Politik

"Werbeplattform für Diktator" Özdemir watscht Bräutigam Özil ab

Der Grünen-Politiker Özdemir zeigt wenig Verständnis dafür, dass Ex-Nationalspieler Özil dem türkischen Präsidenten einen Starauftritt auf seiner Hochzeit erlaubt hat. Erdogan mische sich in alles ein, sogar in Schlafzimmerangelegenheiten. Das sei bei Diktatoren so.

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir hat den Ex-Nationalspieler Mesut Özil scharf dafür kritisiert, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Trauzeuge bei seiner Hochzeit war. "Da scheinen sich zwei gesucht und gefunden zu haben", sagte Özdemir im Deutschlandfunk. Offensichtlich sei Erdogan auf solche Bilder angewiesen, weil seine Popularität im Land zurückgehe und die türkische Wirtschaft am Boden liege.

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Özdemir sieht Özils Hochzeitsfotos mit dem türkischen Präsidenten Erdogan als Zeichen des Niedergangs.

(Foto: picture alliance/dpa)

Schade sei es für all die jungen Leute, die auf Özil geschaut hätten, die ihn vielleicht als Vorbild betrachtet hätten, dass dieser sich jetzt als "Werbeplattform für einen Diktator" hergebe. Özdemir bezweifelte außerdem, dass der Bräutigam Özil bei der Wahl seines Trauzeugen ein gutes Händchen bewiesen habe. Es sei bekannt, dass Erdogan sich in alles einmische. Er mische sich in die Verhütung ein und in jeden anderen Lebensbereich. "Er macht auch nicht vor dem Schlafzimmer halt", sagte Özdemir. "Das ist eben so bei autoritären Herrschern, nichts ist privat", sagte Özdemir weiter.

Auf den Hochzeitsbildern ist der Fußballer mit seiner Frau Amine Gülse mit Erdogan und dessen Frau auf einer Empore vor dem Bosporus in Istanbul zu sehen. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu war Erdogan Trauzeuge und überreichte Gülse die Hochzeitsurkunde.

Özdemir: Ära Erdogan neigt sich dem Ende zu

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Keine guten Freunde: Özdemir mit Erdogan bei dessen Staatsbesuch in Berlin im September 2018.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Grünen-Politiker wertete den Auftritt und die Inszenierung als Hinweis, dass Erdogans Ära sich dem Ende zuneige. Es sei schlimm, dass Özil sich dafür hergebe, das Land weiter zu spalten, sagte Özdemir.

Özil hatte bereits im vergangenen Jahr eine Kontroverse ausgelöst, als er als damaliger deutscher Nationalspieler mit seinem Teamkollegen Ilkay Gündogan vor der Parlaments- und Präsidentschaftswahl in der Türkei für ein Foto mit Erdogan posierte. Nach dem frühen Aus der Nationalelf bei der Fußball-WM in Russland verkündete Özil im Juli seinen Rücktritt aus der Mannschaft, wobei er "Rassismus und fehlenden Respekt" anprangerte.

In Deutschland führte sein Verhalten ebenso wie der Umgang des DFB mit der Affäre zu einer heftigen Debatte. Özil warf der Öffentlichkeit vor, ihn als Deutschen zu behandeln, wenn sein Team siege, und als Migranten, wenn es verliere. Seine Kritiker warfen ihm dagegen vor, sich mit einem Politiker zu zeigen, dessen autoritäre Politik die Demokratie untergrabe und der Deutschland wiederholt scharf attackiert hatte.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa

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