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66.000-Euro-Anzeige in der FAZ Saudi-Arabien investiert ins Image

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Saudi-Arabiens König Salman ibn Abd al-Aziz ist offenbar um ein gute Bild im Ausland bemüht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Stärke des IS hängt von den Finanzmitteln ab, die der Terrormiliz zur Verfügung stehen. Geld aus Saudi-Arabien hilft der Organisation seit Jahren. Der absolutistische Staat sieht sich nun zu einer öffentlichen Klarstellung gezwungen.

Saudi-Arabien sorgt sich um sein Image. In einer ganzseitigen Anzeige auf Seite 7 der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" tritt der Golfstaat dem Eindruck entgegen, es mit dem Kampf gegen den Terrorismus nicht ganz so ernst zu meinen. Das Königreich sieht sich immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, den IS-Terror zu finanzieren - oder Geldströme aus dem Land zumindest nicht zu unterbinden.

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Ausschnitt der ganzseitigen Anzeige in der FAZ

Die PR-Aktion lässt sich Saudi-Arabien fast 66.000 Euro kosten, so viel verlangt die renommierte Tageszeitung für eine so großformatige Annonce. Über sechs eng bedruckte Spalten und teils reichlich ungelenk ins Deutsche übersetzt lässt das Land aufführen, welche Aktivitäten es gegen den Terror unterstützt, initiiert und umgesetzt habe.

"Die primäre Mission der saudi-arabischen Regierung ist es, Beziehungen mit multilateralen Organisationen und ausländischen Regierungen zu schmieden, um antiterroristische Zielstellungen zu fördern", heißt es etwa. Gemeint ist: Saudi-Arabien bringt sich in Zusammenarbeit mit der Uno und anderen Staaten sehr wohl im Antiterrorkampf ein.

Der Text streicht die Rolle Saudi-Arabiens bei der "Demontierung der physischen Präsenz" von Al-Kaida heraus und zählt Antiterroraktionen in Syrien und im Jemen auf. Auch im Königreich selbst hätten Sicherheitskräfte terroristischen Bestrebungen erfolgreich entgegengewirkt und "eine unwillkommene Umgebung für Terroristen und Extremisten kreiert". Die Aktivitäten seien "nicht ohne Opfer" gewesen.

Sorge um Wirtschaftsbeziehungen

Darüber hinaus führe Saudi-Arabien einen "Krieg an Ideen". Mit zahllosen Kampagnen, Bildungsinitiativen und Deradikalisierungs- und Rehabilitationsprogrammen wollen die Herrscher am Golf den islamistischen Einfluss eindämmen. Manche der Initiativen seien sogar in anderen Ländern kopiert worden, heißt es nicht ohne Stolz.

Viel Wert legt Saudi-Arabien darauf, wie viel es bei der Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung unternehme. So seien alle wesentlichen internationalen Abkommen zur "Geldwäscherei" [sic] und Kontrolle der Finanzströme an Terrorgruppen umgesetzt worden. Zudem seien alle Überweisungen karitativer islamischer Organisationen ins Ausland gestoppt worden. Von solchen Vereinigungen ist in der Vergangenheit häufig Geld an den IS überwiesen worden.

Tatsächlich erkennen Experten an, dass Saudi-Arabien den Kampf gegen Terrorgeld aus dem eigenen Reich an den IS aufgenommen habe - nachdem das Land die Bedrohung lange nicht ernst genommen hatte. Günther Meyer, Leiter des Zentrums für Forschung zur arabischen Welt an der Universität Mainz, betonte bei n-tv.de, dass der Geldfluss jedoch längst verdeckt über ein ausgeklügeltes Botensystem funktioniert. Banken des IS stünden im Kontakt mit Dienstleistern in den Nachbarstaaten. Die bringen das Geld per Kurier nach Syrien oder in den Irak.

Die Sorge Saudi-Arabiens um das Ansehen in Deutschland hat vermutlich vor allem einen wirtschaftlichen Hintergrund. Die Länder sind wirtschaftlich eng miteinander verknüpft. Deutschland importiert Öl, Saudi-Arabien nimmt Maschinen, Anlagen, Kfz-Teile und Waffen ab. Der Handelsbilanzsaldo mit Saudi-Arabien ist das achthöchste. Riad - und auch Berlin - haben ein Interesse daran, dass es dabei bleibt.

Quelle: n-tv.de

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