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Blutiger Gewaltausbruch Militär im Sudan kündigt Neuwahlen an

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Die Opposition spricht von einem "blutigen Massaker":

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Sudan können sich Militär und Opposition nicht auf die Bildung einer Übergangsregierung einigen. Die anhaltenden Proteste versuchen die Streitkräfte mit Gewalt aufzulösen. Nun gibt der Militärrat nach und verspricht baldige Neuwahlen.

Die Militärführung im Sudan hat Medienberichten zufolge Neuwahlen binnen einiger Monate angekündigt. Diese sollten von regionalen sowie internationalen Beobachtern durchgeführt und überwacht werden, sagte der Anführer des militärischen Übergangsrates, Abdel Fattah Burhan, nach Angaben der Nachrichtenseite "Sudan Tribune".

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In seiner Rede am frühen Morgen sprach Burhan von Wahlen binnen neun Monaten, in einer schriftlichen Fassung von sieben Monaten, wie es in dem Bericht weiter hieß. Darüber hinaus habe er alle bisher getroffenen Vereinbarungen mit der Opposition über eine Übergangsregierung aufgekündigt. 

Nach der gewaltsamen Auflösung eines Protestlagers durch das Militär zu Wochenbeginn stieg die Zahl der Toten auf mindestens 35, wie ein Ärzteverband mitteilte. Hunderte seien verletzt worden, viele von ihnen befänden sich in kritischem Zustand, teilten die Mediziner mit. Die genaue Anzahl der Opfer sei unklar, da bewaffnete Sicherheitskräfte Krankenhäuser umstellten und Ärzte festnähmen, hieß es.

Angesichts des blutigen Gewaltausbruchs gegen die Demonstranten beantragten Deutschland und Großbritannien am Montagabend eine dringliche Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats. Diese solle laut Diplomatenkreisen am Nachmittag hinter geschlossenen Türen stattfinden. Dabei dürfte es vor allem darum gehen, wie die Staatengemeinschaft die Zivilgesellschaft im Sudan bei ihren Bemühungen um einen friedlichen Machttransfer unterstützen kann.

Militärrat will Vorfälle untersuchen

Burhan kündigte in seiner Rede eine Untersuchung der Vorfälle an, wie "Sudan Tribune" berichtete. Das Gewerkschaftsbündnis SPA, die Organisatoren der anhaltenden Massenproteste im Sudan, hatte von einem "blutigen Massaker" an Demonstranten gesprochen. Es sei versucht worden, mit Gewalt die seit Wochen andauernde Sitzblockade im Zentrum der Hauptstadt Khartum aufzulösen, hatte das Gewerkschaftsbündnis getwittert.

Nach drei Jahrzehnten an der Macht war Sudans Präsident Omar al-Baschir im April von den Streitkräften gestürzt worden. Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen. Seitdem ringen das Militär und die Opposition um die Bildung einer Übergangsregierung. Die Verhandlungen waren kürzlich zusammengebrochen, da sich beide Seiten nicht darauf einigen konnten, wer die Regierung leiten sollte. Die Sitzblockade in Khartum, die maßgeblich zum Sturz Al-Baschirs beigetragen hatte, wurde auch nach dem Putsch weiter fortgeführt.

Der große Flächenstaat im Nordosten Afrikas gehört zu den 25 ärmsten Ländern der Welt. Der Sudan mit seinen 41 Millionen Einwohnern steckt in einer schweren Wirtschaftskrise.

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Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

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