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"Links, liberal und konservativ" SPD und Grüne schicken Gauck

Der Lebensweg des am 24. Januar 1940 in Rostock geborenen Theologen Gauck ist von den Machenschaften der Stasi in der DDR geprägt - und wurde fast zu einer moralischen Instanz. Nach dem Willen von SPD und Grünen hätte Gauck sogar Bundespräsident werden sollen.

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Joachim Gauck hat keine echte Chance auf den Schlüssel von Bellevue.

(Foto: dpa)

Joachim Gauck ist in den vergangenen Jahren immer wieder für das höchste Amt im Staate gehandelt worden: 1999 waren es CSU-Kreise, die den damaligen Leiter der Stasiakten-Behörde als möglichen Bundespräsidenten ins Gespräch brachten. Jetzt ist er der Kandidat von SPD und Grünen. Obwohl die beiden Oppositionsparteien damit einen parteiunabhängigen Bewerber ins Rennen schicken, hat der 70-Jährige kaum eine Chance. Denn die Mehrheit in der Bundesversammlung für die Wahl am 30. Juni spricht für Union und FDP mit ihrem Kandidaten Christian Wulff (CDU).

Der Lebensweg des am 24. Januar 1940 in Rostock geborenen Theologen Gauck ist von den Machenschaften der Stasi in der DDR geprägt. Als evangelischer Pfarrer musste er mit ansehen, wie der Geheimdienst einige junge Leute aus seiner Rostocker Kirchengemeinde monatelang ins Gefängnis steckte, nur weil sie regimekritische Parolen an eine Wand gesprüht hatten. In der Wendezeit widmete er sich ganz der Aufarbeitung des Stasi-Erbes: Als Vorsitzender des Sonderausschusses zur Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit in der DDR-Volkskammer schmiedete Gauck im Sommer 1990 eine breite Koalition für ein Gesetz zur Öffnung der Stasi-Akten, obwohl dieses Unterfangen gerade im Westen auf Vorbehalte stieß.

Am Tag der Wiedervereinigung, dem 3. Oktober 1990, übernahm Gauck dann die Leitung der bald nach ihm benannten Behörde. So wurde er zum prominentesten Gesicht der einstigen DDR-Bürgerbewegung, während deren Anhänger im wiedervereinten Deutschland mehr und mehr an Einfluss verloren. Und es war vor allem Gauck, der beständig vor einem Schlussstrich unter die Auseinandersetzung mit dem Stasi-Erbe warnte - und damit fast zu einer moralischen Instanz wurde.

Nach zwei fünfjährigen Amtszeiten gab Gauck 2000 sein Amt an die heutige Bundesbeauftragte Marianne Birthler ab, doch er zog sich keineswegs aus der Öffentlichkeit zurück. Er versuchte sich 2001 als Fernsehmoderator, und zwar mit der Talkshow "Gauck trifft...". Nach der vielbeachteten Auftaktsendung mit dem damaligen Außenminister Joschka Fischer (Grüne) verlor die Sendung jedoch bald dramatisch an Zuschauern und wurde nach 20 Folgen eingestellt. Dennoch meldete er sich immer wieder in Publikationen und Interviews zu Wort, im November 2003 wurde er schließlich Vorsitzender des Vereins Gegen Vergessen - für Demokratie. Die Organisation setzt sich ein für die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und der DDR-Vergangenheit.

"Links – liberal – konservativ"

Ein politisches Amt lehnte Gauck, der sich selbst einmal als "linken liberalen Konservativen" bezeichnet hat, stets ab. Immer wieder wurde er als Kandidat für das Bundespräsidentenamt ins Gespräch gebracht, doch es kam nie zu einer Kandidatur. Dass er nach der Bundesversammlung am 30. Juni ins Berliner Schloss Bellevue einziehen wird, ist auch jetzt nicht zu erwarten. Denn in dem Gremium haben Union und FDP eine klare Mehrheit von mehr als 20 Stimmen über der absoluten Mehrheit.

Doch Joachim Gauck kann seine Kandidatur für das höchste Amt im Staate dazu nutzen, 20 Jahre nach der Wiedervereinigung noch einmal öffentlich über das Erbe der DDR zu räsonieren - und über den Zustand der Bundesrepublik von heute.

Quelle: n-tv.de, AFP

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