Politik

Erniedrigung und Gewalt Ministerin feuert Bundeswehr-Chefausbilder

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Von der Leyen bei einem Besuch beim 1. Korvettengeschwader der Bundeswehr in Rostock vergangene Woche.

(Foto: dpa)

In den Ausbildungskommandos der Bundeswehr geht es nicht zimperlich zu. Weil einigen Fällen von Misshandlungen und verbaler Gewalt nur halbherzig nachgegangen wurde, zieht Verteidigungsministerin von der Leyen nun Konsequenzen.

Die schleppende Aufklärung von Missbrauchsfällen bei der Bundeswehr hat personelle Konsequenzen. Wie der "Spiegel" berichtet, hat Ministerin Ursula von der Leyen entschieden, den Chef des Ausbildungskommandos des Heeres von seinem Posten abzusetzen.

Hintergrund für die Absetzung von Generalmajor Walter Spindler ist ein bisher unbekannter Fall von Verfehlungen durch Ausbilder in einer Bundeswehrkaserne im thüringischen Sondershausen, denen das Ausbildungskommando aus Sicht des Ministeriums nicht energisch genug nachgegangen war.

Ähnliche Vorwürfe gegen das Ausbildungskommando gab es bereits nach den Vorfällen in Pfullendorf. Auch dort wurden die Beschwerden einer Soldatin vom Ausbildungskommando über Monate verschleppt. Erst als sie sich direkt an Ministerin von der Leyen wandte, nahmen die Ermittlungen Fahrt auf.

Dauerlauf bis zum Zusammenbruch

Im Fall Sondershausen hatten sich Soldaten bereits seit Mai 2016 über zwei Hauptfeldwebel beschwert, da diese ihre Schüler regelmäßig verbal erniedrigt und zu Strafmaßnahmen wie langen Dauerläufen gezwungen hatten. An dem Standort werden Unteroffiziersanwärter der Bundeswehr ausgebildet.

Ab Mai 2016 beschwerten sich mehrere Soldaten beim Wehrbeauftragten des Bundestags. So soll einer der Hauptfeldwebel geschrien haben, der "genetische Abfall" müsse "endlich aussortiert" werden - gemeint waren die Anwärter. Andere Soldaten meldeten, sie seien zu kilometerlangem Dauerlauf, teilweise bis zum Zusammenbruch, gezwungen worden.

Das zuständige Ausbildungskommando von General Spindler war den Vorwürfen nach Meinung des Ministeriums nur schleppend nachgegangen. Erst nach einer Rüge durch die Leitung des Heeres wurden die beiden Hauptfeldwebel Anfang 2017 von ihren Posten versetzt. Sie müssen sich wegen der Vorwürfe nun vor einem Truppengericht verantworten.

Das Ausbildungskommando in Leipzig soll nach der Absetzung von Spindler in Zukunft durch Brigadegeneral Norbert Wagner geführt werden. Er ist derzeit als Chef des Ausbildungszentrums in Munster.

Quelle: n-tv.de, nsc