Politik

Koran-Verbrennung weltweit verurteilt Pastor zündelt um jeden Preis

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Trotz offiziellen Verbots ist Jones entschlossen, Feuer an das Verhältnis der Religionen zu legen.

(Foto: AP)

Trotz weltweit einhelliger Proteste hält der radikale Christen-Führer Jones an der Verbrennung des Korans fest. "Wir sind entschlossen, es zu tun." Dabei warnen US-Regierung, UN und geistliche Führer aus aller Welt vor den Folgen dieser Tat. Muslime in den USA versuchen die Bedeutung der Tat herunterzuspielen. Bis vor zwei predigte Jones noch in Deutschland.

Globales Entsetzen über einen radikalen US-Pastor: US-Außenministerin Hillary Clinton bezeichnet das für Samstag geplante Verbrennen des Korans als "respektlosen, schändlichen Akt". Justizminister Eric Holder nennt das Vorhaben "idiotisch und gefährlich". Doch Terry Jones von der Dove World Outreach Center bleibt bei seinem Plan.

Zwar räumt der Führer der radikalen Mini-Gemeinde ein, seine bizarre Aktion zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September könne gewaltsame Übergriffe etwa auf US-Soldaten in Afghanistan provozieren. Doch er gibt sich unbeeindruckt: "Wir sind entschlossen, es zu tun", sagte er dem TV-Sender CBS.

Der 58-jährige Pastor der 50-Seelen-Gemeinde in der Kleinstadt Gainesville in Florida hat den 11. September zum "Internationalen Tag der Koran-Verbrennung" erklärt. Damit solle der Opfer der Anschläge vor neun Jahren gedacht und dem radikalen Islam eine klare Absage erteilen werden. "Der Islam ist eine schlechte Religion", sagt er in einem Video auf der Website seiner Gemeinde. Der Koran "ist für den 11. September verantwortlich".

US-Regierung spielt Tat herunter

Die US-Regierung betonte, dass es sich eine Einzelaktion einer extremen kleinen Minderheit handele. Die Welt dürfe Amerika "nicht an der Aktion eines Pastors oder 50 seiner Anhänger" messen, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Philip Crowley. Außenministerin Clinton zeigte sich "ermutigt" durch die "klare und eindeutige Verurteilung" des Vorhabens durch Vertreter aller Glaubensrichtungen in den USA, aber auch durch führende laizistische US-Vertreter und Meinungsmacher. Die Außenministerin äußerte sich bei einem Iftar-Mahl, dem traditionellen Abendessen im muslimischen Fastenmonat Ramadan.

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In Afghanistan hat die geplante Tat bereits zu massiven Protesten und ebenfalls Verbrennungen geführt - wie hier von US-Flaggen.

(Foto: AP)

Die Stadtverwaltung von Gainesville hat die an diesem Samstag geplante Aktion zwar verboten. Der Pastor will sich aber offenbar nicht daran halten. Kirchliche Führer in der Stadt kündigten bereits für Samstag Proteste gegen die Verbrennung an.

Auch religiöse Führer in den USA sowie aus aller Welt verurteilten das Vorhaben. Der Vatikan teilte mit: "Man kann die verwerflichen Gewalttaten (des 11. September) nicht damit heilen, dass man die heilige Schrift einer anderen Religion grob beleidigt", kritisierte der Vatikanische Rat für den Interreligiösen Dialog. Alle Religionen hätten ein Anrecht auf Respekt und Schutz.

Erinnerung an Karrikaturen

US-Außenamtssprecher Crowley verteidigte allerdings auch das Recht auf Meinungsfreiheit, das in der amerikanischen Verfassung einen ganz besonders hohen Wert hat. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg betonte in diesem Zusammenhang ebenfalls ausdrücklich das im ersten Verfassungszusatz verankerte Recht auf freie Meinungsäußerung. "Der erste Verfassungszusatz schützt jeden", sagte er nach Angaben der Zeitung "Wall Street Journal".

Muslime verlangen, dass ihr heiliges Buch mit höchstem Respekt behandelt wird. Verstöße werden als zutiefst beleidigend empfunden und haben wiederholt Gewalt ausgelöst. 2006 hatten Karikaturen des Propheten Mohammeds in dänischen Medien gewaltsame Proteste in der islamischen Welt zur Folge, bei denen über 20 Menschen getötet worden waren. Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard bekommt für seine Unbeugsamkeit heute in der brandenburgischen Landeshauptstadt einen Medienpreis – in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel. In Kabul ist es wegen der geplanten Koran-Verbrennung bereits zu Protesten gekommen. Wütende Gläubige verbrannten am Montag US-Flaggen und riefen "Tod Amerika".

"Sie repräsentieren nicht Amerika"

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(Foto: dpa)

In Washington verurteilten auch religiöse Führer die Verbrennung des heiligen Buches der Muslime. Es handele sich um ein "besonders ungeheuerliches" Vorhaben, meinten muslimische, christliche und jüdische Vertreter. Auch mit Blick auf die hitzige Debatte über den geplanten Bau eines muslimischen Kulturzentrums nahe dem Ort der verheerenden Anschläge vom 11. September in New York mahnten sie religiöse Toleranz in den USA an. Sie beklagten eine "steigende Welle von Angst und Intoleranz" in den USA.

Vertreter der Muslime in den USA riefen die islamische Gemeinde des Landes auf, Zurückhaltung zu üben. Die Präsidentin der Islamischen Gesellschaft Nordamerikas, Ingrid Mattson, sprach von "den lauten Stimmen einiger christlicher Extremisten", von denen man sich nicht provozieren lassen dürfe. "Sie repräsentieren nicht Amerika, sie repräsentieren nicht das Christentum oder das Judentum", sagte sie.

Verbindung nach Deutschland

Christen und Juden in Deutschland reagierten entsetzt. Die Evangelische Kirche (EKD) sprach von einer "unerträglichen Provokation". Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, äußerte die Sorge, "dass mit solchen intoleranten Angriffen das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in vielen Teilen der Welt gefährdet wird". Die Präsidentin des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, erinnerte an die Bücherverbrennungen der Nazis 1933. "Die Vorstellung ist schrecklich und abstoßend", sagte sie in München.

Die UN in Afghanistan warnten vor schwerwiegenden Folgen. Sollte die "abscheuliche Tat" wirklich vollzogen werden, würde dies die Gegner von Frieden und Versöhnung am Hindukusch stärken, meinte der UN-Sondergesandte, Staffan de Mistura. Auch die Europäische Union kritisierte die geplante Aktion. "Wir verurteilen energisch jeden derartigen Versuch", sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Die EU respektiere alle Religionen.

Die wenig bekannte Gruppe hat etwa 30 Mitglieder. Ihr erklärtes Ziel ist es, den Islam als eine "gewaltsame und repressive Religion" zu entlarven. Pastor Jones hatte mehrere Jahre in Deutschland gearbeitet und die Christliche Gemeinde Köln (CGK) gegründet. Ein Sprecher der CGK sagte, die Gläubigen seien bestürzt. Von Jones habe man sich 2008 getrennt. "Er ist zwar der Gründer der CGK, aber mit der CGK von heute hat er nichts zu tun."

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP/rts

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