Politik

Bei Luftangriff in Afghanistan NATO tötet angeblich 12 Kinder

Bei einem Luftangriff der NATO in der südafghanischen Provinz Helmand werden nach Angaben der örtlichen Behörden 14 Zivilisten getötet. Darunter sollen 12 Kinder sein. Ein ISAF-Sprecher erklärt, der Vorfall werde untersucht. Gleiches gilt für einen vorhergehenden Luftschlag, der erst jetzt bekannt wird.

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Startendes US-Kampfflugzeug (Archiv).

(Foto: picture-alliance / dpa)

Bei einem NATO-Luftangriff in der südafghanischen Provinz Helmand sind nach Angaben der Provinzregierung 14 Zivilisten getötet worden, darunter zwölf Kinder. Der Sprecher des Provinzgouverneurs, Daud Ahmadi, sagte, bei dem Bombardement in der Nacht zu Sonntag seien fünf Mädchen, sieben Jungen und zwei Frauen ums Leben gekommen. Drei Kinder, eine Frau und zwei Männer seien verletzt worden. US-Truppen seien zunächst von Taliban-Kämpfern beschossen worden und hätten um Luftunterstützung gebeten. Die NATO-Flugzeuge hätten daraufhin zwei Wohnhäuser mit Zivilisten bombardiert.

Ein Sprecher der Internationalen Schutztruppe ISAF erklärte, man kenne die Vorwürfe über angebliche zivile Opfer. Die ISAF untersuche den Vorfall. Zivile Opfer bei NATO-Angriffen sorgen für zunehmenden Unmut in der afghanischen Regierung und Bevölkerung.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hatte das Verteidigungsministerium erst am Samstag angewiesen, Angriffe ausländischer Truppen zu verhindern, die nicht mit den Afghanen koordiniert sind. Das Ministerium soll nach der Direktive außerdem die gezielten nächtlichen Operationen von US-Spezialeinheiten - sogenannte Night Raids - unter seine Kontrolle bringen. Die Anordnung Karsais dürfte zu Spannungen mit der NATO führen.

Angeblich 38 Tote in Nuristan

Bei einem weiteren Luftschlag der NATO waren in der ostafghanischen Provinz Nuristan nach Angaben des Gouverneurs "versehentlich" 18 Zivilisten und 20 Polizisten getötet worden. Der Gouverneur, Dschamaluddin Badr, erklärte, zu den Opfern in der Zivilbevölkerung und unter der Polizei sei es bereits am Donnerstag gekommen. Taliban hätten Dorfbewohner als menschliche Schutzschilde missbraucht und von Wohnhäusern aus auf afghanische und ausländische Truppen geschossen.

Badr sagte weiter, Polizisten seien im Nahkampf mit Aufständischen versehentlich bombardiert und getötet worden. Die Kämpfe seien am Sonntag vor einer Woche entflammt, als Hunderte Aufständische vorübergehend den Distrikt Du Aab überrannten. Afghanische und ausländische Truppen hätten die Taliban in einwöchigen Kämpfen wieder zurückgedrängt. Bei den Gefechten und den Luftangriffen seien mindestens 85 Taliban-Kämpfer getötet und Dutzende verletzt worden.

Die Taliban hätten sich in den Häusern von Zivilisten versteckt, nachdem ihnen die Munition ausgegangen sei. Die NATO habe die Häuser beschossen, dabei aber Zivilisten und Polizeibeamten mit Taliban-Kämpfern verwechselt. Auch diesen Fall wolle die ISAF prüfen.

Quelle: ntv.de, dpa