Politik
Vor einer brennenden Straßenblockade demonstriert ein Mann gegen den brasilianischen Präsidenten Michel Temer.
Vor einer brennenden Straßenblockade demonstriert ein Mann gegen den brasilianischen Präsidenten Michel Temer.(Foto: REUTERS)
Sonntag, 29. Oktober 2017

Sehnsucht nach Militärdiktatur?: Präsident Temer verunsichert Brasilianer

Galt Brasilien lange als Hoffnungsträger Lateinamerikas, erschüttern seit einigen Jahren politische und wirtschaftliche Korruptionsskandale das Land. Das macht sich auch im Volk bemerkbar: Nur noch wenige Brasilianer sehen ihr Land auf einem guten Weg.

Nach zahllosen Korruptionsskandalen sind die Brasilianer in Lateinamerika am unzufriedensten mit der Demokratie in ihrem Land. Nach dem jährlich erstellten Latinobarómetro 2017 sehen 87 Prozent die aktuelle politische Lage negativ. Damit ist das größte Land der Region gemeinsam mit dem Krisenstaat Venezuela Schlusslicht - nach über 120 Toten bei Demonstrationen und der Entmachtung des Parlaments sind auch dort nur 13 Prozent mit der Lage zufrieden, minus 11 Prozentpunkte im Vergleich zu 2016.

Die meiste Zustimmung gibt es demnach mit 57 Prozent in Uruguay, gefolgt von Nicaragua (52), Ecuador (51) und Costa Rica (45). Als Datengrundlage dienten rund 20.000 Interviews in 18 Ländern, die Erhebung gibt es seit 1995.  

In Brasilien gibt es gerade in Ober- und Mittelschicht viele Befürworter eines Eingreifens des Militärs - die Militärdiktatur von 1964 bis 1985 wird vielfach als Phase von Stabilität und ökonomisch positiver Entwicklung gesehen.

Brasilien in der Rezession

Mit Blick auf den politischen und ökonomischen Fortschritt zeigten sich die Menschen in Nicaragua und Bolivien am zuversichtlichsten - in Brasilien, wo nur sechs Prozent das Land auf einem guten Weg sehen, ist die Erwartung mit Abstand am schlechtesten. Nur langsam kommt das Land aus der tiefsten Rezession heraus, über 13 Millionen Menschen sind arbeitslos - und bis zu Staatspräsident Michel Temer gibt es Korruptionsanschuldigungen. Die Zustimmung zu Temer liegt bei nur noch knapp fünf Prozent, in einem Jahr findet die nächste Präsidentschaftswahl statt.

Allgemein spiegelt auch das Latinobarómetro 2017 starke Globalisierungsängste wider, zudem nehmen in mehreren Ländern Lateinamerikas der Einfluss rechter Populisten und evangelikaler Sekten in der Politik stark zu.

Quelle: n-tv.de