Buch über Medienmogul BolloréMischt "rechte Hand Gottes" Frankreichs Wahlen auf?
Von Andrea Affaticati
Er war der Mann hinter dem rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten Éric Zemmour. Im April könnte der erzkonservative Milliardär Vincent Bolloré erneut versuchen, die Macron-Nachfolge in seinem Sinne zu beeinflussen. Ein neu erschienenes Buch über den Medienmagnaten regt Bolloré mächtig auf.
Wer der Meinung ist, die Trennung von Politik und Religion sei selbstredend eine Errungenschaft der westlichen Welt, wird in diesen Zeiten immer wieder eines Besseren belehrt. Beispielhaft sind nicht nur die mit KI kreierten Bilder des US-Präsidenten, der sich als Jesus darstellt. Nicht KI-generiert, obwohl noch absurder ist das Realgeschehen im Oval Office: Die Szene etwa, als enge Mitarbeiter von Donald Trump ihm betend die Hände auf die Schulter legen, als wäre er der Heiland.
Auch Frankreich, das Land, von dem aus die Säkularisierung ihren Lauf genommen hat, ist gegen christlichen Fundamentalismus nicht immun. Anfang September ist das investigative Buch "La droite de Dieu - Vincent Bolloré, un milliardaire en mission", ("Die Rechte Gottes - Vincent Bolloré ein Milliardär auf Mission) erschienen. Geschrieben haben es Clément Lacombe und Camille Vigogne Le Coat, beide Journalisten der linksprogressiven Wochenzeitung "Le Nouvel Obs". Die zwei Themen, mit denen sich die Buchautoren besonders beschäftigen, sind das Medienimperium Vivendi und sein geistlicher Mentor.
International gilt der 74-jährige Bolloré weiter als einer der gefürchtetsten Investoren Frankreichs, wenngleich er 2022 die börsennotierte Familienholding an seine Kinder überschrieben hat. Hinter den Kulissen sei es aber noch immer er, der die Fäden zieht, heißt es in den französischen Medien. Vor allem was den Medienkonzern Vivendi betrifft, zu dem die TV-Sender CNews und Canal+ gehören, sowie Radio Europe1, die Zeitung "Le Journal du Dimanche" und der Hachette Verlag. Die Bolloré Holding ist Hauptaktionär des Konzerns.
Im Namen der Re-Christianisierung
Zu Hause in Frankreich steht Bolloré auch wegen seiner politischen Orientierung und seiner Islamphobie immer wieder im Fokus. Kritiker beschreiben ihn als katholischen Integristen, also jemand, der die Unterordnung des Staates unter die katholische Lehre fordert - eine Darstellung, die er selbst von sich weist. Der Medienmagnat sieht sich vielmehr als "christlichen Demokraten", der für die Rettung Frankreichs kämpft.
Im Mai hat er eine Gruppe Gleichgesinnter in seinen erst 2025 eingerichteten Think Tank namens Institut de l'Espérance eingeladen und diesen sein Manifest vorgestellt. Dessen Tenor, laut Medienberichten: "Das, was uns eint, ist der Kampf für Christus". Das Manifest hat Bolloré trotz wiederholter Versprechen bis heute nicht veröffentlicht, heben die Buchautoren hervor.
Bollorés Aussagen zufolge gehe es in diesem um Maßnahmen, die den Franzosen Kaufkraft, Sicherheit und Freiheit zurückgeben werden. Den bisher durchgesickerten Abschnitten nach scheint der Text aber vielmehr bekannte identitäre Themen zu adressieren: weniger Migranten, raus aus dem gemeinsamen europäischen Wirtschaftsraum, nein zum EU-Klimaprogramm Green Deal, Moratorium für erneuerbare Energien und 100 Prozent Kernenergie.
Ferner soll sich das Manifest gezielt an Katholiken richten. Neben dem Thema der Re-Christianisierung geht es um die Abschaffung der künstlichen Befruchtung, die seit 2021 von den gesetzlichen Krankenkassen gedeckt wird, auch im Fall von Alleinlebenden und Frauenpaaren, sowie um die Abschaffung des erst diesen August verabschiedeten Sterbehilfegesetzes.
Medienflüsterer und ...
Im Buch erfährt man weiter, wie sich Bolloré in die Inhalte seiner Medien einmischt. Per Video zum Beispiel in die Redaktionskonferenzen des TV-Senders CNews und des "Journal du Dimanche". "Jeder Themenvorschlag, jedes Titelbild wird dem großen Boss unterbreitet, der entweder zustimmt oder es streicht." Wobei Bolloré noch im März vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss versichert hatte, sich nicht in die Inhalte einzumischen.
Wer weiß, vielleicht hofft er auch für die anstehende Präsidentschaftswahl wieder ein Zugpferd wie 2022 zu finden. Damals war es Éric Zemmour, Autor, Journalist und Gründer der rechtsradikalen Partei Reconquête. Auch dieser hat sich zur Aufgabe gemacht, Frankreich aus den Fängen der zugewanderten Araber und der Islamisierung zu befreien. In seiner früheren Rolle als politischer Kommentator hatte Zemmour bis 2021 eine Sendung auf CNews moderiert. Außerdem ist er wegen seiner rassistischen Aussagen wiederholt verurteilt worden. Zemmour scheiterte 2023 recht deutlich im ersten Wahlgang, forderte aber Le Pen von rechts heraus, was nicht eben zu einer Beruhigung der aufgeheizten Debatten führte.
... großzügiger Spender
Und dann ist da Bollorés religiöses Netzwerk, in dem vor allem eine Bekanntschaft als fragwürdig erscheint: Es geht um den betagten Pater Gabriel Grimaud. Sein Name kommt auch in der gigantischen Ermittlungsoperation über sexuellen Missbrauch vor, die Frankreichs katholische Kirche hat durchführen lassen.
Die Autoren schreiben dazu: "In den letzten dreißig Jahren war Pater Gabriel Grimaud der Priester, der Vincent Bolloré begleitet hat. Dieser strenge 77-jährige Mann wurde seit den 1980er Jahren mehrfach des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Der bretonische Geschäftsmann hat ihm jedoch nie sein Vertrauen entzogen und auch nicht die Verantwortung für das Jean-Bosco-Haus in Paris, in dem er mit Studenten zu tun hat, die gerade erst volljährig sind." Im Gegenteil. Bolloré hat die aus dem Jahr 1876 stammende Anlage gekauft und für 100 Millionen Euro sanieren und restaurieren lassen. Er selbst soll mehrmals die Woche in die Kapelle des Jean-Bosco-Hauses kommen, um zu beten.
Auf das Buch über ihn reagierte Bolloré äußerst irritiert. Dessen Inhalt stempelte er auf X als "giftigen Müll" ab. Das Ziel der Autoren sei es "jene zu diskreditieren, die sich der kleinen Kaste widersetzen, die dieses Land regiert", beklagte er. Wen er bei der Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 unterstützen wird, bei denen Emmanuel Macron nicht mehr antritt, ob Marine Le Pen oder jemand anderen, hat Bolloré derweil noch nicht verraten. Aber vielleicht findet sich unter den Journalisten von Vivendi noch ein zweiter Zemmour.
