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Fake News sorgen für Eklat Pakistan droht Israel indirekt mit Atomschlag

Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif ließ sich von einer Falschmeldung im Internet provozieren.

Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif ließ sich von einer Falschmeldung im Internet provozieren.

(Foto: dpa)

Da sich der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif von einer Internetmeldung angegriffen fühlt, droht er Israel indirekt mit der atomaren Auslöschung. Doch nun kommt heraus: Die Nachricht ist gefälscht.

Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif ist auf einen gefälschten Medienartikel hereingefallen und hat Israel daraufhin mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht. In dem online veröffentlichten, gefälschten Dokument wurde der frühere israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon mit der Aussage zitiert, Israel werde Pakistan "nuklear zerstören", sollte das Land "unter dem Vorwand, den IS zu bekämpfen", Truppen nach Syrien schicken.

Jaalon sagte in dem gefälschten und logisch lückenhaften Artikel: "So weit es uns angeht - sollten sie (Pakistan) wirklich in Syrien eintreffen, dann wissen wir, was wir zu tun haben. Wir werden sie mit einem Nuklearangriff zerstören." Pakistan hat oft betont, dass es keinen erzwungenen Regimewechsel in Syrien will und wird daher als Unterstützer der Assad-Regierung angesehen, während Israel und Syrien Erzfeinde sind.

Der pakistanische Verteidigungsminister Asif erwiderte - offenbar ohne Prüfung der Quelle: "Der israelische Verteidigungsminister droht mit nuklearer Vergeltung für eine angenommene pakistanische Rolle in Syrien gegen Daesh (den IS) - Israel vergisst, dass Pakistan auch eine Nuklearmacht ist."

Über das Weihnachtswochenende stellte Israel in zwei Tweets klar, dass der Bericht, auf den Asif sich beziehe, "komplett falsch" sei. "Die Stellungnahme, die dem früheren Verteidigungsminister Jaalon zugeschrieben wurde, ist nie gesagt worden", hieß es in einer der beidem vom Verteidigungsministerium abgesetzten Botschaften. Die pakistanische Regierung sah aber am Montag keine Notwendigkeit, zu reagieren.

Minister beruft sich auf Abschreckungstaktik

"Der Minister hat auf einen gefälschten Bericht geantwortet - keine weitere Reaktion nötig", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Auch aus dem Außenministerium hieß es, man werde sich nicht äußern. Pakistan erkennt Israel nicht an. Asif selbst deeskalierte allerdings leicht und antwortete in der Nacht auf Montag der "New York Times" auf einen Artikel über die Affäre via Twitter: "Unser Nuklearprogramm ist nur eine Abschreckung, um unsere Freiheit zu schützen. Wir wollen in Frieden koexistieren, in unserer Region und darüber hinaus."

Israel ist als regionale Atommacht bekannt, hat den Besitz von Nuklearwaffen jedoch nie offiziell zugegeben. Es verfolgt eine Politik der bewussten Zweideutigkeit, um Konfrontationen über das Atomprogramm aus dem Weg zu gehen. Nach einem Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri aus diesem Jahr soll Israel über 80 atomare Sprengköpfe verfügen.

Pakistan im Verdacht nuklearer Aufrüstung

Pakistan ist ebenfalls eines von nur neun Ländern in der Welt mit Atomwaffen. Experten schätzen ihre Zahl auf etwa 120. Sie werden auch wegen der Vielzahl extremistischer Gruppen im Land streng bewacht. Viele Regierungen in der Welt sind aber besorgt, weil Pakistan einigen Berichten zufolge aufrüstet und in der Abschreckungsrhetorik der Regierung Atomwaffenschläge nun häufiger vorkommen.

Sogenannte Fake News tauchen seit einiger Zeit verstärkt online in sozialen Netzwerken auf. Die Bundesregierung überlegt zum Beispiel, auf die wachsende Zahl von Falschnachrichten und auch Hassbotschaften mit einem Gesetz und einer Rechtsschutzstelle zu reagieren. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker verlangte, die sozialen Netzwerke sollten konsequenter vorgehen. Es liege im Interesse etwa von Facebook und Google, dabei "einen gewissen Ehrgeiz" zu entwickeln, sagte Juncker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Glaubwürdigkeit sei schließlich "ihr wichtigstes Kapital".

Quelle: n-tv.de, Sara Lemel und Christine-Felice Röhrs, dpa

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