Politik

Gefechte um Gaddafi-Stützpunkt Rebellen starten massiven Angriff

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Dunkler Rauch steht über der Residenz des Diktators.

Die Rebellen in Tripolis attackieren die Residenz von Libyens Machthaber Gaddafi. Rings um den Stützpunkt im Stadtteil Bab el Asisija ist andauernder und heftiger Gefechtslärm zu hören. Flugzeuge sind im Einsatz. Zuvor müssen die Rebellen einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen: Den festgesetzten Gaddafi-Söhnen gelingt die Flucht.

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Die Rebellen beherrschen weite Teile der Stadt und nehmen zahlreiche Pro-Gaddafi-Kämpfer gefangen.

(Foto: AP)

In der libyschen Hauptstadt Tripolis sind schwere Kämpfe um den Stützpunkt Bab al-Asisija entbrannt, in dem der gestürzte Machthaber Muammar al-Gaddafi vermutet wird. Über dem Stützpunkt, in dem auch die Residenz Gaddafis liegt, hängen schwarze Rauchwolken. Die Aufständischen kämpften sich langsam in die stark befestigte Anlage vor. Die Stadt wird von Flugzeugen überflogen.

Rund um das nahe der Gaddafi-Residenz gelegene Hotel "Rixos", in dem sich zahlreiche ausländische Journalisten befinden, waren Gaddafi-treue Soldaten postiert. Das Hotelgebäude wurde von einer Explosion in der Nähe erschüttert, es waren schwere Artillerie und Raketenabschüsse zu hören. Gefechten wurden auch in anderen Stadtteilen gemeldet.

Die NATO bestritt, ihre Flugzeuge hätten das Gaddafi-Anwesen angegriffen. "Wir haben das Gelände nicht bombardiert", sagte ein Militärsprecher in Neapel. Das Bündnis habe aber von Freitag bis Sonntag Flugblätter über Tripolis abgeworfen. Darin seien die Gaddafi-treuen Soldaten aufgefordert worden, die Kämpfe einzustellen. Es habe auch entsprechende Aufrufe gegeben, die auf Radiofrequenzen ausgestrahlt worden seien.

Zweifel an Aussagen der Rebellen

Zuvor hatten die Rebellen einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen müssen: In der Nacht zum Dienstag fuhr völlig überraschend Muammar Gaddafis gefangen geglaubter Sohn Saif al-Islam vor dem Hotel "Rixos" vor, in dem mehrere Auslandskorrespondenten Quartier bezogen haben. Umjubelt von Anhängern verbreitete er lächelnd Durchhalteparolen, schüttelte Hände und machte mit seinen Fingern das Victory-Zeichen. Die Aufständischen hatten zuvor die Festnahme des als Nachfolger seines Vaters aufgebauten Saifs als wichtigen Erfolg vermeldet. Sein Auftritt ließ Zweifel an der Verlässlichkeit der Angaben der Rebellen aufkommen. Von Gaddafi selbst fehlte derweil weiter jede Spur.

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Saif al-Islam lässt sich in Tripolis feiern.

(Foto: Reuters)

Auch Gaddafis ältestem Sohn, Mohammed, soll die Flucht aus der Hand der Rebellen gelungen sein. Er hatte sich den Angaben zufolge beim Einmarsch der Aufständischen am Sonntagabend ergeben und war unter Hausarrest gestellt worden. Später sei er mit Hilfe einer Eliteeinheit der Regierungstruppen entkommen, hieß es von Seiten der Rebellen. Der Gaddafi-Sohn hatte am Vortag in einem Telefoninterview des Fernsehsenders Al-Dschasira gesagt, eine Gruppe von Rebellen habe sein Haus umstellt. Während des Gesprächs war Gewehrfeuer zu hören, danach brach der Telefonkontakt ab.

Unklar ist der Aufenthaltsort von Al-Saadi al-Gaddafi, einem weiteren Bruder. Auch diesen haben die Rebellen nach eigenen Angaben gefangen genommen. Über seinen Verbleib gibt es bisher keine Informationen.

Libyen-Kontaktgruppe plant bereits

Für kommenden Donnerstag kündigte die Libyen-Kontaktgruppe ein in Istanbul an, um über die schwierige Lage in dem nordafrikanischen Land zu beraten. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu will zuvor zu Gesprächen mit dem Nationalen Übergangsrat der Rebellen nach Bengasi fliegen. Er hatte am Montag von einem "historischen Tag für Libyen" gesprochen. "Das neue Libyen sollte ein demokratischer, freier und geeinter Staat sein, wie es die Bürger fordern", sagte er.

US-Politiker wollen Lockerbie-Attentäter

Der Nationalen Übergangsrat sieht sich derweil mit Forderungen aus den USA konfrontiert, die ihm den Status erster internationale Beziehungen einbringen könnten: US-Politiker fordern die Auslieferung des wegen des Lockerbie-Anschlags verurteilten Libyers Abdelbaset el Megrahi. Der Drahtzieher des Anschlags auf die Pan-Am-Passagiermaschine über dem schottischen Lockerbie 1988 müsse festgenommen und ausgeliefert werden, damit es "endlich Gerechtigkeit" geben könne, erklärte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney. Eine Auslieferung wäre auch ein Signal an die Welt, dass das neue Libyen an Gerechtigkeit glaube und die Absicht habe, sich an internationales Recht zu halten, sagte der Senator des US-Bundesstaats New Jersey, Robert Menendez, dem Magazin "Foreign Policy".

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Der ehemalige libysche Geheimagent Al-Megrahi (l.) sitzt im Rollstuhl während einer Pro-Gaddafi-Kundgebung in Tripolis. (Archivbild)

(Foto: Reuters)

Weitere Senatoren schlossen sich den Forderungen an. Die Freilassung Megrahis aus schottischer Haft 2009 sei ein "völliges Fehlurteil" gewesen, hieß es. Zwischenzeitlich sei Megrahi bei bester Gesundheit auf Pro-Gaddafi-Demonstrationen gesichtet worden. Dies sei ein "Schlag ins Gesicht" für die Familien der Lockerbie-Opfer. Megrahi war im August 2009 aus humanitären Gründen von der schottischen Regionalregierung begnadigt worden, weil er aufgrund einer Krebserkrankung im Endstadium angeblich nur noch drei Monate zu leben hatte. Eine Auslieferung an die USA hatte Gaddafi stets verweigert.

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Quelle: ntv.de, ppo/dpa/AFP/rts