Politik

Inhaftierter Deutscher beschwert sich Rebellen geben Aleppo-Viertel auf

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Die syrische Armee will nach eigenen Angaben "die Rebellennester ausrotten".

(Foto: REUTERS)

In Syrien ziehen sich die Rebellen aus einem Vorort von Aleppo zurück. Sie sprechen von einem "strategischen Rückzug". Derweil erhebt ein deutscher in Aleppo inhaftierter Mann schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung. Der Mann fürchtet um sein Leben. Präsident Assad muss unterdessen den Abgang eines weiteren hochrangigen Politikers verkraften.

In Syrien haben sich die Aufständischen in der Wirtschaftsmetropole Aleppo nach eigenen Angaben vollständig aus dem umkämpften Viertel Salaheddin zurückgezogen. "Wir haben einen taktischen Abzug aus Salaheddin vollzogen", sagte Hossam Abu Mohammed, ein Kommandeur der oppositionellen Freien Syrischen Armee. "Das Viertel ist vollständig von Rebellen-Kämpfern geräumt." Die Truppen von Präsident Baschar al-Assad rückten nun in das Viertel vor.

Die syrische Armee war bereits am Mittwoch mit Panzern in den Stadtteil eingedrungen, der bislang als Hochburg der Aufständischen galt. In den vorangegangenen Tagen hatte die Regierung an die 20.000 Soldaten um Aleppo zusammengezogen, denen etwa 6000 bis 8000 Rebellen gegenüberstehen.

Protokollchef setzt sich ab

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Al-Halki ist Assads neuer Regierungschef.

(Foto: REUTERS)

Arabischen Medienberichten zufolge soll Assads Protokollchef Moheddin Muslimani zu den Aufständischen übergelaufen sein. Der Spitzenbeamte befinde sich noch auf syrischem Boden und werde seine Abwendung vom Regime demnächst in einer Videobotschaft bekanntgeben, zitierte der Fernsehsender Al-Arabija einen Kommandeur der Rebellenarmee FSA, der bei der Flucht Muslimanis aus Damaskus geholfen haben soll. Erst vor drei Tagen hatte sich der syrische Ministerpräsident Riad Hidschab ins Ausland abgesetzt. Assad ernannte umgehend den bisherigen Gesundheitsminister Wael al-Halki zum neuen Regierungschef. Der 1964 geborene Halki stammt aus der Provinz Deraa im Süden Syriens, wo der Aufstand gegen Assad vor 17 Monaten ausgebrochen war.

Deutscher in Aleppo in Haft

In Aleppo sitzt auch ein Deutscher im Gefängnis. Dies bestätigte das Auswärtige Amt in Berlin. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" beschwert sich der 51-Jährige über mangelhafte Unterstützung durch die Bundesregierung. Dem Auswärtigen Amt warf er vor, "total versagt" zu haben. Nach der Erschießung von anderen Häftlingen fürchte er um sein Leben.

Das Außenministerium wollte auf die Vorwürfe nicht näher eingehen. Eine Ministeriumssprecherin verwies aber darauf, dass sich die Bundesregierung im Juni für den Mann eingesetzt habe. Die Angaben des Deutschen, der auch einen syrischen Pass hat, lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Nach Informationen der "Süddeutschen" soll er bereits 2006 wegen Kontakten zu der in Syrien verbotenen Muslimbruderschaft verurteilt worden sein. Der Mann sei eigentlich irakischer Kurde, aber mit einem gefälschten syrischen Pass bereits in den 1980er Jahren nach Deutschland gekommen. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen drei Kindern habe er dann fast 20 Jahre lang in Bayern gelebt.

Pro Assad-Treffen in Teheran angesetzt

Auf Einladung der iranischen Führung wollten noch heute in Teheran mehrere Staaten über die Lage in Syrien beraten. Zunächst war unklar, wer genau an der Konferenz teilnimmt, die am Abend beginnen sollte. Eingeladen waren Außenminister von Staaten, die nach Einschätzung des Iran eine "realistische Einstellung" zur Krise in Syrien haben, praktisch aber das Assad-Regime in Damaskus unterstützen.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bezeichnete das Treffen im Vorfeld als "neue Chance für Frieden in Syrien". Von den politisch maßgebenden Protagonisten in der Syrien-Krise hatte zunächst nur Russland zugesagt. Es wollte seinen Botschafter in Teheran schicken.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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