Politik

G7-Gipfel unerreichbar Protestbewegung stößt an ihre Grenzen

58998678.jpg

Bei den Demonstrationen rund um den G7-Gipfel ist die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es hätte die wichtigste Veranstaltung der radikalen G7-Gegner werden sollen. Doch die Blockaden am ersten Tag des Gipfels fanden praktisch nicht statt. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich.

Die Proteste gegen das Treffen der Staats- und Regierungschefs sieben demokratischer Industrienationen sind ohne größere Zwischenfälle zu Ende gegangen. Die Demonstranten waren am Morgen von fünf verschiedenen Orten aus aufgebrochen und wollten so nah wie möglich an den Tagungsort, das Luxushotel Schloss Elmau, herankommen. Vorher hatten die Veranstalter angedeutet, dass sie näher an das Schloss heranrücken wollen, als es das Sicherheitskonzept vorsah.

Allerdings waren schon am Samstag laut Polizei nur rund 3600 Menschen bei der Demonstration. Von diesen war nur ein sehr kleiner Teil gewaltbereit. Am Sonntag demonstrierten selbst nach Angaben des Veranstalters weniger als 1000 Menschen. Der Sternmarsch endete an dem Zaun, der das Schloss Elmau weiträumig umgibt. Dort angekommen versuchten einige Demonstranten, sich im Wald zu verstecken, was die Polizei verhinderte. Die Demonstranten kehrten um und versuchten mit Sitzblockaden, einige Straßen in Garmisch-Partenkirchen zu versperren. Die Polizei trug die Demonstranten einzeln davon und nahm einige wenige in Gewahrsam. Zu Gewalt gegen Polizisten kam es dabei nicht.

Dafür, dass sich nur so wenige Menschen an dem Protest beteiligten, gibt es eine Reihe von Gründen.

  • Zunächst hat sich das Image der G7 seit den großen Protesten von Genua und Heiligendamm verändert. Auf der Agenda stehen nicht mehr ausschließlich Wirtschaftsthemen, sondern auch der Klimawandel, die Gesundheit armer Menschen, die Rechte von Frauen und Arbeitsschutz in Entwicklungsländern.
  • Der diesjährige Tagungsort ist besonders abgelegen. Von München aus dauert es mit dem Zug eineinhalb Stunden, um Garmisch-Partenkirchen zu erreichen, wo das Protestcamp eingerichtet war. In München selbst gibt es keine nennenswerte autonome Szene. Vielleicht wären in der Nähe einer anderen Großstadt mehr Gewalttätige zusammengekommen. In Frankfurt am Main hatte es noch im März bei der Demonstration gegen die Europäische Zentralbank Ausschreitungen und massive Sachbeschädigungen gegeben.
  • Die Polizei war auf das Schlimmste vorbereitet. Das Aufgebot von mehr als 20.000 Polizisten wäre geeignet gewesen, es mit einer großen autonomen Demonstration mit Tausenden Gewalttätern aufzunehmen. Die Aussicht, größere Sachbeschädigungen anzurichten, war also von vornherein nicht gegeben. Vielleicht ist deswegen ein Teil der gewaltbereiten Szene gar nicht erst angereist.
  • In den Tagen vor dem Gipfel ging die Polizei dann rigide gegen mögliche Demonstranten vor. Sie untersuchte Tausende Autos und Busse, Grenzkontrollen wurden wieder eingeführt. In einigen Fällen konfiszierten die Beamten sogar Styroporplatten für Requisiten, Schals und Funkgeräte. Die Kontrollen waren so engmaschig, dass als „Beifang“ Dutzende Menschen gefasst wurden, gegen die aus anderen Gründen ein Haftbefehl vorlag, die mit den G7-Demonstrationen aber nichts zu tun hatten.
  • Bei den Demonstrationen selbst war die Polizei dann mit einem so massiven Aufgebot vor Ort, dass sie jederzeit alle Protestierenden im Blick haben konnte. Die Straße war praktisch immer auf beiden Seiten mit je zwei engen Ketten von Beamten gesäumt. Vor der Demonstration marschierten immer mehrere Reihen von Polizisten, die von einer Straßenseite bis zur anderen reichten. In den Nebenstraßen hielten sich weitere kampfbereite Polizeitrupps auf. Ein Abweichen vom genehmigten Demonstrationsweg war schlicht unmöglich, auch nicht während des Sternmarsches, der größtenteils durch den Wald führte.
  • Eine große Rolle spielte sicher auch das Wetter. Am Tag vor dem Sternmarsch schien die meiste Zeit die Sonne, die Temperaturen stiegen am Samstag auf 24 Grad, fühlte sich ohne Schatten aber wesentlich heißer an. Die stundenlange Demonstration unter freiem Himmel bei wenig Schatten raubte darum viel Kraft. Am Samstagabend, gegen Ende der Demonstration setzte dann ein heftiges Gewitter ein. Die Veranstalter fingen an, das Protestcamp wegen Blitzeinschlaggefahr zu evakuieren, was schließlich doch nicht notwendig war. Viele Zelte standen aber unter Wasser, Hunderte Demonstranten hatten keinen trockenen Schlafplatz. Auch am Sonntag war es dann wieder heiß. Nach dem stundenlangen Aufstieg in die Berge rund um Schloss Elmau fehlte potenziellen Randalierern schlicht die Kraft.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.