Politik

Kämpfe in Damaskus und Aleppo Rebellen berichten von Massaker

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In Damaskus kämpfen Rebellen erbittert gegen Assads Truppen.

(Foto: REUTERS)

Die syrischen Gebiete, in denen sich die Rebellen verschanzen, stehen weiter unter Dauerbeschuss. Vor allem die Hauptstadt Damaskus ist heftig umkämpft. Laut Oppositionellen gehen Assads Truppen dabei erbarmungslos vor. Angeblich sollen Regierungssoldaten in einem Vorort erneut ein Massaker verübt haben.

In Damaskus haben syrische Regierungstruppen nach Angaben von Oppositionellen erneut ein Massaker verübt. Im Vorort Maadamijat al-Scham seien Dutzende Menschen getötet worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die nach eigenen Angaben eine Liste mit den Namen der Opfer hat.

Die der Opposition nahestehende Beobachtungsstelle mit Sitz in London warf den Regierungstruppen vor, in Maadamijat al-Scham zahlreiche Menschen hingerichtet zu haben. Bisher seien 42 Tote identifiziert worden. Es sei jedoch zu befürchten, dass die Zahl deutlich steigen werde. In einem Keller seien Dutzende weitere Leichen entdeckt worden

Mit Unterstützung von Panzern und Hubschraubern griff die syrische Armee den Süden von Damaskus an. "Der Lärm des Bombardements erschüttert ganz Damaskus", sagte eine Frau in Kfar Suse, einem der angegriffenen Stadtteile. Die Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad gingen offenbar in großer Zahl vor. "Jetzt sind 22 Panzer in Kfar Suse und hinter jedem stehen mindestens 30 Soldaten. Sie stürmen Häuser und richten Männer hin", sagte ein Oppositioneller, der sich Bassam nannte.

Tschetschenischer Rebellenführer gestorben

Andere Assad-Gegner berichteten, Soldaten hätten einen mit dem Volksaufstand sympathisierenden Journalisten aus nächster Nähe erschossen. Es soll sich um Musaab Audtallah handeln, der der eigentlich regierungsnahen Tageszeitung "Tischrin" angehört. Der Sportjournalist soll sich aber kritisch über das Regime geäußert haben.

Die Beobachtungsstelle gab weiter an, dass Kampfflugzeuge in Aleppo das Viertel Scheich Said bombardiert hätten, nachdem es nahe eines Raketenlagers Kämpfe mit Rebellen gegeben hatte. Zudem hätten die Regierungstruppen auch die Viertel Schaar, Sachur und Hanano beschossen.

Die islamistische Internetseite KavkazCenter meldete derweil den Tod des ältesten Sohn des verstorbenen tschetschenischen Rebellenführers Ruslan Gelajew. Rustam Gelajew sei "mutmaßlich zwischen dem 11. und 13. August" bei einem Gefecht mit syrischen Regierungstruppen getötet worden, berichtete die Seite. Derzeit wird vermehrt über ausländische Islamisten berichtet, die in Syrien auf Seiten der Aufständischen kämpfen.

"Kommersant": Damaskus setzt keine C-Waffen ein

Indessen beschuldigt Russland den Westen, die bewaffneten Regimegegner in ihrem Kampf gegen Präsident Baschar al-Assad anzutreiben. "Unsere westlichen Partner haben noch immer nichts getan, um die Opposition zu einem Dialog mit der Regierung zu bewegen", teilte das Außenministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit. "Sie stiften sie stattdessen offen dazu an, den bewaffneten Kampf fortzusetzen", hieß es. "Es ist klar, dass mit diesen Methoden eine politische Lösung der Krise unmöglich ist."

Die russische Zeitung "Kommersant" berichtete unter Berufung auf einen ungenannten Mitarbeiter des Außenministeriums, die Regierung in Damaskus wolle ihre Chemiewaffen nicht einsetzten. Sie habe in einem "vertraulichen Dialog" zudem versichert, in der Lage zu sein, das Arsenal sicher zu verwahren. Der Informant sagte dem Blatt, Russland halte es für vollkommen glaubwürdig, dass die USA ihre Drohung mit einem Militäreinsatz wahr machten, sollte Syrien die Massenvernichtungswaffen einsetzen. Das Ministerium wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern.

US-Präsident Barack Obama hatte Syrien ungewohnt deutlich vor "enormen Konsequenzen" gewarnt, falls die Regierung im Kampf gegen die Rebellen ihr Chemiewaffenarsenal einsetzt. Es gilt als das größte in der Region und soll unter anderem aus Sarin, Senfgas und dem Nervengas VX bestehen. Besonders in Israel wird aber auch befürchtet, dass die Waffen in die Hände von radikalen Islamisten fallen, die sich den Aufständischen angeschlossen haben. "Kommersant" berichtete, die USA hätten die Rebellen eindringlich gewarnt "nicht einmal in die Nähe der Lager- und Produktionsstätten" vorzurücken.

Die Regierung in Damaskus will die C-Waffen nach offiziellen Angaben nicht gegen die eigene Bevölkerung einsetzen. Allerdings gibt es Zweifel an dieser Zusicherung. Einem westlichen Diplomaten zufolge war Assad vor kurzem zu einem Angriff mit Massenvernichtungswaffen auf Aufständische bereit, wurde aber von seinem wichtigen Verbündeten Russland davon abgehalten.

Konflikt greift auf Libanon über

Die Bundesregierung reagierte zurückhaltend auf Äußerungen aus der syrischen Regierung, Assads Rücktritt sei verhandelbar. "Wir bewerten diese Aussagen nicht über", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Diese Äußerungen seien in ähnlicher Form von verschiedenen nachgeordneten Mitgliedern der syrischen Regierung gemacht worden.

In der nordlibanesischen Küstenstadt Tripoli dauerten die Kämpfe zwischen Alawiten und Sunniten weiter an. Nachdem am Dienstag bei den Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern von Syriens Präsident Baschar al-Assad sechs Menschen getötet und 75 weitere verletzt worden waren, wurden am Mittwoch nach Krankenhausangaben zwei weitere Menschen getötet. 15 Menschen, darunter fünf Soldaten, seien verletzt worden.

Bei den Gefechten wurden Schnellfeuergewehre, Panzerabwehrraketen und Sprengsätze eingesetzt. Weder im mehrheitlich sunnitischen Viertel Bab al-Tebbaneh, noch im angrenzenden alawitischen Stadtteil Dschabal Mohsen waren Menschen auf den Straßen zu sehen. Die libanesische Armee, die ebenfalls zahlreiche Verletzte meldete, beschlagnahmte nach eigenen Angaben große Mengen Waffen, Munition und Sprengstoff.

Der libanesische Regierungschef Nadschib Mikati rief die Sicherheitskräfte auf, "ihr Möglichstes zu tun, um diese absurde Schlacht zu beenden". Mikati warf den Beteiligten vor, den Libanon in den Konflikt im Nachbarland Syrien hineinzuziehen. Seit Mai gibt es immer wieder blutige Zusammenstöße in Tripoli.

Quelle: ntv.de, AFP/rts/dpa