Politik

Beruf, Familie, Emanzipation Migranten sind gar nicht anders

Eine Umfrage widerlegt häufig herrschende Vorurteile gegenüber Migranten: Etwa, dass Bürger mit muslimischem Hintergrund ein konservativeres Frauenbild vertreten würden. Bei der Frage, wessen Aufgabe das Putzen, Kochen und die Erziehung der Kinder sei, zeigen sich die Deutschen sogar konservativer als viele Migranten.

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Kopftuch heißt nicht gleich konservativ.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Fragen von Familie und Beruf zeigen sich Migranten stärker in Deutschland integriert als oft angenommen. Laut einer von der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh veröffentlichten Studie gibt es zwischen Bürgern mit oder ohne Migrationshintergrund "mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes". Die Karriereorientierung ist bei Migranten eher stärker ausgeprägt, große Übereinstimmung gibt es zum Beispiel beim Mutterbild.

Berufstätige Migranten sind laut der tns-Emnid-Umfrage für die Bertelsmann-Stiftung sogar karriereorientierter als deutschstämmige Befragte. Insgesamt 89 Prozent von ihnen sagen demnach "Ich möchte beruflich weiterkommen"; 57 Prozent stimmen dem sogar "stark" zu. Von den Berufstätigen ohne Migrationshintergrund sind es lediglich 45 Prozent. Insbesondere junge Migranten seien stark leistungs- und erfolgsorientiert.

Männer mit Migrationshintergrund sind mit einem Anteil von 86 Prozent prinzipiell stärker am beruflichen Weiterkommen interessiert sind als Männer ohne ausländische Wurzeln. Frauen mit Migrationshintergrund scheinen noch ehrgeiziger zu sein. Während 84 Prozent von ihnen angeben, beruflich weiterkommen zu wollen, sagen das bei den Frauen ohne Migrationshintergrund nur 64 Prozent.

Kaum Unterschiede beim Mutterbild

Beim Mutterbild gibt es kaum Unterschiede. Die Vorstellung einer dauerhaft nichtberufstätigen Mutter, die ihre Kinder zu Hause erzieht, lehnen insgesamt sieben von zehn Befragten ab. Die Ablehnung ist sogar unter Menschen mit ausländischen Wurzeln (74 Prozent) größer als unter Bürgern ohne Migrationshintergrund (70 Prozent). Entgegen gängiger Klischees erteilen auch 70 Prozent der Bürger aus muslimisch geprägten Ländern diesem Mutterbild eine klare Absage.

Auch die Arbeit im Haushalt ist unabhängig von der Herkunft der Befragten nicht allein Frauensache. Zwar gibt fast die Hälfte der Bevölkerung an, dass Haushalt, Kindererziehung und Pflege von Angehörigen "überwiegend" oder "fast ausschließlich" in den Händen der Frau liegt. Immerhin ein Drittel sagt jedoch, dass die häuslichen Arbeiten zu gleichen Teilen von beiden Partnern verrichtet werden. Dies gilt auch für Menschen mit Migrationshintergrund. Entgegen den landläufigen Vorurteilen sehen hier 41 Prozent der Männer Hausarbeit als gemeinsame Aufgabe an; bei Nichtmigranten sind es 35 Prozent.

Die Ergebnisse der Studie widerlegen nach Ansicht der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann-Stiftung, Liz Mohn, "Vorurteile über Menschen aus anderen Herkunftsländern in der deutschen Gesellschaft." Für die Studie befragte tns-Emnid vom 9. November bis 3. Dezember 896 Menschen ohne und 1001 Menschen mit Migrationshintergrund.

Quelle: ntv.de, AFP