Die Regierung in Kiew glaubt, dass russische Truppen inzwischen ganz gezielt Wohnviertel beschießen. Der britische Geheimdienst sieht darin ein Zeichen, dass dem Kreml-Militär moderne Marschflugkörper ausgehen. Der belarussische Machthaber Lukaschenko behauptet Raketenbeschuss aus der Ukraine, Hamburg bereitet die Bürger auf kalte Duschen vor. Der 128. Kriegstag im Überblick.

Kiew: Druck auf westliche Politiker soll steigen

Gut vier Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs sieht der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak eine veränderte Kriegsführung der russischen Armee. "Es ist eine neue Taktik Russlands: Wohnviertel zu attackieren und Druck auf westliche politische Eliten auszuüben, um die Ukraine zu zwingen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen", sagte Podoljak laut verschiedener Medien. Moskau nehme keine Rücksicht darauf, wie die Welt auf "unmenschliche Angriffe" mit Marschflugkörpern auf Wohnviertel reagiere. Diese Taktik werde aber nicht aufgehen.

London: Russland gehen moderne Raketen aus

Nach britischer Einschätzung muss Russland bei seinen Angriffen in der Ukraine zunehmend auf ungenaue Raketen zurückgreifen. Grund sei vermutlich, dass die Vorräte an modernen, zielgenauen Waffen schwinden, teilte das Verteidigungsministerium in London mit. Das Einkaufszentrum in der ostukrainischen Stadt Krementschuk sei sehr wahrscheinlich von einer Rakete des Typs Ch-32 getroffen worden, hieß es unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse. Dabei handele es sich um eine Weiterentwicklung der sowjetischen Rakete Ch-22, die aber nicht dafür optimiert sei, Bodenziele genau zu treffen.

Bei Angriffen auf das südwestukrainische Gebiet Odessa am 30. Juni seien vermutlich Raketen vom Typ Ch-22 eingesetzt worden. "Diese Waffen sind sogar noch ungenauer und ungeeignet für zielgenaue Angriffe und haben in vergangenen Wochen so gut wie sicher zu wiederholten zivilen Opfern geführt", hieß es weiter.

Lukaschenko will ukrainische Raketen abgefangen haben

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko warf der Ukraine Raketenangriffe auf sein Land vor. "Vor rund drei Tagen, vielleicht mehr, wurde von der Ukraine aus versucht, militärische Ziele in Belarus anzugreifen", sagte Lukaschenko laut der staatlichen Nachrichtenagentur Belta. "Gott sei Dank haben unsere Luftabwehrsysteme alle Raketen abgefangen, die von den ukrainischen Truppen abgefeuert wurden", sagte er demnach.

Gegenoffensive in Charkiw

Im Osten der Ukraine setzte Russland nach Angaben aus Kiew seine Angriffe auf breiter Front fort. Im Raum Charkiw versuche die russische Armee, mit Unterstützung der Artillerie verlorene Positionen zurückzuerobern, teilte der ukrainische Generalstab mit. Zahlreiche Orte würden beschossen, um die ukrainische Armee dort zu binden.

In der Region Donezk sei eine russische Attacke abgewehrt worden, hieß es. Aus dem Raum Awdijiwka werden russische Luftangriffe gemeldet. Im Schwarzen Meer wiederum blockiere Russland weiterhin die Seeverbindungen der Ukraine.

Explosionen in Mykolajiw

Die südukrainische Stadt Mykolajiw wurde von schweren Explosionen erschüttert. Kurz vor den Detonationen ertönten Alarmsirenen in der Region. Bürgermeister Olexander Sjenkewytsch rief die Bewohner über den Messengerdienst Telegram dazu auf, in den Schutzräumen zu bleiben.

Unklare Gefechtslage in Lyssytschansk

Erfolgsmeldungen pro-russischer Kämpfer über eine vollständige Umzingelung von Lyssytschansk wies die ukrainische Armee zurück. Es gebe zwar heftige Kämpfe um die in der Region Luhansk gelegene Stadt, sagt ein ukrainischer Armeesprecher im Fernsehen. Lyssytschansk sei "aber nicht eingekesselt und weiter unter Kontrolle der ukrainischen Armee".

Zwei weitere Briten gefangen

Großbritannien protestierte nach Berichten über die Gefangennahme zweier weiterer Briten im Osten der Ukraine gegen die Behandlung Kriegsgefangener durch Russland. "Wir verurteilen die Ausbeutung von Kriegsgefangenen und Zivilisten für politische Zwecke und haben dies gegenüber Russland angesprochen", teilte das Außenministerium in London auf Anfrage mit. "Wir stehen in ständigem Kontakt mit der ukrainischen Regierung wegen der Fälle und unterstützen die Ukraine vollumfänglich dabei, sie freizubekommen." Zuvor hatte die russische Staatsagentur Tass unter Berufung auf prorussische Separatisten gemeldet, dass zwei Briten wegen "Söldneraktivitäten" angeklagt worden seien.

Deutsche Abhängigkeit von russischem Öl wohl größer

Deutschland ist einem Bericht zufolge noch deutlich abhängiger von russischem Rohöl als von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck kürzlich angegeben. Aus einer Antwort von Habecks Ministerium auf eine CDU-Anfrage ging hervor, dass im Mai 27,8 Prozent des von Deutschland importierten Rohöls aus Russland stammten, berichtete die "Welt". Habeck hatte Ende April gesagt, der Anteil habe zu diesem Zeitpunkt bei nur noch zwölf Prozent gelegen. Das Wirtschaftsministerium erklärte dem Bericht zufolge die Diskrepanz zwischen der Aussage des Ministers und der tatsächlichen Zahl damit, dass ölimportierende Unternehmen zum damaligen Zeitpunkt signalisiert hätten, aus bestehenden Verträgen mit russischen Lieferanten kurzfristig aussteigen zu können, sollte Russland Lieferungen stoppen oder ein komplettes Embargo erlassen werden.

Hamburg: Kein Warmwasser bei Gasmangel

Der Hamburger Umweltsenator Jens Kerstan kündigt für den Fall eines Gas-Notstandes eine Begrenzung der Warmwasser-Mengen für private Haushalte an. "In einer akuten Gasmangellage könnte warmes Wasser in einem Notfall nur zu bestimmten Tageszeiten zur Verfügung gestellt werden", sagte der Grünen-Politiker der "Welt". Auch eine Absenkung der maximalen Raumtemperatur im Fernwärmenetz käme in Betracht. Es werde in Hamburg aus technischen Gründen nicht überall möglich sein, bei einer Gas-Mangellage zwischen gewerblichen und privaten Kunden zu unterscheiden, sagte Kerstan.

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Quelle: ntv.de, mau/dpa/rts

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