Politik

Händedruck über den Gräbern Putin und Tusk in Katyn

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Tusk und Putin wollen gemeinsam nach neuen Wegen suchen.

(Foto: dpa)

Der Name Katyn steht für eines der größten Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Im April 1940 waren in der Nähe von Smolensk auf Befehl des sowjetischen Diktators Stalin tausende polnische Offiziere und Intellektuelle ermordet worden. Russland hatte seine Schuld erst 1990 eingeräumt.

Die Regierungschefs von Russland und Polen, Wladimir Putin und Donald Tusk, haben erstmals gemeinsam des Massakers von Katyn vor 70 Jahren gedacht. Beide Politiker legten am Mahnmal für tausende vom sowjetischen Geheimdienst NKWD ermordete polnische Offiziere und Intellektuelle Kränze nieder. Danach reichten sich Tusk und Putin in einer historischen Versöhnungsgeste die Hand.

Zuvor hatten Geistliche mehrerer Glaubensrichtungen für die im Frühjahr 1940 erschossenen Opfer gebetet. Anschließend gingen die Regierungschefs zu dem Teil der Gedenkstätte, wo russische Tote begraben liegen.

Treffen der Versöhnung

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Zeremonie am Mahnmal für den Massenmord.

(Foto: dpa)

Das Treffen der beiden Politiker an dem Erinnerungsort in der westrussischen Stadt gilt als historische Versöhnungsgeste. Der Name Katyn steht für eines der größten Verbrechen im Zweiten Weltkrieg.

Die sowjetische Geheimpolizei hatte im April und Mai 1940 auf Anweisung des damaligen sowjetischen Staatschefs Josef Stalin bei Katyn, im russischen Mednoje und im ukrainischen Chakiw rund 22.000 Polen hingerichtet, darunter zahlreiche Offiziere, Polizisten und Intellektuelle. Die Sowjetunion hatte jahrzehntelang den Nationalsozialisten die Verantwortung für das Massaker von Katyn zugewiesen. Erst 1990 räumte der damalige Staatschef Michail Gorbatschow ein, dass die Sowjetunion für das Massaker verantwortlich war.

Putin ist der erste russische Regierungschef, der die in einem Wald gelegene Gedenkstätte Katyn offiziell besucht. Das Treffen mit Tusk gilt im traditionell schwierigen Verhältnis als Meilenstein auf dem Weg zur Versöhnung zwischen Russen und Polen.

Russland und die "historische Wahrheit"

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Die historische Wahrheit des Ortes ist für viele Russen nur schwer zu ertragen.

(Foto: dpa)

Die Kommunistische Partei in Russland forderte eine neue Untersuchung des Massenmords. Eine vom Parlament ernannte Untersuchungskommission solle alle Gräber untersuchen, die Toten identifizieren und das genaue Datum der Massenhinrichtungen herausfinden, forderte Parteisekretär Sergej Obuchow nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax.

Das Massaker müsse zudem in einem Zusammenhang "mit dem Tod von 60.000 russischen Kriegsgefangenen in polnischen Gefängnissen nach Polens Angriff auf die Sowjetunion 1920" gesehen werden, sagte Obuchow. Bislang werde das Massaker von Katyn "anti-russisch" interpretiert, kritisierte er. Die Regierung sei nicht in der Lage, das "geopolitische Interesse" Russlands und die "historische Wahrheit" zu schützen.

Quelle: n-tv.de, dpa

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