Politik

73-jährige Kreml-Kritikerin Russland lässt "Soldatenmutter" festnehmen

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Ljudmila Bogatenkowa. Ein Sprecher des russischen Menschrechtsrates bezeichnete ihre Verhaftung als "Rache" für ihr Engagement.

(Foto: Twitter/Doschd TV )

Für zwei Tage kommt eine Vertreterin der Organisation "Soldatenmütter" in Russland in Haft - angeblich wegen Finanzbetrugs. Doch die 73-Jährige hatte zuvor die Rolle des Kreml im Ukraine-Konflikt kritisiert. Auf Kaution ist sie nun vorerst frei.

Eine Vertreterin der regierungskritischen russischen Gruppe der "Soldatenmütter" ist nach zwei Tagen Einzelhaft freigelassen worden. Die 73-jährige Ljudmila Bogatenkowa war am Samstag nach Angaben von Bürgerrechtlern verhaftet worden, nachdem sie als eine der ersten über den Tod russischer Soldaten bei Kämpfen in der Ostukraine berichtet hatte. Wie ihr Anwalt Andrej Sabinin mitteilte, sei Bogatenkowa in der südrussischen Stadt Stawropol auf Kaution freigekommen. Sie habe zudem eine Erklärung unterzeichnen müssen, dass sie das Land nicht verlassen werde.

Russischen Medienberichten zufolge lautet der Vorwurf gegenüber Bogatenkowa auf Betrug in mehrere Jahre zurückliegenden Finanzgeschäften. Sergej Kriwenko vom Menschenrechtsrat im Kreml bezeichnete die Festnahme als Versuch, die gesundheitlich angeschlagene Frau unter Druck zu setzen. "Es sieht nach Rache für ihr menschenrechtliches Engagement aus", sagte er gegenüber "Radio Free Europe".

Soldatenmütter als "ausländische Agenten"

Den Soldatenmüttern zufolge sind die Namen von rund 400 Russen bekannt, die bei Gefechten zwischen ukrainischen Regierungstruppen und moskautreuen Separatisten verletzt wurden oder starben. Der Kreml hatte lange dementiert, dass russische Soldaten an der Seite der Aufständischen kämpfen. Staatsmedien berichteten aber Anfang September erstmals von "Freiwilligen", die ihren Urlaub in der Ostukraine verbrachten und feierten getötete Soldaten als "Helden". Auch hatten sich laut Kreml in einem Fall russische Truppen "aus Versehen" in die Ukraine begeben, da sie sich angeblich im Grenzgebiet verirrt hatten.

Wie es bereits vor Kurzem aus dem Auswärtigen Amt hieß, seien zivilgesellschaftliche russische Organisationen wie die Soldatenmütter oder Memorial vom Kreml als "ausländische Agenten" diffamiert und unter Druck gesetzt worden. Das Verhalten des Kreml gegenüber den Nicht-Regierungsorganisationen in Russland hatte schon das für Ende Oktober geplante deutsch-russische Forum "Petersburger Dialog" in Sotschi in Gefahr gebracht. Etliche Organisationen hatten ihre Teilnahme an dem Treffen abgesagt, weil ein "offener Dialog mit der russischen Seite wegen der Gängelungen vieler Teilnehmer durch die Regierung in Moskau nicht möglich sei", sagte Grünen-Sprecher Omid Nouripour.

Quelle: ntv.de, bwe/rts/dpa/AFP