Politik
Zaki-ur-Rehman Lakhvi soll für den Tod von fast 170 Menschen verantwortlich sein.
Zaki-ur-Rehman Lakhvi soll für den Tod von fast 170 Menschen verantwortlich sein.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 18. Dezember 2014

Drahtzieher der Mumbai-Attentate: Pakistan lässt Terror-Planer laufen

Nur Stunden ist es her, da verspricht Premierminister Sharif nach dem Schulmassaker in Peshawar, den Terror in Pakistan auszurotten. Dann lässt ein Gericht den mutmaßlichen Planer der Anschläge von Mumbai gegen eine geringe Kaution frei.

Sechs Jahre nach den Terrorangriffen im westindischen Mumbai hat ein pakistanisches Gericht die Freilassung des mutmaßlichen Drahtziehers auf Kaution verfügt. Zaki-ur Rehman Lakhvi komme gegen Hinterlegung von 5000 US-Dollar frei, sagte sein Anwalt Rizwan Abbasi in Islamabad. Lakhvi führte den Angriff der inzwischen verbotenen islamistischen Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba (LeT).

Erst am Mittwoch hatte Premierminister Nawaz Sharif nach dem Schulmassaker der Taliban in Peshawar angekündigt, den Terrorismus ausrotten und Terroristen wieder hängen zu wollen.

Zehn Extremisten aus Pakistan hatten im November 2008 mehrere Ziele in der Wirtschaftsmetropole Mumbai (früher Bombay) angegriffen und 166 Menschen getötet. Bei den dreitägigen Gefechten kamen auch neun der Angreifer ums Leben, der zehnte wurde im November 2012 in Indien gehängt. Die indische Regierung macht die LeT für die Bluttat verantwortlich.

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Die pakistanische Justiz eröffnete ein Verfahren gegen Lakhvi und sechs andere mutmaßliche Extremisten, das andauert. Indien kritisierte Lakhvis Freilassung. Innenminister Rajnath Singh sprach von einer "bedauerlichen Entscheidung" und sagte: "Ich glaube, dass Pakistan nicht genug getan hat. Indien hat genug Beweise geliefert." Der pakistanische Staatsanwalt Chaudhry Azhar sagte, er erwäge, gegen Lakhvis Freilassung auf Kaution Berufung einzulegen. Lakhvis Anwalt Abbasi sagte, die 5000 Dollar (rund 4000 Euro) Kaution würden bald hinterlegt, damit sein Mandant kommenden Montag oder Dienstag aus dem Gefängnis entlassen werde. Die Organisation Jamat-ud-Dawah, die aus der LeT hervorging, sprach von einem Sieg der Wahrheit.

Armee geht gegen TTP vor

Nach dem Massaker in einer vom Militär betriebenen Schule in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar verstärkte die Armee ihre Offensive gegen die pakistanischen Taliban (TTP). Das Militär teilte mit, Kampfjets hätten in der Nacht zuvor 20 Stellungen der Extremisten im Stammesgebiet Khyber bombardiert. Zugleich seien Bodentruppen weiter in das Tirah-Tal an der Grenze zu Afghanistan vorgedrungen. In der Region sind Extremistengruppen mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida aktiv.

Bei der Terrorattacke in Peshawar und stundenlangen Gefechten mit der Armee waren am Dienstag 148 Menschen ums Leben gekommen, meist Kinder und Jugendliche. Außerdem starben die sieben Angreifer. Die TTP hatte von einem Racheakt wegen der seit Mitte Juni andauernden Offensive gegen Extremisten im Grenzgebiet zu Afghanistan gesprochen.

Quelle: n-tv.de