Politik
Eine Luft-Boden-Rakete verfehlte ihr Ziel und löschte in einem Vorort von Sanaa eine komplette Familie mit sechs Kindern aus.
Eine Luft-Boden-Rakete verfehlte ihr Ziel und löschte in einem Vorort von Sanaa eine komplette Familie mit sechs Kindern aus.(Foto: dpa)
Samstag, 04. April 2015

Jemen schlittert weiter ins Chaos: Saudischer Angriff tötet Großfamilie

Eine Rakete aus Saudi-Arabien löscht bei Sanaa eine ganze Familie aus - Sinnbild für die dramatischer werdende Lage im Jemen. Selbst humanitäre Helfer fürchten um ihr Leben. Im Osten des Landes nutzt Al-Kaida das Chaos aus, um eine Hafenstadt zu übernehmen.

Bei einem saudischen Luftangriff gegen Ziele in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind mindestens zehn Menschen getötet worden. Der staatlichen Nachrichtenagentur Saba zufolge gehörten neun der Toten zur selben Familie, es handele sich um zwei Männer, eine Frau und sechs Kinder. Auf ihrer Homepage veröffentlichte die Agentur ein Foto, auf dem die nebeneinander liegenden Leichen von drei Kindern zu sehen sind. Die Echtheit des Bildes konnte noch nicht bestätigt werden.

Dutzende weitere Menschen in dem Vorort Hadschar Akasch erlitten Verletzungen, wie Anwohner berichteten. Rettungskräfte suchten unter den Trümmern nach Überlebenden. Bei den Opfern handelt es sich offensichtlich um Zivilisten. Der Luftangriff auf den Vorort von Sanaa hatte sich gegen ein nahes Camp der Huthi-Rebellen gerichtet. Eine Luft-Boden-Rakete verfehlte jedoch ihr Ziel und schlug in dem Wohngebiet ein.

Hilfsorganisationen unter Beschuss

Der ins Ausland geflohene Präsident Hadi verlässt sich in Aden auf seine Milizionäre. Sie wehren bisher noch erfolgreich die vorrückenden Huthi-Rebellen ab.
Der ins Ausland geflohene Präsident Hadi verlässt sich in Aden auf seine Milizionäre. Sie wehren bisher noch erfolgreich die vorrückenden Huthi-Rebellen ab.(Foto: AP)

Eine von Saudi-Arabien geführte sunnitische Allianz bombardiert seit zehn Tagen Stellungen der Huthis im Jemen. Die schiitischen Aufständischen haben weite Teile des Landes im Süden der arabischen Halbinsel unter ihre Kontrolle gebracht. Das Königshaus in Riad betrachtet die Huthis als "Klienten" Teherans. Saudi-Arabien und der Iran wetteifern um die Vorherrschaft in der Region.

Der saudisch-iranische "Stellvertreterkrieg" hat in seiner zweiten Woche immer mehr zivile Opfer gefordert. Nach UN-Angaben starben in dem instabilen Bürgerkriegsland bei Kämpfen allein in den letzten zwei Wochen mehr als 500 Zivilisten.

Gleichzeitig blockiert Saudi-Arabien nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) mehrere Hilfslieferungen für den Jemen. Das Rote Kreuz will zwei Flugzeuge mit Sanitätsmaterial für bis zu 1000 Verwundete sowie 30 Tonnen Medikamente und Material zur Reinigung von Wasser nach Sanaa fliegen. Außerdem soll ein Boot Chirurgen nach Aden bringen. Dafür fordert das Rote Kreuz jedoch Sicherheitsgarantien von dem von Saudi-Arabien geführten Militärbündnis.

Warum solche Sicherheitsgarantien nötig sind, zeigt der Fall zweier Helfer des Roten Halbmondes in der südlichen Metropole Aden. Sie wurden dem IKRK zufolge erschossen, als sie verwundete Menschen zu einem Krankenwagen getragen hätten.

Republikanische Milizen hier, Al-Kaida dort

Die Fronten in dem südarabischen Land sind verhärtet und werden zudem auch komplizierter. Lokale Milizen, die den geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi unterstützen, schlugen die Huthi-Rebellen weitgehend aus Aden zurück. Dabei halfen ihnen die Luftangriffe der saudischen Koalition.

In der südöstlichen Hafenstadt Mukalla festigte indes die örtliche Al-Kaida ihre Macht. Der jemenitische Ableger des Terrornetzes hatte die Stadt am vergangenen Donnerstag erobert. Bilder, die über Twitter verbreitet wurden, zeigen den örtlichen Al-Kaida-Führer Chalid Batarfi im Präsidentenpalast von Mukalla. Die Dschihadisten hatten ihn bei der Eroberung der Stadt aus dem Zentralgefängnis befreit, in dem er inhaftiert gewesen war.

Auf Antrag Russlands will sich der UN-Sicherheitsrat noch an diesem Samstagabend mit dem Blutvergießen im Jemen befassen. Die Beratungen des Weltsicherheitsrates sollten hinter verschlossenen Türen stattfinden. Moskau will einem Sprecher der russischen UN-Mission zufolge eine humanitäre Feuerpause erreichen. Das berichtet die russische Nachrichtenagentur Tass.

Quelle: n-tv.de